• Esther Tinner, Vizepräsidentin des Vereins Nussdorf Frümsen, hat mit dem Rollsammler eine schlaue Hilfe für grosse und kleine Nüsse. Einfach über den Rasen rollen und alle Nüsse sind im "Nussroller".  (Rudi Schachenhofer)

Das Kraftwunder Baumnuss

Die Walnuss führte lange ein Schattendasein. Dabei ist sie in vielerlei Hinsicht ein wertvolles Gut. Der Verein Nussdorf Frümsen setzt sich für die Baumfrucht aktiv ein.

Lange glaubte man, die Walnuss sei mit den Römern nach Europa gekommen. Ganz stimmt das jedoch nicht, wie Hans Oppliger, Präsident des Vereins Nussdorf Frümsen, erklärt. «Man hat bei archäologischen Ausgrabungen Nussschalen gefunden, die darauf hinweisen, dass die Baumnuss schon vor etwa 5000 bis 6000 Jahren bei uns bekannt war.» 

Ursprünglich stammt der Walnussbaum aus Asien. «Bei Kirgistan, an der Grenze zu China ungefähr», sagt der Experte. Aus milden Regionen also. Doch der Nussbaum ist robust und verträgt auch das mitteleuropäische Klima gut, weshalb er bereits in der Antike kultiviert wurde.

Vielfalt erhalten
«Doch Nuss ist nicht gleich Nuss», stellt Nuss-Spezialist Lorenz Huber fest. Der Sortengarten des Vereins Nussdorf Frümsen befindet sich oberhalb des Rebbergs. «Das Land gehört der Ortsgemeinde Haag. Da wir eine nationale Primärsammlung schaffen wollten, mussten wir ein öffentliches Land suchen, auf dem wir die Bäume pflanzen können», erklärt Hans Oppliger. Der Sortengarten des Vereins weist aktuell 72 verschiedene Baumnusssorten auf. Der deutsche Nusskatalog enthält sogar über 100 Sorten. «Diese unterscheiden sich in Form, Ertrag, Frostresistenz, Knackbarkeit, Füllung, Bitterkeit und anderen Eigenschaften», erklärt Lorenz Huber und zeigt einige Nusssorten in einem Schaukasten. 

Gegründet wurde der Verein Nussdorf Frümsen im Dezember 2009. Im Frühling darauf konnten die Mitglieder bereits die ersten Bäume setzen. «Wir pflanzen von jeder Sorte zwei Bäume», freut sich Lorenz Huber. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Sortenvielfalt der Nussbäume in der Region zu fördern und zu erhalten. «Ausserdem möchten wir die Bevölkerung über den Wert der Nüsse in der Ernährung und in der Kultur sensibilisieren», sagt Hans Oppliger. Aktuell plant der Verein einen Walnuss-Lehrpfad. 

Schwache Nachkommen
Die Zucht von Nussbäumen ist gar nicht so einfach, wie man meinen mag. Grundsätzlich kann aus jeder Nuss ein neuer Baum entstehen. «Der kann sich allerdings völlig vom Mutterbaum unterscheiden», erklärt Hans Oppliger. «In seiner Art genauso wie in seinen Eigenschaften.» So kann ein Sämling, der von einem starken und ertragreichen Mutterbaum mit grossen Nüssen stammt, klein und krankheitsanfällig sein, dessen Nüsse klein sind, schlecht schliessen und von Bakterienkrankheiten befallen werden. Zudem kann es 10 bis 20 Jahre dauern, bis ein Jungbaum aus einem Sämling nennenswerte Erträge liefert. «Um einen guten Nussbaum zu bekommen und die Art zu erhalten, werden die Bäume veredelt», sagt der Vereinspräsident.

Beim Veredeln werden Setzlinge aus den Nüssen gezogen, abgeschnitten und darauf wird ein Zweig des Mutterbaums gesetzt. «Der Zweig wächst mit dem Setzling zusammen und so erhält man einen identischen ‹Klon› des Mutterbaums, mit denselben Eigenschaften», erklärt Hans Oppliger. Auch Obstbäume wie zum Beispiel Apfel oder Kirsche werden so gezüchtet. «Die Veredelung von Nussbäumen ist allerdings etwas kniffliger», weiss Lorenz Huber. Doch die Mühe lohnt sich. Durch die Veredelung trägt der Walnussbaum nicht nur früher und qualitativ hochwertige Früchte, sondern ist zudem resistenter gegen Schädlinge und Krankheiten.

Begehrtes Edelholz
Nicht nur die Früchte des Nussbaums sind begehrt. Das Holz des Baumes gehört zu den teuersten Edelhölzern. Anders als andere Bäume wird der Walnussbaum nicht gefällt, sondern mit dem Wurzelstock ausgegraben. Denn die untersten Stammteile, die sogenannten Maserknollen, die an den Veredelungsstellen entstehen, werden für die Herstellung von Furnieren verwendet. Nussholz ist wegen seiner ästhetischen Eigenschaften nicht nur bei Möbeln beliebt. Auch in Luxusautos, für Musikinstrumente oder Gewehrschäfte wird es gern verwendet. 

Als Nussdorf etabliert
Frümsen hat sich mittlerweile als Nussdorf etabliert – das erkennt man nicht nur an den Nuss-Skulpturen bei den Ortseinfahrten oder an der Talstation der Staubernbahn, die wie eine Walnuss geformt ist. «Auch die Förster unterstützen uns bei unserem Vorhaben, den Nussbaum als Waldbaum zu etablieren», sagt Hans Oppliger und erzählt ebenfalls von dem Bauer, der die Walnussbäume im Sommer als Schattenspender für seine Hühner nutzt und im Herbst die Früchte der Bäume erntet.

Doch was macht der Verein mit all den Nüssen überhaupt? «Geplant ist, dass wir verschiedenste Produkte aus den Walnüssen entwickeln, wie zum Beispiel den Frümser Nusslikör», antwortet der Vereinspräsident. Auch ein Frümser Wein, gereift in Nussbaumfässern, möchten sie produzieren, einen «Nussbaum-Barrique». Solche und andere Ideen haben die Mitglieder. Unterstützt werden sie von vielen Produzenten aus der Region. (sms)

16. Sep 2018 / 00:00
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