Den Zauber der Weihnacht gibt es noch

Weihnachten, wie man es früher kannte, gibt es heute nicht mehr, die Traditionen haben sich im Laufe der Jahre verändert. Der Sinn von Weihnachten jedoch ist geblieben: Eine friedliche Zeit mit den Menschen zu verbringen, die einem am Herzen liegen.

Der Baum ist geschmückt, das Essen duftet schon köstlich und endlich klingelt das Weihnachtsglöckchen – wenn es denn eines gibt. Denn die Rituale beim Fest der Feste sind nicht unabänderlich, sondern einem ständigen Wandel unterworfen. Kaum jemand kann sich jedoch dem Zauber der Weihnacht entziehen und für die meisten hierzulande sind die Festtage nach wie vor eine Zeit der Begegnung mit der Familie, Verwandten und Freunden.

Ein christliches Familienfest
Ältere Generationen feierten noch weniger pompös und kommerziell als heute. Damals kamen die Familien zusammen, man ging in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, weitaus weiter verbreitet als in der heutigen Zeit, in die Kirche zur Christmette oder Christvesper, sang volkstümliche Weihnachtslieder und sagte Weihnachtsgedichte auf. Der Glaube stand damals noch stärker im Fokus. Weihnachten wurde als christliches Familienfest begangen. Das Vorlesen der Weihnachtsgeschichte und das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern gehörte dazu. Die Kinder glaubten länger an das Christkind. Und auch gegessen wurde zu Weihnachten viel bescheidener als heute. Die Geschenkeflut, die heute oftmals herrscht, war damals undenkbar. Geschenkt wurde vielmehr Nützliches wie Socken, Handschuhe oder ein Schal. Sofern es Spielzeuggeschenke gab, waren diese meistens handgefertigt: Aus Stoffresten wurde eine Puppe genäht und aus einem Stück Holz ein Spielzeugauto geschnitzt. Die Kinder freuten sich riesig und waren dankbar und stolz, Spielzeug zu besitzen. An Christkindlmärkte oder Adventskalender kann sich keiner der Senioren erinnern. Beides kam erst in späteren Jahren auf. 

Der Weihnachtsbaum – ein Luxus
Es heisst, dass 1419 Bäcker aus Freiburg einen Nadelbaum mit Äpfeln und Lebkuchen schmückten und so der erste Weihnachtsbaum entstand. Doch ganz sicher belegt ist das nicht. In Bremen wurde 1597 die erste geschmückte Tanne dokumentiert. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts standen dann die ersten geschmückten Tannen in den Zimmern protestantischer Adliger, später breiteten sie sich auch unter Katholiken und in der weniger wohlhabenden Bevölkerung aus – vor allem als dekorativer Mittelpunkt zum Fest. Da die ärmere Bevölkerung sich eine Tanne nicht leisten konnte, hatten ab dem 18. Jahrhundert zuerst nur wohlhabende Bürger einen geschmückten Tannenbaum in der Stube. Die Ärmeren mussten sich mit grünen Zweigen begnügen. Im 19. Jahrhundert ging der Trend zur Weihnachtstanne dann von Deutschland aus auf ganz Europa über. Denn ab dieser Zeit gab es auch mehr extra angepflanzte Nadelwälder als zuvor, sodass mehr Menschen sich einen Baum zum Fest leisten konnten. Geschmückt wurden die ersten Bäume  mit Äpfeln, Oblaten, Nüssen, Gebäck und Zuckerzeug, später bastelten die Familien Papierketten, Bilderbögen, Wattefiguren und Strohsterne. Im 20. Jahrhundert wurden diese allmählich durch Glasschmuck, echten Kerzen und Lametta verdrängt. Die glänzenden Fäden wurden erstmals 1878 in Nürnberg hergestellt. Stroh und Heu sollte hier die Symbolik sein. Am Christbaum taucht Lametta übrigens in Italien erstmals auf. Daher der Name Lametta. Es kommt als Verkleinerungsform im Italienischen vom lateinischen Wort «lama» und bedeutet «Metall». Mittlerweile geht der Trend vom Lametta wieder weg.

Traditionen bleiben erhalten
Dass an Weihnachten die Geburt Jesu gefeiert wird, wissen die meisten, auch wenn sie nicht religiös sind. Wie Jesus in einem Stall in Bethlehem zur Welt kam und dort in eine Krippe mit Stroh gelegt wurde, ist der zentrale Teil der Weihnachtsgeschichte. Die Familien haben heute ihre eigenen Traditionen: Kirche ja oder nein, und wenn ja, vor oder nach der Bescherung? Und wann wird gegessen? Bevor oder nachdem es die Geschenke gab? Was gibt es zu essen? Kartoffelsalat mit Würstchen, klassischer Braten, Weihnachtsgans, Raclette, Fondue Chinoise, Fisch … In vielen Familien wird traditionell ein bestimmter Weihnachtsfilm geschaut, wie zum Beispiel «A Christmas Carol» von Charles Dickens, «Der Polarexpress» oder «Der Grinch». Der grösste Klassiker zum Fest ist selbstverständlich «Drei Nüsse für Aschenbrödel». 

Vieles hat sich über die Jahre verändert – jedoch gibt es auch Beständigkeit. Rituale wie das Singen unterm Weihnachtsbaum aber bleiben. Auch wenn Weihnachtslieder und Gedichte heute nicht mehr allzu häufig unter der Tanne vorgetragen, werden. Manche pflegen diese Tradition noch. Denn Rituale sind ein grundlegendes Bedürfnis. Bis heute. Auch wenn mittlerweile nach der Bescherung am Heiligabend Diskotheken offen sind und Bars zum weihnachtlichen Absacker einladen: Das festliche Familientreffen zieht sich durch die Jahrzehnte. Das gilt selbst dann, wenn sich das Bild von der Kernfamilie zur Wahlfamilie wandelt: hin zu den Freunden, die sich zum festlichen Essen unter dem Weihnachtsbaum versammeln – an dem nun seltener als in der Nachkriegszeit Lametta hängt. Das gemeinsame Schmücken des Baumes ist eine schöne Tradition, die auch Kindern viel Spass bereitet. Kerzen, Krippen, Lichterketten schmücken die Wohnung, und beim Speiseplan gibt es erstaunlich wenig Abwechslung. Ob Kartoffelsalat mit Würstchen oder die Weihnachtsgans: Auch das weihnachtliche Essen ist vielfach geprägt von Ritualen. Für manche ist nach wie vor ein Heiligabend ohne Besuch der Christmette nicht vorstellbar. Solche Traditionen dienen der Selbstvergewisserung, ja sogar der Identitätsbildung.

Wie, wo und mit wem man Weihnachten verbringt, spielt im Grunde keine Rolle, solange der eigentliche Sinn des Weihnachtsfestes nicht verloren geht: Eine besinnliche und friedliche Zeit mit geliebten Menschen zu verbringen und die eigenen Traditionen zu leben und zu geniessen. Wie auch immer diese aussehen mögen.

22. Dez 2018 / 21:00
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