• Jäger
    Die Jagd dient dazu, Überpopulationen beim Wild zu vermeiden.  (visualspace)

Das Wild steht wieder im Fokus

Mit dem Herbst startet nebst der Nusssaison, Obsternte oder Weinlese auch die Wild- und Jagdsaison. Dabei geht es unter anderem auch darum, eine Überpopulation des Wildes zu verhindern – zum Schutz des Waldes.
Vaduz. 

Die Hirsche röhren wieder und in den ländlichen Restaurants sind erneut Wildspe­zialitäten auf der Speisekarte zu finden. Während sich das Rehwild das gesamte Jahr über in der Ebene wohlfühlt, bekommt man die Hirsche erst zu Gesicht, wenn der Schnee sie zwingt, sich in besiedelte Gebiete zu begeben. Im Winter 2012/13 wurden in Gams und Grabs über hundert Hirsche beobachtet, welche die Strassen überquerten. Die Rehe dagegen bleiben dort, wo die Struktur für sie stimmt. Hirsche dagegen nehmen die Gefahr, ins Tal zu ziehen, erst auf sich, wenn sie zu verhungern drohen. Sobald die Schneeschmelze einsetzt, verschwinden sie wieder in die Berge und den Wald, den sie dann auch kaum mehr verlassen werden. Dafür hat Silvan Eugster, Wildhüter im Kreis 2, der sich von Rebstein bis nach Wartau zieht, eine einfache Erklärung: «Das Rotwild ist viel anfälliger auf Störungen als das Rehwild. Es fühlt sich eher durch die Aktivitäten des Menschen gestört.» Zudem würde das Rotwild in engen sozialen Verbänden leben und wandern, wobei es versuche, den Menschen zu meiden. Das Rehwild dagegen lebt in einem Revier und verteidigt dieses auch gegen seine Artgenossen. In der Nähe der Autobahn und des Rheins könne man das ganze Jahr über Rehe beobachten.

Zählungen sind schwierig
Den Bestand der Tiere auf eine Zahl festzulegen, gestaltet sich nach Angaben von Silvan Eugster sehr schwierig, da es eine grosse Dunkelziffer gebe. «Im Frühling zählten wir beim Rotwild knapp 600 Tiere in der Region Rheintal und Werdenberg. Jedoch sieht man nicht alle. Im Mai und Juni kommen dann die Jungtiere zur Welt», berichtet er. Bei den Gämsen zählten die Wildhüter im Alpstein bis zu 1000 Tiere, in den Churfirsten sogar 1200. Auch bei den Gämsen wird eine grosse Dunkelziffer vermutet.

Im Kanton St. Gallen sind die Jagdgebiete an Jäger verpachtet. «Einige Wildtiere werden bereits im Mai, Hirsch und Gams von August bis September gejagt», erläutert Silvan Eugster. Mütter und ihre Kälber dagegen sind geschützt. Bei der Jagd geht es nicht nur darum, den Restaurants Fleisch für die Wildspezialitäten zu liefern. Der Bestand der Tiere soll damit auf einem konstanten Niveau gehalten werden. «In den meisten Fällen wird so viel geschossen, wie Jungtiere im Frühling zur Welt gekommen sind», erläutert der Wild­hüter. «Ausser, es war ein harter Winter und zahlreiche Tiere haben diesen nicht überlebt, dann werden die Abschusszahlen reduziert.» Beim Rotwild seien es dieses Jahr 270 Tiere, von den Gämsen 120 und beim Rehwild 320, die in der Region Werdenberg und Rheintal geschossen werden. «Rehe gibt es am meisten, da sie fast jeden Lebensraum nutzen können.» Was weiters einen Einfluss auf die Zahl der Abschüsse nehmen kann, seien die Raubtiere. «Auch darauf nehmen wir Rücksicht, also wie sich die Population des Luchses in der Region gestaltet», so Silvan Eugster. Weiter betont er, dass die Jagd auf die Wildtiere eine nachhaltige Massnahme sei. Der Wald werde damit geschützt, denn die Anzahl der Tiere soll an ihren Lebensraum angepasst sein. «Es gilt auch, Schäden am Wald und vor allem Krankheiten der Tiere zu vermeiden. Denn bei einem Überbestand rafft nicht selten eine Krankheit die Tiere dahin, um diesen wieder auszugleichen», bemerkt er. So werde das Fleisch genutzt, ohne der Art zu schaden, da stets gesunde Tiere unterwegs seien.

Wölfe im Sarganserland
Auch im Sarganserland wird wie­der fleissig gejagt. Die Saison ist vergleichbar mit jener der umliegenden Regionen. Hinzu kommt noch der Stein­bock, der vom 1. September bis November gejagt werden darf. Beim Wildtierbestand konnte Rolf Wildhaber vom Wildhutkreis 3 (St. Galler Oberland: Sargans, Mels, Pfäfers, Vättis, Bad Ragaz) keine genauen Zahlen nennen, da das Wild des Öfteren die Kantonsgrenze überquere. «Im Sarganserland leben ungefähr 650 bis 700 Steinböcke. Teilweise kommen oder gehen sie ins Bündnerland. Das Rotwild wandert auch und wird um die 1000 Tiere geschätzt. Bei den Gämsen um die 1300 Tiere», berichtet Rolf Wildhaber. Die Rehe dagegen seien kaum zählbar, da sie sich in den Wäldern bewegen und fliehen.

Selbst während der Jagdsaison gibt es im Sarganserland sogenannte Schutzgebiete, in denen das Wild nicht gejagt werden darf. «Ein kantonales befindet sich beim Gamsberg. Ein weiteres umfasst zwei Drittel des Weisstannentals und ein Drittel nördlich des Calfeisentals», berichtet der Wildhüter. Es gebe einige Tiere, die, sobald die Jagdsaison beginne, sich dorthin zurückziehen würden. «Es kommt aber nicht zu einer grossen Überpopulation, es sind vereinzelte Tiere, die dorthin flüchten. Es fällt nur auf, dass sich dort plötzlich mehr aufhalten als im Jagdgebiet», so Rolf Wildhaber. 

Da sich ein Teil des Reviers des Calandarudels auch im Sarganserland befindet, wirkt sich das auch auf die entsprechenden Abschusszahlen aus. «Im Moment ist es nur in Vättis der Fall, dass sich dort die Population und deshalb auch die Abschusszahl des Wildes halbiert hat», erläutert Rolf Wildhaber. Zwischen Bad Ragaz und Flumserberg würden sich gerade zwei einzelne Wölfe aufhalten, die jedoch kaum Einfluss auf die Wildpopulation nehmen. «Gams und Steinbock verhalten sich dabei anders und bewegen sich vermehrt an den Randgebieten», führt Rolf Wildhaber weiter aus. Bei den Hirschen sei eine Verschiebung bemerkbar. «Aber ob da wirklich nur der Wolf alleine der Auslöser ist, bin ich mir nicht sicher», meint der Wildhüter.

Gämsen und Hirsche wandern
Auch in Liechtenstein kann der Bestand des Rehwildes, wie im Sarganserland und in Werdenberg, aufgrund der Lebensweise des Rehwildes nur geschätzt werden. Das Amt für Umwelt vermutet einen Bestand von ungefähr 700 Tieren. Da sich das Rotwild auch über die Grenzen nach Graubünden und Vorarlberg bewegt, halten sich im Sommerhalbjahr etwa 700 Tiere in Liechtenstein auf. «Es bestehen aber ausgeprägte Wechselbeziehungen mit Vorarlberg und etwas weniger mit Graubünden. Das heisst, dass sich von diesen 700 Stück Rotwild auch im Sommerhalbjahr nicht alle dauernd in Liechtenstein aufhalten», ergänzt Wolfgang Kersting vom Fachbereich Jagd und Fischerei der Abteilung Wald und Landschaft. Genauso würde sich auch die Gämse verhalten, von der sich ungefähr 660 Stück im Land aufhalten. 

Die Jagdzeit auf Reh, Gämse und Rotwild dauert in den rheintalseitigen Hanglagen und in der Talebene vom 1. Mai bis 31. Dezember – in den Bergrevieren vom 1. Mai bis zum 14. Dezember. «Dabei gilt es zu beachten, dass jagdstrategische Überlegungen und/oder für die Jagd länger andauernde ungünstige Grosswetterlagen zu Jagdpausen führen. Das Wild wird also nicht flächendeckend und während der ganzen Zeit bejagt», fügt Wolfgang Kersting hinzu. Der Abschussplan für das Jagdjahr 2018/2019 sieht folgendermassen aus: Beim Rehwild sind 290 Tiere vorgesehen. Beim Rotwild wird noch zwischen den Geschlechtern unterschieden: 98 Hirsche (1 Jahr alt und älter) und insgesamt 192 weibliche Tiere (1 Jahr und älter) sowie Kälber beiderlei Geschlechts. Der Abschuss beim Rotwild gilt dann als erfüllt, wenn 192 weibliche Tiere oder Kälber erlegt wurden. Dies begründet Wolfgang Kersting damit, dass der Überhang an weiblichen Tieren mit der Zielsetzung zusammenhänge, den Bestand in seiner Grösse zu regulieren. Bei den Gämsen sind 160 Tiere zum Abschuss vorgesehen. 

«In Naturschutzgebieten, ausgenommen im Ruggeller Riet, und in Siedlungsgebieten ist die Jagdausübung verboten», informiert Wolfgang Kersting. Winterruhezonen hingegen würden die Jagdausübung nicht beeinflussen. Während des Zeitraums, in dem die Wildruhe­zonen gültig sind, sei keine Jagdzeit. (ms)

22. Sep 2018 / 22:46
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