• Brazilian Amazon Burning
    Die Brände im Amazonas vom August sind noch immer nicht gelöscht.  (Pedarilhos)

Brennender Regenwald

Seit August wüten Brände im Regenwald von Brasilien. Die Feuer lodern noch immer und Rauchschwaden steigen aus dem Amazonas auf. Waldbrände gibt es in den Wäldern Asiens, Afrikas und auch in Brasilien ständig.

Während der Trockenzeit kommt es in den Regenwäldern überall auf der Welt regelmässig zu Bränden. Sie dienen der Natur zur Regeneration und ermöglichen, dass auf dem abgebrannten, fruchtbaren Boden Neues gedeiht. Und doch blickte im August alle Welt auf die Brände im Amazonas. Wahrscheinlich weil nicht alle Brände natürlichen Ursprungs waren, sondern bewusst von Menschen gelegt wurden, um Ackerflächen zu gewinnen. Zudem fiel auf, dass sich die Anzahl der Brände im Vergleich zum vergangenen Jahr bereits im August verdoppelt haben.

Meteorologe und Klimaexperte Mojib Lativ vom Helmholtz-Zentrum Geomar in Kiel wertet gegenüber MDR-Aktuell die Feuer als nicht so aussergewöhnlich. Brände in Asien, Afrika oder am Amazonas gebe es seit Jahren, nur seien sie aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten. Dass Menschen versuchen, über Brandrodungen Landwirtschafts-fläche zu gewinnen oder an Bodenschätze zu gelangen, sei nicht neu, meint der Experte. 

Professorin Susan Trumbore, Klimaforscherin am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, sieht dagegen klare Unterschiede zu den gewöhnlichen Buschbränden: «Wir haben 2019 keine Dürre wie 2010 oder 2016. Beides Jahre, in denen es auch viele Brände gab. Es brennt jedes Jahr in der Trockenzeit, aber die Details der einzelnen Jahre sind unterschiedlich. 2019 gibt es in Brasilien mehr und heissere Brände als seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen.» Sie erkennt auch klare Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Entwaldung und Feuer. Zudem traten mehr Brände entlang von Strassen auf. 

Die Feuer sind im Hinblick auf die Bedeutung des Amazonas als «die Lunge der Welt» tragisch. Schätzungen zufolge binden die Pflanzen des Regenwalds jährlich mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2. Je mehr Bäume niedergebrannt werden, desto weniger CO2 können sie aus der Atmosphäre abbauen. Und das könnte verheerende Auswirkungen auf das Weltklima haben.

Weinbau in Norwegen und 
sinkende Häuser in Sibirien

In den nördlich gelegenen Regionen taut aufgrund der Klimaerwärmung der Permafrost auf. Die Folgen: Gebäude und Strassen sinken ab oder stürzen ein. Das ist derzeit in arktischen Gebieten wie Sibirien, Kanada und Alaska der Fall. Doch nicht nur das. Zudem wird befürchtet, dass dieses Ereignis in Alaska, Kanada und Russland ganze Infrastrukturen gefährden könne. Dazu gehören auch 280 Kilometer der nördlichsten Bahnstrecke überhaupt (von Obskaja nach Karskaja). Der Transportweg im asiatischen Teil Russlands wird genutzt, um Erdgas- und Erdölfelder entlang der Strecke zu erschliessen und eine Pipeline zu bauen. Auch Europa ist betroffen, da 1260 Kilometer einer wichtigen Gaspipeline für die Europäische Union im Autonomen Kreis der Jamal-Nenzen im Norden Russlands beginnt und auftauen könnte. Das Eis wirkte wie eine Konservierung auf die Leitungen und verhinderte eine Erosion. Knapp eine Million Menschen leben in den Risikogebieten.
 
Für Schweden und Norwegen hat die Erderwärmung auch einen Vorteil. Dort ist jetzt Weinbau möglich, da die Winter wie die Sommer wärmer sind. Trotzdem sind die Traubensorten bis zu einem gewissen Grad gegen den Frost resistent. Die Branche steckt dort noch in den Startlöchern und die Pioniere wurden erst belächelt, doch befindet sich der Weinbau im Wachstum. Das nördlichste Weingut überhaupt liegt in Norwegen auf dem 59. nördlichen Breitengrad. 
 

Treibhausgase braucht die Erde

Kohlendioxid (CO2) ist für das irdische Leben unverzichtbar. Denn ohne den Treibhaus-
effekt von Kohlendioxid und vielen weiteren Treibhaus-gasen gäbe es kein flüssiges Wasser auf der Erde. 
Das Licht der Sonne allein wäre zu schwach für globale Durchschnittstemperaturen von mehr als null Grad Celsius. Vulkane pusten seit Entstehung der Erde CO2 in die Atmosphäre. Im Gegenzug wurde der irdischen Atmosphäre aber auch ständig wieder CO2 entzogen. Erst geschah dies durch chemische Gesteinsverwitterung, dann zunehmend auch durch das Leben: Die Fotosynthese der Pflanzen entzieht der Luft CO2, dessen Kohlenstoff schliesslich in pflanzlicher und tierischer Biomasse abgelagert wird. In diesem Wechselspiel zwischen dem CO2-Ausstoss der Vulkane und dem Kohlendioxidentzug durch Verwitterung und fossile Ablagerungen von Biomasse pendelte das Klima der Erde im Laufe von Jahrmillionen hin und her – zwischen Heiss- und Eiszeiten.

In jüngster Zeit aber hat der Mensch diesen natürlichen Zyklus aus dem Gleichgewicht gebracht: Derzeit gelangen pro Jahr 35 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Luft. Das ist mindestens hundert Mal mehr, als es die Vulkane selbst in ihren aktivsten Zeiten schafften – jedenfalls einer schon etwas älteren Studie zufolge, die bis heute in Fachkreisen immer wieder zitiert wird. Messungen der Referenzstation Mauna Loa auf Hawaii verzeichneten 2017 ein Wert von 405 ppm, die höchste Konzentration an CO2 seit mindestens 
800 000 Jahren. Sie liegt 41 Prozent über dem vorindustriellen Niveau. (ms) 
06. Okt 2019 / 00:00
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