• Zora Nigg in Buchs
    Wenn es um das Wohl der Tiere geht, hört Zora Nigg oftmals auf ihr Gefühl.  (Daniel Schwendener)

"Zu tun gibt es immer etwas"

Als Zora Nigg das erste Mal eine Eule auf ihrem Arm hielt, war es um sie geschehen. Nun kümmert sie sich intensiv um die Aufzucht sowie das Training der Tiere im Greifvogelpark.

Auf die Frage, ob sie mit ihrem Vorhaben schon immer so hoch hinaus wollte, antwortete Zora Nigg im Restaurant des Greifvogelparks Buchs folgendermassen: «Am Anfang plant man es nicht in diesem Ausmass. Man macht sukzessive immer weiter und entwickelt sich.» Erst waren es einige wenige Eulen in der Voliere (ein Vogelkäfig) im Garten. Schliesslich bahnte sich der erste Ärger mit den Nachbarn an. Um die Tiere weiterhin zu halten und ihnen genügend Platz zu bieten erwarb ihr Ehemann Lucien Nigg ein Stück Land in Buchs und erbaute vor knapp 20 Jahren den Greifvogelpark. Seit 13 Jahren kümmern sie sich gemeinsam um die Tiere im Park. «Sein Traum war ein eigener Zoo – einfach mit Tieren zusammen sein», erzählt sie voller Eifer und erwähnt auch die anfänglichen Hürden.
Denn so ein Park gab es in der Schweiz noch nicht. Viele Details mussten geklärt werden und auch die Behörden wussten nicht genau, was es alles für die nötigen Bewilligungen brauchte. «Klar haben wir Vorschriften, wie die Tiere zu halten sind. Zudem betreiben wir die kantonale Pflegestation. Ständig kommen neue Bestimmungen hinzu. Es gibt also immer etwas zu tun.»

Jeden Tag Neues lernen

Beim Rundgang durch den Park erzählt Lucien Nigg voller stolz von seinen Tieren. Zurzeit seien sie etwas nervös, da gerade Brutzeit ist. Er weiss viel zu erzählen und man möchte einfach mehr über die Tiere erfahren. «Es war nicht immer leicht und ich habe mein Lehrgeld bezahlt. Noch heute lerne ich jeden Tag etwas dazu. So soll es auch sein», meint er, während er seine Vögel präsentiert. «Unsere Tiere standen schon für Werbespots, Musikvideos und Filme oder Serien vor der Kamera», erwähnt er. Schon bald werden die ersten Jungtiere schlüpfen. Um die Aufzucht kümmert sich in erster Linie seine Frau. «Die Vögel für die Show ziehen wir von Hand auf, damit sie im Training umgänglicher sind», erläutert Zora Nigg. Vier mal täglich erhalten die Küken mit einer Pinzette kleine Fleischstücke. Auf die Frage, ob diese Arbeit nicht mühselig und manchmal auch anstrengend sei, reagiert sie mit heftigem Kopfschütteln und entgegnet sofort: «Der Aufwand lohnt sich, indem man sie heranwachsen sieht.» Wenn ein Adler schlüpfe, wiege er kaum 100 Gramm. «Innerhalb von drei Monaten ist er fast schon so gross wie ein erwachsenes Tier», fügt sie mit leuchtenden Augen hinzu. Freuen tut sie sich vor allem auf die Nachzucht der Riesenseeadler: «Die schlüpfen anfangs März. Normalerweise bekommen Adler nur ein bis zwei Jungtiere, unsere Riesenseeadler haben jedoch jedes Jahr zwei bis drei Junge, auf die wir uns auch dieses Jahr freuen dürfen.» Am heikelsten in der Aufzucht seien die ersten drei Wochen, weil dann am meisten passieren könne. Während dieser Zeit fiebere sie richtig mit und drücke den Jungen die Daumen. Wenn die Tiere für die Zucht eingesetzt werden, überlassen sie die Aufzucht meist den Elterntieren, ausser ein Käufer wünscht die Handaufzucht ausdrücklich. Sie beide wohnen auch in der Nähe des Parks. Von der Terrasse aus hören und sehen sie ihre Tiere. «Sie sind unsere Familienmitglieder.»

Das Begrüssungsritual pflegen

Bevor Zora Nigg ihren Mann kennenlernte, hatte sie mit Vögel nicht viel am Hut. «Als ich das erste Mal eine Eule auf dem Arm hielt, hat es mich so richtig gepackt», erzählt die Vogelfrau und sucht händeringend nach Worten, um das unbeschreibliche Gefühl, das sie dabei überkam, in Worte zu fassen. Ihr Interesse nahm rasant zu und sie fing an, mit den unterschiedlichsten Vogelarten zu trainieren. Zudem zog sie ihre eigenen Eulen auf, wie etwa die Waldohreule «Charly», die sie extra für das Fotoshooting hervor holte. «Als er erstmals in der Voliere übernachtete, schüttete es wie aus Kübeln. Er hat nicht begriffen, dass er unter Dach gehen kann. So war er am nächsten Morgen total durchnässt und unterkühlt», erzählt sie mitfühlend. «Zum Glück hat er noch gefressen. Ich trug ihn drei Tage lang mit mir herum, bis er wieder gesund war», berichtet sie von ihrem einzigartigen Erlebnis. Mit «Charly» pflegt sie eine besondere Beziehung, wozu auch ein Begrüssungsritual gehört: «Wenn ich seine Voliere betrete, halte ich ihm meine Hand hin und er knabbert ganz vorsichtig an meinem Finger», erzählt sie mit einem Strahlen im Gesicht. Obwohl jedes Tier seinen eigenen Charakter habe, sei die Beziehung zu Eulen viel intensiver als zu Falken oder Adler. Wenn Zora Nigg heute mit all ihrem Wissen rund um die Vögel draussen unterwegs ist, schaut sie die Tiere mit anderen Augen an als früher. «Auch wenn es nur ein Spatz ist.»

Handeln nach Gefühl

Wenn sich Zora Nigg mit ihren Tieren beschäftigt, befindet sie sich in einer anderen Welt und vergisst alles um sich herum. Jemals bange wurde es ihr um die riesigen Greifvögel mit ihren mächtigen Schnäbeln und Klauen nie. «Es gibt Tage, an denen sie nicht gut drauf sind. Da wir die Tiere gut einschätzen können, lassen wir sie dann auch in Ruhe. Eulen beispielsweise können sehr stur sein», schmunzelt sie. In all den Jahren hat sie sich ein grosses Wissen über die Tiere angeeignet. «Das kann man nirgendwo nachlesen, wir haben uns eigentlich alles selbst beigebracht. Oft handle ich einfach nach Gefühl.»

Wenn es um die Haltung von Wildtieren geht, sind oft kritische Fragen zu hören. Zora Nigg nimmt diese gelassen, schliesslich könne sie so die Sachlage gleich richtig stellen. «Viele Leute fragen uns, ob wir die Tiere frei fliegen lassen, was wir dann verneinen.» Schliesslich würden Vögel in freier Wildbahn nur fliegen, wenn sie sich auf Nahrungssuche begeben und Hunger haben. «Ansonsten sitzen sie auf einem Baum», ergänzt sie. «Unsere Vögel sind gesund und leben länger als in freier Wildbahn.» 
Zora Nigg hofft, dass sie und ihr Mann noch lange in ihrem Park arbeiten können. «So lange wir gehen können», lacht sie und hofft, dass jemand, wenn es soweit ist, ihr Lebenswerk weiterführen wird. (ms)

10. Feb 2019 / 00:00
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