•  (Daniel Schwendener)

Der Sommer ist schon länger vorbei als gedacht

Bereits der Frühling hielt in diesem Jahr früh Einzug in Mitteleuropa, gefolgt von einem Rekordsommer, der gefühlt noch bis vor wenigen Wochen anhielt. Beobachtet man die Natur jedoch genau und wirft einen Blick auf den phänologischen Kalender, wird einem klar: Der Herbst hat sich schon längst eingeschlichen.

Morgens ist es noch dunkel. Ein dicker Nebel hängt in der Luft. Es ist feucht und kalt. Die Wege sind mit Laub bedeckt. An schöneren Tagen leuchten die Wälder der Region in Gelb-, Orange- und Rottönen. Wir wissen: Jetzt ist Herbst.

In diesem Jahr ist alles etwas anders. Schon der Frühling war besonders lang und der Sommer extrem heiss. Gefühlt wollte dieser auch kein Ende nehmen. Länger als sonst hielten die warmen Temperaturen an. Nur die Natur scheint sich davon nicht beirren zu lassen. Zumindest auf den ersten Blick. Betrachtet man die Bäume, merkt man: Der Herbst ist bereits in vollem Gang. Doch seit wann eigentlich und wie wird der Herbstbeginn bestimmt?

Drei Mal Herbstbeginn
Es gibt drei Daten, die den Herbstanfang markieren. Der astronomische Herbstanfang richtet sich nach dem Stand der Sonne und ist am 22. beziehungsweise 23. September, bei der Tag-und-Nacht-Gleiche. Ab diesem Datum sind die Nächte länger als die Tage. Erst bei der Wintersonnenwende am 21. Dezember werden die Tage wieder länger. Dieses Datum bezeichnet übrigens den astronomischen Winteranfang. Der astronomische oder kalendarische Herbstbeginn auf der Nordhalbkugel kennzeichnet zugleich den Frühjahrsbeginn auf der Südhalbkugel. 

Der meteorologische Herbst beginnt bereits am 1. September und erstreckt sich über drei Monate. In der Regel werden mit Beginn des Monats auf der Nordhalbkugel häufig vermehrte Kaltfronten beobachtet. Allerdings kann sich zum Herbstbeginn ein sogenannter Altweibersommer einstellen, wie es in diesem Jahr der Fall war. Den meteorologischen Herbstanfang gibt es übrigens erst seit den ersten Wetteraufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. 

Während sich der astronomische und der meteorologische Herbst nach einem fixen Datum richten, kann der phänologische Herbst nicht auf einen Tag festgemacht werden. Der phänologische Kalender richtet sich nämlich nach dem Entwicklungsstand der Pflanzenwelt. Daher kann dieser auch völlig vom astrologischen oder meteorologischen Kalender abweichen und ist von Ort zu Ort und Jahr zu Jahr verschieden. Der frühe Herbst beginnt zum Beispiel, wenn die Herbstzeitlose blüht und Zwetschgen und Birnen geerntet werden. Verfärbt sich das Laub der Bäume beginnt der Vollherbst. Dann werden auch Spätkartoffeln, Äpfel und Rüben geerntet. Mit dem Aufgehen von Wintergetreide beginnt der phänologische Spätherbst. Vor allem Bauern richten sich nach dem phänologischen Kalender respektive der Reife ihrer Früchte.

Es herbstelt schon seit August
In diesem Jahr ist alles etwas anders. Bereits der Vorfrühling hat früher begonnen als üblich. Wie Phänologen berichten, blühte die Hasel in manchen Gebieten Mitteleuropas bereits Anfang Dezember des vergangenen Jahres. Und auch der Sommer setzte gemäss Beobachtungen früher ein. Und dieser, der gefühlt so lang war, war laut den Phänologen wesentlich kürzer. Denn kaum waren die Augustäpfel reif, waren auch schon die Holunderbeeren schwarz – die ersten Vorboten des Herbstes.

Ein sicheres Zeichen dafür, dass sich das Jahr dem Ende zuneigt, sind die verfärbten Blätter der Bäume. Das passiert normalerweise, wenn die Temperaturen sinken. Die Bäume ziehen ihre Nährstoffe aus den Blättern zurück und wappnen sich für den Frost im Winter. Angesichts der warmen Temperaturen im September und auch noch Anfang Oktober schien es etwas befremdlich, als die Blätter von Buchen und Birken sich trotz des Ausbleibens der Kälte verfärbten – eigentlich ein Zeichen für den Vollherbst. 

Ursache dafür ist nicht nur der frühe Beginn des Sommers, sondern auch die heissen und vor allem trockenen Temperaturen der vergangenen Monate. In vielen Regionen herrschte Dürre, die den Pflanzen zusetzte. Sie haben kaum mehr Nährstoffe und Wasser gespeichert. Die Folge: eine frühere Fruchtreife und Blattverfärbung. Phänologischen Beobachtungen zufolge hat in vielen Regionen daher der Herbst längst begonnen, schon im August und teils sogar noch früher. 

Sobald die Stiel-Eiche ihre Blätter abwirft, kündigt sich der Winter an. Soweit ist es noch nicht. Eichen kommen mit Trockenheit gut zurecht. Insofern lässt der Winter womöglich noch etwas auf sich warten. (sms)

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04. Nov 2018 / 00:00
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