• Hissen der Liechtenstein-Fahne beim UNO-Hauptsitz in New York am 18. September 1990.  (Liechtensteiner Landesarchiv)

Aussenpolitischen Meilenstein gesetzt

Am 18. September 1990 wurde Liechtenstein als 160. Mitglied in die Organisation der Vereinten Nationen aufgenommen. Mit eigenständigem Profil nimmt das Land seither aktiv an der multilateralen Arbeit des Weltforums teil.

Der Beitritt als damals kleinstes UNO-Mitglied stellte einen bedeutenden Wendepunkt der liechtensteinischen Aussenpo­litik dar. Das 30-Jahre-Jubiläum, ­welches am kommenden Freitag, 18. September 2020, begangen wird, steht unter anderem auch dafür, dass das Land seit Beginn der Mitgliedschaft die Möglichkeit genutzt hat, sich als souveränes und respektiertes Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft zu bewähren und an der Verwirklichung der Ideale der Vereinten Nationen mitzuarbeiten. Liechtenstein ist es gelungen, sich in der Weltorganisation ein eigenständiges Profil zu erarbeiten und sich insbesondere in den Bereichen internationale Strafjustiz, Menschenrechtsschutz und Selbstbestimmungsrecht einen Namen zu machen. 

International kaum Widerstand
Nach dem positiven Abschluss der Vorbereitungsgespräche und im Einvernehmen mit Fürst Hans-Adam II. befürwortete der Landtag am 14. Dezember 1989 einstimmig den Antrag der Regierung, eine Mitgliedschaft bei der UNO (United Nations Organization, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs am 26.6.1945 in San Francisco als Nachfolgeorganisation des Völkerbunds gegründet) anzustreben. Der liechtensteinische Beitritt traf international kaum auf Widerstand (im Gegensatz etwa zum Völkerbund 1919). Im Innern mussten die Befürworter mit Argumenten wie der Absicherung der Souveränität, der Bekundung internationaler Solidarität und dem Schutz des Kleinen durch das Völkerrecht Überzeugungsarbeit leisten. Der Beitritt zu internationalen Organisationen unterlag damals nicht dem Referendum. Am 10. August 1990 hinterlegte Liechtenstein beim Generalsekretär der UNO in New York ein entsprechendes Aufnahmegesuch. Bereits vier Tage später reichte der UNO-Sicherheitsrat dieses Gesuch mit einer einstimmig gefassten positiven Empfehlung weiter an die Generalversammlung der UNO. 

Aufnahme per Akklamation
Zu Beginn der 45. Session der UNO-Generalversammlung wurde Liechtenstein am 18. September 1990 als 160. Mitglied per Akklamation (= Zustimmung durch Beifall) in die Organisation der Vereinten Nationen aufgenommen. Mit der Aufnahme Liechtensteins zu den Vereinten Nationen schloss sich für das Land ein Kreis aktiver Aussenpolitik. Dieser umfasst die guten Beziehungen zu den Nachbarstaaten ebenso wie die aktive Mitarbeit auf der europäischen internationalen Ebene (Europarat, OSZE). Der UNO-Beitritt bezeugte die Bereitschaft und den Willen Liechtensteins zur internationalen Zusammenarbeit und Solidarität, wie sie von allen Staaten gefordert ist. Regierungschef Hans Brunhart als amtierender Aussenminister hielt damals im Anschluss an die Aufnahme eine Ansprache vor der Generalversammlung, in welcher er die Bedeutung der liechtensteinischen UN-Aufnahme als auch die zukünftigen Absichten der liechtensteinischen Aktivitäten innerhalb der Vereinten Nationen umriss. Im Anschluss an die erfolgte Abstimmung nahm die liechtensteinische UN-Delegation, bestehend aus Regierungschef und Aussenminister Hans Brunhart, Vizeregierungschef Herbert Wille, der designierten liechtensteinischen UNO-Botschafterin Caudia Fritsche, dem Leiter des Auswärtigen Amtes Roland Marxer und den Fraktionssprechern Reinhard Walser (VU) und Alois Ospelt (FBP), die Liechtenstein zugewiesenen Plätze im Oval des Saals der Vollversammlung ein. 

Liechtensteins Souveränität ist gewährleistet. Die UNO-Mitgliedschaft hilft, dass dies auch langfristig so bleibt. Im Vergleich zu grösseren Staaten, die weltweit ihre diplomatischen Vertretungen haben, bietet die UNO einen zusätzlichen Vorteil als Fenster zur Welt und wird als wichtige globale Plattform für die Umsetzung der Ziele der liechtensteinischen Aussenpolitik und für Kontakte mit einer Vielzahl von Staaten genutzt. (ge)

 

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12. Sep 2020 / 21:55
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