• Adventures on the mountain: women together
    Vor allem die sozialen Medien bringen Jugendliche dazu, die Natur wiederzuentdecken.  (piola666)

Der Hype ums Wandern

In der Schweiz gilt Wandern als der populärste Ausgleich zum Stress in der modernen Leistungsgesellschaft. Rund zwei Drittel zieht die Natur als Erholungsort dem eigenen zu Hause vor. Mit der Trendwende erhält Wandern zudem ein neues Image.

Wandern war als Volkssport noch nie so beliebt wie heute, davon ist Martin Nydegger, Direktor von Schweiz Tourismus, überzeugt. Sein Unternehmen machte das Wandern zum zentralen Thema der diesjährigen Sommerkampagne. Zudem gab er eine internationale Studie in Auftrag, die untersuchte, welche Bedeutung die Natur sowie Naturaktivitäten für Menschen in der digitalen Leistungsgesellschaft haben. Das Resultat: In der Schweiz fühlen sich 76 Prozent der Befragten gestresst. Gründe dafür sind die Anforderungen in der Berufswelt, die ständige Erreichbarkeit und das Mithalten mit der Technologie. Das Erstaunliche daran ist jedoch, dass im Vergleich zu anderen Ländern, sich die Schweizer dadurch nicht gesundheitlich beeinträchtigt fühlen. Der Grund dafür sieht die Studie darin, dass sich die Schweizer besonders oft in der Natur bewegen oder aufhalten und dadurch die Gesundheit weniger vom Stress beeinträchtigt wird. 

Die Natur ist dort, wo der Mensch Erholung findet. Der Rückzug dorthin spielt eine zentrale Rolle in der Wahrung des emotionalen Gleichgewichts. Die Schweizer ziehen gemäss der Studie die Natur sogar den eigenen vier Wänden vor. Das Motiv ist die Bewegung, obwohl nur eine kleine Minderheit sich beim Wandern bestimmte Leistungsziele setzt. Durch diese Entwicklung hat sich auch das Image vom Wandern stark verändert. Die Aktivität gilt nicht mehr als altmodisch und eingestaubt, sondern liegt bei Jung und Alt im Trend. Als Grund dafür nennt Liechtenstein Marketing das Training des Körpers während dem Marschieren. Es ist ein Ausgleich zum hektischen Alltag und hilft den Kopf auszulüften. Bis in den Spätherbst zieht es die Menschen in die Berge. Gemäss Liechtenstein Marketing zeigen die Wetterdaten der vergangenen 20 Jahren, dass die Nebeltage im Herbst stetig zurückgehen. Gleiches gilt für die Herbststürme. Was hingegen steigt, sind die Temperaturen, wodurch sich die Herbstsaison verlängert. Stabile Wetterlagen, angenehme Temperaturen und teils wunderschöne Aussichten ziehen so viele Leute in die Bergwelt. 

Die Generation Instagram

Dass Wandern kein Trend von gestern ist, spürt auch die Heidiland Tourismus AG. Der Anstieg von Wandergästen sei schon seit Jahren spürbar. «Die Natur gewinnt in Zeiten zunehmender Digitalisierung als analoger Sehnsuchtsort an Relevanz. Und wie lässt sich die Natur besser erfahren, als entschleunigt unterwegs auf Wanderpfaden», fragt sich Orlando Bergamin, Geschäftsführer der Heidiland Tourismus AG. Er beobachtet, dass vor allem junge Menschen zwischen 18 und 35 Jahren das Wandern für sich entdecken. «Wandern ist das Rote-Socken-Image definitiv los. Gerade die Generation Instagram entdeckt die Natur wieder für sich», betont er und weist darauf hin, wie exzessiv diese Altersgruppe die neue Lust am Naturerlebnis wiederum auf den sozialen Medien zelebriert. «Inspiriert von Natur-Spots auf Instagram oder von Berichten der Outdoor-Blogger wird die Sehnsucht nach dem realen Erlebnis immer wieder neu geweckt.» Sucht man beispielsweise auf Instagram nach dem Hashtag Wandern, erscheinen 2,8 Millionen Beiträge.

Die Stille der Natur

Im Sarganserland bieten der Pizol und Flumserberg mit ihren Touren regelrechte Wanderklassiker. Am Walensee begeistert die Wanderung zu den Murgseen ins autofreie Quinten. Genusswanderer bevorzugen laut Heidiland Tourismus die Weinwanderwege der Bündner Herrschaft oder die Wanderung zur Taminaschlucht. «Gipfelstürmer erobern gerne den Vilan, den Gonzen oder am Pizol den Garmil, wo atemberaubende Aussichten warten», schwärmt Orlando Bergamin. Nebst den Hotspots gibt es auch abgelegenere Gebiete, die Ruhe versprechen. «In den Seitentäler des Sarganserlandes – im Taminatal und Weisstannental etwa – gibt es zahlreiche Möglichkeiten, um die Stille der Natur sowie die atemberaubende Landschaft zu geniessen.» Kleine Bahnen wie die Seilbahn Palfries, die Vättnebergbahn oder die Seilbahn auf das Malanser Älpli, erschliessen weniger stark frequentierte Wandergebiete.

Deutlich jüngeres Publikum

Obwohl das Wandern im Sommer in den Bergen an Beliebtheit gewinnt, bleibt diese Saison vorläufig noch ein Nebengeschäft. «Der Wintertourismus steht noch klar im Fokus der Bevölkerung. Das sieht man auch am aktuellen Verkehrsertrag. Deutlich liegt hier der Prozentsatz bei 5,9 Prozent. Wo hingegen der Sommertourismus bei 2,2 Prozent liegt», ist Stefanie Turski, Assistenz der Geschäftsleitung der Pizolbahnen, überzeugt. Doch erwähnt sie, wie auch schon Liechtenstein Marketing, dass der Klimawandel einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklung nehme. 

Im Sommer finden Wanderer, Sportkletterer, Gleitschirmpiloten, Mountainbiker und Sportfischer den Weg auf den Pizol. «Nicht nur die bekannte 5-Seen-Wanderung lockt seit Jahren über die Grenzen hinaus viele Touristen an. Vom Talboden bis zum Pizol-Gipfel und seinem Restgletscher auf 2844 Höhenmetern erschliessen sich mehr als 100 Kilometer Wanderwege von familiär bis alpin», so Tuski. Was die Besucher betrifft, beobachtet sie ein deutlich jüngeres Publikum als auch schon. «Dank den sozialen Medien wurde das Wandern wieder berühmt und vor allem begehrt. Die junge Generation liebt es, in der Natur draussen zu sein und laufend neue Abenteuer zu entdecken. Wir können sagen, dass Instagram einen regelrechten Boom seit ein bis zwei  Jahren auf der 5-Seen-Wanderung ausgelöst hat. Der Wildsee mit dem Gipfel und dem Restgletscher gehört beispielsweise neben dem Matterhorn zu den Lieblingssujets von vielen Influencern weltweit», freut sich Stefanie Tuski.

Im Werdenberg ist nach Angaben von Werdenberg Tourismus der Rheintaler Höhenweg (105 Kilometer vom Bodensee bis nach Sargans) sowie der Schlossweg von Sargans über Wartau nach Werdenberg sehr beliebt. «Diverse Wanderungen mit Start ab Buchser Malbun oder von der Staubern nach Wildhaus sind ebenfalls gut besucht», erzählt Flurina Wachter von Werdenberg Tourismus. Als Hotspot in der Region würde sie den Voralpsee bezeichnen mit der Kletterwand in der Nähe und die Saxerlücke sowie das Städtli Werdenberg mit Schloss. Für diejenigen, die nach einem stillen Ort in der unberührten Natur suchen, empfiehlt sie die Schaneralp im Wartau.

Trittsichere Wanderer

Die Liechtensteiner Bergwelt bietet eine wunderbare Weitsicht. «Bei in- und ausländischen Berggängern sind Klassiker wie der Fürstin-Gina- Weg und die Drei-Schwestern-Wanderung beliebt. Der Fürstin-Gina-Weg startet in Malbun und führt über einen wunderschönen Gratweg über den Augstenberg zur Pfälzerhütte. Vom Augstenberg aus hat man einen Rundblick zur Falkniskette und dem Schesaplanastock», informiert Nicole Thöny, Mediensprecherin von Liechtenstein Marketing. Der Fürstensteig und der Drei-Schwestern-Steig sind durch einen Gratweg miteinander verbunden und nur etwas für trittsichere Wanderer. Der höchste Punkt der Bergwanderung ist der Kuhgrat, der eine tolle Aussicht auf den Rätikon bietet sowie die Vorarlberger und Schweizer Alpen. «Etwas gemütlicher, aber nicht weniger bekannt ist der Spaziergang oder die Fahrt mit dem Bike zur Gafadurahütte», berichtet die Mediensprecherin weiter. Dafür gibt es einen Fahrtweg sowie einen steileren Waldweg, der nach oben in die bewirtschaftete Hütte führt. 

Als etwas weniger bekannte Route beschreibt Nicole Thöny die Wanderung zum Rappenstein: «Der Gratweg führt durch beeindruckende Landschaftskulissen auf den 2222 Meter hohen Berg, auf dessen Gipfel ein Kreuz thront. Von hier aus sind alle Berge der Liechtensteiner Alpen, der Alpstein und an guten Tagen auch der Bodensee sichtbar.» Eine etwas kürzere Tour sei auf den Alpspitz. Ab Gaflei über die Alp Bargälla erreiche man das älteste Gipfelkreuz im Land und geniesse einen Rundumblick. Als Alternativroute kann man den Rückweg auch über den Fürstensteig antreten. (ms)

01. Sep 2019 / 00:00
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