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    Grössere Klimaveränderungen sorgten in der Erdgeschichte für ein Massensterben.  (Nastco)

Das Klima im Wandel der Zeit

Der Frühling ist zu trocken, der Sommer bringt Hitzewellen mit noch nie dagewesenen Temperaturen mit sich, der Herbst ist zu warm und zu sonnig. Das Klima veränderte sich im Laufe der Erdgeschichte ständig, doch diesmal sieht es etwas anders aus.

Weiterhin demonstrieren Jugendliche regelmässig für eine gerechte Klimapolitik. Für sie ist eins klar: Sie wollen die Erde und somit ihre Zukunft retten – einfacher gesagt als getan. Denn kommt der Klimawandel zur Sprache, ist ein sachlicher Diskurs oft nicht möglich, da die Emotionen hochkochen. Befürworter werfen mit Klimatabellen um sich. Gegner behaupten, Klimawandel hätte es im Laufe der Erdgeschichte schon immer gegeben – genauso wie Kohlendioxid. Eine grosse Klimaveränderung hat es tatsächlich schon gegeben – mit verheerenden Folgen für das Leben auf der Erde. So schreibt die «Zeit», dass vor rund 250 Millionen Jahren ein Grossteil aller Arten infolge eines Hitzestresses ausgestorben seien. Die globalen Durchschnittstemperaturen erhöhten sich um fünf bis zehn Grad. 

Anhand von Eisbohrkernen (das Eis, das man aus einem Gletscher bohrt) stellten Forscher fest, dass während den Klimaschwankungen der vergangenen 800 000 Jahre zuerst die Temperatur stieg – und erst viel später das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2). «Den Startschuss für die Erwärmung gaben Veränderungen der Erdbahn oder die zunehmende Sonnenaktivität», erklärt Thomas Stocker von der Universität Bern. «Durch die höhere Temperatur setzten die Ozeanien mehr CO2 frei, was die Erwärmung massgeblich verstärkte.» Der aktuelle Klimawandel verläuft aber komplett anders: Zuerst begann vor etwa 250 Jahren die CO2-Menge in der Luft zu steigen. Erst danach erhöhte sich die Temperatur. «Wir fügen CO2 so schnell hinzu, dass ein neuer Antriebsmechanismus entstand», so Stocker.

Mit der Verbrennung der fossilen Brennstoffe gelangt Kohlendioxid zurück in die Atmosphäre, dessen Treibhauseffekt bereits zu den vorangegangenen Heisszeiten der Erde beigetragen hatte. In der ersten davon wuchsen die Wälder des Devon- und Karbonzeitalters heran, ehe sie sich in Kohle verwandelten. In der darauffolgenden Heisszeit – sie dauerte mehr als 200 Millionen Jahre – bildete sich ein Grossteil der heutigen Erdöl- und Erdgaslager. Der gesamte Kohlenstoff in Kohle, Erdöl und Erdgas stammt aus Kohlen-
dioxid, das die Natur per Fotosynthese über lange Zeiträume hinweg der Atmosphäre entzogen hatte und nun vom Mensch wieder freigesetzt wird.


Gestirn bestimmt Klima mit

In der Zeit der Römer herrschte eine etwas wärmere Phase: Die Alpenpässe wurden von Schnee und Eis befreit und ermöglichten die Eroberung Galliens und Germaniens. Um das 
13. Jahrhundert hielt eine kleine Eiszeit Einzug. Das Klima beeinflusste damals massgeblich das Tages-
gestirn, erklären drei von «Focus» befragte Astrophysiker. Im Lauf eines elfjährigen Sonnenzyklus ändert sich die abgestrahlte Energie nur um ein Promille. Die Helligkeit kann über mehrere Zyklen hinweg ansteigen. Solche langfristigen Schwankungen bewirkten das mittelalterliche Klima, die nachfolgende kleine Eiszeit sowie die Erwärmung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. «Doch in den 30er-Jahren liefen die Kurven der Sonnenhelligkeit und Erdtemperatur erstmals auseinander», erläutert Sami Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Endgültig entkoppelten sich die Kurven vor knapp 30 Jahren. Der Zyklus geht gerade seinem Minimum entgegen und die Energieabstrahlung der Sonne sinkt seit 2002 – bei gleichzeitiger Erwärmung der Erde. Die Forscher gehen von einem künftigen Klimazustand wie im mittleren Miozän vor rund 15 Millionen Jahren aus. Damals war es bis zu fünf Grad wärmer, die Arktis eisfrei und die Meere brandeten bis zu 60 Meter höher an die Küsten.

Evolution kommt nicht mehr mit

Was den aktuellen Klimawandel von allen bisherigen unterscheidet, ist das Tempo, mit dem er voranschreitet. Eine Studie aus dem Jahr 2013 kommt zum Schluss, dass die Arten sich mehrere Tausend Mal schneller anpassen müssten, als ihre natürliche Evolution dies schaffen könnte. Durch die klimatischen Verhältnisse wandern auch die Vegetationszonen. Milliarden von Menschen müssen sich bezüglich der Nahrungsproduktion ständig umstellen. Regionen werden wegen häufigerer Extremwetterereignissen wie Stürmen, Fluten oder Dürren unbewohnbar und auch, weil ab einer bestimmten Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit die Regulation der menschlichen Körpertemperatur versagt. Der Kampf um fruchtbare Böden, Wasser, bewohnbaren Lebensraum und die Verantwortung für den Klimawandel führt bereits heute zu sozialen Konflikten und wird sich wohl noch zuspitzen. 

Ein Jahrhundert-Ereignis

Was das Wetter in der Schweiz betrifft, so hält Meteo Schweiz fest, dass es sich zwar durch grosse natürliche Schwankungen auszeichne, sich aber seit der Industrialisierung gewisse Veränderungen abzeichnen. So ist die Jahresdurchschnittstemperatur von 1864 bis 2018 um rund zwei Grad Celsius angestiegen. Die stärksten Zunahmen zeigen sich im Winter im Mittelland sowie im Sommer in den Alpen. Vor allem seit den 1980er-Jahren gibt es deutlich weniger Schnee und es zeigen sich erste Veränderungen im Niederschlag. Als Folge der Temperaturzunahme entwickelt sich die Vegetation im Frühling und Sommer heute früher als vor einigen Jahrzehnten. Das wiederum wirkt sich auf die Tierwelt aus: Zugvögel kehren früher zurück und Insekten wie Schmetterlinge finden kaum mehr Nahrung, da die Blütezeit, wenn sie schlüpfen, schon fast vorbei ist.

Im Jahr 2018 lagen die Monatstemperaturen bei zehn von zwölf Monaten deutlich über der Norm, sechs davon im extremen Bereich, schreibt Meteo Swiss weiter in ihren Berichten. Dies führte nicht nur zu einem neuen Jahresrekord, auch das Sommerhalbjahr war so warm wie noch nie seit Messbeginn 1864. Begleitet wurde die Rekordwärme von einer Regenarmut. In der Ostschweiz entwickelte sich das massive Regen-
defizit zu einem Jahrhundert-Ereignis.

Auch Kenny Vogt von der Privaten Wetterstation Balzers beobachtet Veränderungen: «Die Jahreszeiten beziehungsweise die für sie typischen Wetterphänomene haben sich nach hinten verschoben. Es bleibt somit im Herbst oftmals noch für längere Zeit sehr mild, andererseits schneit es im Winter oftmals noch bis in den April oder Mai hinein.» Dies sei früher zwar auch schon vorgekommen, doch die derzeitige Häufung sei recht auffällig. Mit diesen Phänomenen gehe auch die Tatsache einher, dass die Wechsel zwischen den Jahreszeiten sehr rasch vonstatten gehe. «Vom Sommer wechseln wir oft gleich in den Winter oder umgekehrt. Dies verdeutlicht auch, dass die Wetterlagen generell immer beständiger werden und wir demnach für immer längere Zeiträume im selben Muster verbleiben.» Damit meint er längere Hitzeperioden, längere Regenperioden und allgemein mehr Extreme. 

Den bisherigen Jahresverlauf bezeichnet Kenny Vogt als einen nassen und eher zu warmen Winter mit einem nahtlosen Übergang in einen milden und nassen Frühling. Der Sommer hingegen verlief trocken, sehr warm und ziemlich sonnig. Auch was den für die Region typischen Föhn betrifft, macht er eine Anmerkung: «Generell werden die Föhnstunden in Zukunft aufgrund der beständigen Wetterlagen tendenziell mehr werden.»

Wenn Gletscher verschwinden

Auf dem Pizol gibt es keinen Gletscher mehr zu vermessen – er ist zu klein geworden. Nur noch ein paar wenige Eisreste sind übrig. Vor 150 Jahren habe der Gletscher fast den ganzen Kessel ausgefüllt. Deshalb wurde im September Abschied vom Gletscher genommen, er wurde «beerdigt».
In Island sind rund 400 Gletscher bedroht. Sie schmelzen dahin. Ein Gletscher ist dieses Jahr der Klimaerwärmung zum Opfer gefallen. Eine Gedenktafel soll an «Okjökull» erinnern und zugleich eine Warnung sein. 1890 umfasste der «Okjökull» im Westen des Landes noch eine Fläche von 16 Quadratkilometern. 2012 war er einem Bericht der Universität von Island zufolge auf 0,7 Quadratkilometer geschrumpft. 2014 verlor er als erster Gletscher seinen Status als solchen. Eine traurige Premiere für Island. Auf der Tafel ist zudem die im Mai gemessene CO2-Konzentration von 415 Teilen pro Million (ppm) vermerkt. Dies war der höchste jemals gemessene Kohlendioxid-Gehalt in der Erdatmosphäre. 
Vom Pine-Island-Gletscher in der Antarktis brach im November 2018 ein riesiger Eisberg (über 200 Quadratkilometer gross) ab – und das bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Experten gehen davon aus, dass warmes Ozeanwasser den Gletscher von unten abträgt, bis es zum Bruch kommt. Seit 15 Jahren beobachten Wissenschaftler, dass die Gletscher an der Antarktischen Halbinsel aus dem Gleich-
gewicht geraten: Einzelne Schelfeise brechen ab und Gletscherenden ziehen sich zurück. Die Gletscher schrumpfen und transportieren mehr Eis in den Ozean. Der Pine-Island-Gletscher gilt als einer der grössten seiner Art. (ms)

 

06. Okt 2019 / 00:00
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