• Norbert Kaufmann  (Tatjana Schnalzger)

Nur die Kondition muss ich heute anders einteilen

Seit 40 Jahren hat die Guggenmusik Norbert «Nöbi» Kaufmann fest im Griff – und will ihn irgendwie nicht mehr loslassen. Die Leidenschaft des dienstältesten Guggers ist ungebrochen.

Jeder, der Teil einer Guggenmusik ist, weiss: Es ist wie in einer Familie. Man kann sich ein Leben ohne die anderen nicht vorstellen. Gemeinsam geht man durch Höhen und Tiefen. Krisen nimmt man als Chancen. Man spornt sich gegenseitig an. Und vor allem: Nur gemeinsam ist man stark. Einer, der diese Erfahrung bereits seit 40 Jahren macht, ist Norbert «Nöbi» Kaufmann. Seit 1978 ist der «Guggerhodla» sein treuster und liebster Begleiter. Diesen trägt er nicht nur mit viel Stolz und Leidenschaft, er ist sozusagen seine zweite Haut.

Eine schicksalshafte Begegnung
Erst 19 Jahre alt war Norbert Kaufmann, als das Resch in Schaan gebaut wurde und gleichzeitig die Frage auftauchte, ob allenfalls eine Disco gebaut werden könnte. Ja, das konnte es. Und wurde es auch. Und zwar mit Hilfe von Norbert Kaufmann. Über die Jugendgruppe entstand auch der erste Kontakt zur Guggenmusik – eine schicksalshafte Begegnung, wie sich schnell zeigte. Denn obwohl der damals noch junge «Nöbi» so überhaupt keine Ahnung von Musik hatte, geschweige denn ein Instrument spielen konnte, zog es ihn zu den Plunderhüüslern. Nach den ersten Schlägen auf der Pauke erwuchs aus der anfänglichen Zurückhaltung sehr schnell Begeisterung und Liebe für die kakophonischen Klänge der Guggenmusik. Und das ist bis heute so geblieben. Das einzige, was sich geändert hat, ist das Instrument, das er spielt. Mit Beginn seiner siebenjährigen Präsidentschaft wechselte er von der Pauke auf die Posaune.

«Es gibt immer etwas zu tun»
Beruflich hat sich Norbert Kaufmann zum Sanitär- und Heizungsfachmann ausgebildet und später das von seinem Vater im Jahr 1952 gegründete Unternehmen, die W. Kaufmann AG, übernommen. Das Geschäft läuft gut und die Arbeitstage von «Nöbi» sind lang. Umso mehr geniesst er den Ausgleich in der Vereinsarbeit. Bei den Plunderhüüslern kann der 63-Jährige nämlich nicht nur während der Hauptfasnachtszeit vom Alltag abschalten, sondern ganzjährig. Es gibt immer etwas zu tun oder vorzubereiten. Und hier ist «Nöbi» voll in seinem Element. Er ist sehr kreativ, liefert gerne Input und stösst gerne neue Projekte an. So war zum Beispiel auch der legendäre «Plunderball» seine Idee oder aber die Einführung von Ehrenorden. Und es ist auch mit eine Leistung von ihm, dass der einst eingeführte und einzigartige Stil der «Plunderhüüsler» mit ihrer zeitlosen Musik bis heute erhalten geblieben ist. «Es ist schön, zu sehen, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Und ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich einen funktionierenden Verein verlassen könnte.» Könnte. Wenn er denn wollte.

Die Pause dauerte nur kurz an
«Nöbi» ist mit Leib und Seele Fasnächtler. Das Alter spielt dabei nur insofern eine Bedeutung, als dass er seine Kondition heute anders einteilen muss als noch vor 40 Jahren. Mittlerweile freut er sich auch mehr auf die Musikproben als auf die Fasnacht selbst, aber wenn dann die 5. Jahreszeit wieder vor der Türe steht, ist er trotzdem nicht zu bremsen. «Oft sind unsere jungen Gugger dann überrascht, wenn sie mich zu später Stunde noch im Ausgang sehen und ich fitter bin als sie. Der Unterschied: Heute kann ich mit Verstand trinken», lacht Norbert Kaufmann. Manchmal gehe es zwar an die Kondition, gibt er schmunzelnd zu. Aber ein Ende der Fasnacht sei ja immer abzusehen. Bis dann eben die nächste kommt.

Im Jahr 1997 hat Norbert Kaufmann dann tatsächlich mal für ein Jahr eine Gugger-Pause eingelegt. Als Zuschauer erlebte er die Fasnacht dann mal aus einer anderen Perspektive. Die ihm zwar auch gefiel – aber eben nicht wirklich zu ihm passte. Als dann auch noch die «Ratatätsch» – die etwas andere Guggenmusik mit Menschen mit und ohne Behinderung – um seine Unterstützung baten, war klar, dass es bei einem Jahr Pause bleiben würde. «Das war erneut eine Herausforderung für mich. Nicht nur, weil es nochmal eine völlig andere Art von Fasnacht ist, sondern auch, weil ich mein Instrument als damals einziger Posaunist in der Runde richtig erlernen musste. Die Lieder sollten ja doch erkannt werden, falsch zu spielen, konnte ich mir nicht leisten», erinnert sich «Nöbi» Kaufmann an die Zeit, in der er zum ersten Mal so richtig üben musste. Heute hat er sein Instrument dafür aber bestens im Griff und gehört auch bei den «Plunderhüüsler» zu den Stützen der Posaunen.

Stolz auf den eigenen Stil
A propos gute Musiker. Die «Plunderhüüsler» sind als jene Guggenmusik im Land bekannt, welche ihre Instrumente nahezu perfekt beherrschen und das Wort «kakophonische Klänge» eigentlich fast schon zu tief gestapelt ist. Denn schiefe Töne gibt es selten, wenn die «Plunderhüüsler» musizieren. Kaum zu glauben, dass das Beherrschen eines Instruments für Neumitglieder keine Bedingung ist. «Wichtig sind der Wille und Ehrgeiz – und den haben alle Mitglieder unseres Vereins», sagt Norbert Kaufmann nicht ganz ohne Stolz. Er weiss, dass sich die «Plunderhüüsler» von den anderen Guggenmusiken des Landes unterscheiden bzw. einen eigenen Stil haben. Und der komme beim Publikum gut an. «Wir haben in den vielen Jahren mit unseren Auftritten, Kleidern, Musik und Veranstaltungen immer wieder Marken gesetzt und vertrauen unseren Fähigkeiten», so «Nöbi». Die Bereitschaft der Mitglieder, neben einem guten musikalischen Programm auch gute Anlässe auf die Beine zu stellen, sei gross. «Bei uns geht es nicht nur ums Feiern und Anstossen. Wir liefern ab und sind zuverlässig. Und was wir machen, machen wir gut. Das hat uns das Vertrauen und den Respekt der Gemeinde eingebracht», freut er sich. Mittlerweile ist selbst die Kleiderpräsentation der «Plunderhüüsler» zu einem einmaligen Anlass herangewachsen: Der interne Guggerabend mit Freunden, Familie und Gönnern ist ein richtiger Festanlass, der mit entsprechend viel Herzblut durchgeführt wird und welcher der Start in die Fasnacht ist.

Rivalität ist kein Thema
Das Probelokal der «Plunderhüüsler» befindet sich übrigens bei der Hennafarm in Schaan – und wird mit den «Röfischrenzern» geteilt. Einst war die Rivalität zwischen den beiden Schaaner Guggenmusiken zwar gross, doch heute ist das kaum mehr ein Thema. Und wenn, dann nur in dem Sinne, als dass man sich gegenseitig anspornt, besser als der andere zu sein. Und das hat noch selten geschadet, wie man hört. Dasselbe Motto gilt übrigens innerhalb der Guggenmusik zwischen Jung und Alt. Zumindest für Norbert Kaufmann. Die Jungen profitieren von seiner Erfahrung, er wiederum geniesst den Kontakt mit den Jugendlichen, der ihn «geistig fit» hält. Ausserdem mache ihn die Zusammenarbeit mit Jugendlichen wesentlich toleranter und aufgeschlossener Neuem gegenüber.

Norbert «Nöbi» Kaufmann hat eine riesige Familie. Zwei davon sind leibliche Kinder. Und 48 sind «adoptiert». Das Probelokal ist genauso sein Zuhause wie das Haus, in dem er wohnt. Die «Plunderhüüsler» ohne «Nöbi» sind unvorstellbar. Und ein «Nöbi» ohne Plunderhüüsler sowieso … (dv)

23. Feb 2019 / 23:03
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