• Wolfsrudel in der Sonne
    Wolfsrudel in der Sonne  (Michael Roeder)

Der Wolf streift umher

Kaum ein Tier ist in der Schweiz so kontrovers und umstritten wie derzeit der Wolf : Entweder steht man für seinen absoluten Schutz oder seinen Untergang ein.

Er ist zwar der engste Verwandte des «besten Freundes des Menschen» und trotzdem jagte man ihn, bis er in Europa nahezu ausgestorben war. Der offiziell letzte Wolf in der Schweiz – vor seiner Rückkehr in den 90er-Jahren – wurde 1871 im Kanton Tessin erlegt. Erst im späten 20. Jahrhundert beobachtete man wieder vereinzelt Tiere. Heute leben gemäss den Angaben des Vereins «Gruppe Wolf Schweiz» zwischen 200 und 300 Wölfe in der Schweiz. Im Jahr 2012 bildete sich in der Calanda ein Wolfsrudel – das erste seit 150 Jahren. Auch Liechtenstein verzeichnete kürzlich gegen Ende des vergangenen Jahres einen Wolf im Oberen Saminatal. Die Präsenz des Wolfes ist sehr umstritten – genauso wie sein Status. Seit 1988 ist der Wolf bundesrechtlich geschützt und sorgt in einigen Kreisen für Kopfschütteln. Wie mit dem zurückgekehrten Raubtier umzugehen ist, schreiben die jeweiligen Konzepte vor. Das Amt für Umwelt in Liechtenstein stellte sein Wolfskonzept, das eng an das der Schweiz angelehnt ist, anfangs November 2018 vor. Laut diesem geniesst der Wolf eine absolute Schutzstellung, was teilweise zu Unverständnis führte, da der Wolf keine natürlichen Feinde habe.

Der Wolf ist ein mobiles Tier
Dass sich ein Wolf für eine längere Zeit in Liechtenstein aufhalten wird, ist eher unwahrscheinlich. Denn wie Wolfsexperte Ralph Manz von Kora, Raubtierökologie und Wildtiermanagement, an der Infoveranstaltung ausführte, sei der Wolf ein «Marathonläufer». In 50 Tagen könne er eine Strecke von über 1500 Kilometern zurücklegen. Die Organisation zeichnete sogar schon einen nächtlichen Streifzug von 190 Kilometern auf. Auch in der Schweiz wird der Umstand berücksichtigt, dass der Wolf ein sehr mobiles Tier ist, das sich meist in kantonsübergreifenden Gebieten aufhält.

Das Wolfskonzept des Kantons St. Gallen ist bereits 2013 erstellt worden. Darin ist festgehalten, dass sich einige Gegenden des Kantons als Lebensraum für den Wolf eignen würden. Ausgenommen davon seien der dicht besiedelte und intensiv genutzte Norden sowie die Ebenen des Rhein- und Seeztals. Das zeigen auch die Wolfsaufzeichnungen der vergangenen Jahre. Das Konzept fordert einen sachlichen und transparenten Umgang mit dem Tier. Darin wird auch ganz klar festgehalten, wie bei Übergriffen von Nutztieren vorzugehen ist, damit der Tierhalter auch entschädigt wird. Zudem werden sie dazu aufgerufen, ihre Tiere ausreichend zu schützen. Das Konzept geht davon aus, dass ein hoher Elektrozaun ausreichen würde. Ein Abschuss des Wolfes käme erst in Frage, sobald die Schäden an den Nutztieren nicht mehr tragbar seien. Denn die Hauptursache für den Tod der Schafe seien Krankheiten, Abstürze und ungeklärte Tierverluste. Weiter legt das Konzept fest, ab wann ein Wolf zum «Problem» wird. (ms)

 

19. Jan 2019 / 23:14
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