•  (Tatjana Schnalzger)

«Mein Ruf ist mir wichtig»

Wenn Alessandro Pippia ein Zertifikat ausstellt, weiss man, dass man ein Original in Händen hält. Ein Zufall verhalf dem Autograph Experten zu einem besonderen Geschenk und seiner Passion für Unterschriften.

Mit Unterschriften kennt sich Alessandro Pippia bestens aus. Ein Autogramm verrät ihm viel über eine Person, über ihre Persönlichkeit und ihren Gemütszustand zum Beispiel. Meist liege er dabei richtig, wie er verrät. Graphologe sei er aber keiner, stellt er klar. «Ich habe zwar entsprechende graphologische Kenntnisse, eine Ausbildung in diese Richtung habe ich jedoch nie absolviert.» Der junge Ostschweizer ist ein Autograph Spezialist. Als solcher ist er spezialisiert auf Unterschriften von prominenten Persönlichkeiten. «Ich bin der, der die Autogramme auf ihre Echtheit überprüft», erklärt er. Mit seinem Beruf ist Alessandro Pippia ein Exot. In ganz Europa ist er bislang der einzige Experte auf dem Gebiet, wie er mit einem stolzen Unterton verrät. Als solcher wird er nicht nur von Händlern zurate gezogen, sondern steht hin und wieder auch der Polizei beratend zur Seite. Im vergangenen Jahr wurde sogar der deutsche Fernsehsender RTL auf ihn aufmerksam. «Ich hatte einen Auftritt in der Sendung ‹Die Superhändler›. Dort habe ich eine Postkarte mit einer originalen Unterschrift des US-Präsidenten John F. Kennedy verkauft», erzählt er.

Der Fremde und die Schallplatte

Angefangen habe alles mit einer schicksalhaften Begegnung. Er, damals 13 Jahre alt, habe einen Freund der Familie zu einem Verkaufstermin begleitet. Der Bekannte war im Kunstgeschäft tätig. «Es ging um den Kauf eines Picasso-Gemäldes», erinnert er sich. Während der Kunsthändler das Bild mitnahm, um es auf seine Echtheit zu prüfen, liess er den jungen Alessandro Pippia mit dem Verkäufer im Restaurant zurück. «Wir kamen ins Gespräch. Ich weiss nicht einmal mehr worüber wir gesprochen haben.» Und irgendetwas ist bei diesem Gespräch geschehen. Ein Funke, der übersprang und den unbekannten Mann dazu veranlasste, dem 13-jährigen Jungen eine Schallplatte von Elvis Presley zu schenken – unterzeichnet vom King of Rock’n’Roll persönlich. «Nicht nur die Schallplatte selbst, auch die Unterschrift darauf ist ein Unikat», erklärt der Autograph Spezialist. Selten habe sich der Sänger so viel Mühe für ein Autogramm gegeben, wie hier. «Ich vermute sogar, er hat davor geübt.»

Es war diese Unterschrift, die ihn so fasziniert und nicht mehr losgelassen habe. Bald war er sich sicher: Er möchte seine Leidenschaft für Autogramme zum Beruf machen. «Ich habe recherchiert und mich mit Graphologen in Verbindung gesetzt. Ich wollte wissen, ob es eine Ausbildung in diese Richtung gibt.» Doch zu der Zeit gab es nicht einmal einen entsprechenden Beruf. Trotzdem entschied Alessandro Pippia, Autograph Spezialist zu werden. «Mein Fachwissen habe ich mir selbst erarbeitet.» 
Die besondere Schallplatte von Elvis Presley, weckte in Alessandro Pippia nicht nur das Interesse an Unterschriften. Auch für den King of Rock’n’Roll interessiert er sich seither sehr. «Er war auch eine sehr faszinierende Persönlichkeit, die es – meiner Meinung nach – kein zweites Mal gab.» Für die Platte habe er schon so manches Angebot bekommen. Doch ein Verkauf komme für ihn nicht in Frage. 

Sein Urteil ist bares Geld wert

«Mein Ruf ist mir wichtig», wie er erklärt. Immerhin gehört der 26-Jährige zu den anerkanntesten Experten seines Fachs. Fehler kann er sich da nicht leisten. «Wenn ich sage, eine Unterschrift ist echt, muss sie echt sein. Immerhin geht es dabei um viel Geld.» Die Berühmtheit der unterzeichnenden Person und Seltenheit des Autogramms entscheiden über den Preis. Teilweise werden die Unterschriften zu hohen Preisen gehandelt. 
Alessandro Pippia ist geübt im Bestimmen der Echtheit. «In der Regel brauche ich etwa eineinhalb bis zwei Stunden bis ich sagen kann, ob ein Autogramm echt ist oder nicht.» Unter dem Mikroskop stellt er fest, mit welchem Schreibmittel unterschrieben wurde, und wie weit sich die Farbe über die Jahre ins Papier gefressen hat. «Daran kann ich bereits feststellen, wie alt das Autogramm ist und ob es sich wirklich um eine Unterschrift handelt oder einen Druck», erklärt er. Bestimmte Merkmale und Parameter zeigen ihm zudem, ob es sich um ein Original oder eine Fälschung handelt. Dabei ist er sich sicher: «Eine Unterschrift, kann man kaum fälschen. Denn unsere Handschrift, unsere Unterschrift ist etwas ganz Persönliches. So ist jede Unterschrift einzigartig.» 

Seine Passion gefunden

So sehr sich der 26-Jährige gern mit Unterschriften beschäftigt, so wenig spricht er privat über seine Tätigkeit. «Viele können sich nicht vorstellen, was ich genau mache und dass es dafür überhaupt einen Markt gibt», sagt er. Auch seine Eltern hätten ihm anfangs einen vernünftigen Beruf nahegelegt. «Ich wollte früher eine Ausbildung im Verkauf machen», verrät er. Doch Alessandro Pippia liess sich nicht beirren und machte sein Hobby zum Beruf. Heute bestehen viele Autogrammhändler auf sein Zertifikat. Über die Jahre hatte er schon zahlreiche Unikate von namhaften Persönlichkeiten in der Hand, wie zum Beispiel Autogramme von Marilyn Monroe, Elisabeth Taylor oder Michael Jackson. «Vor allem auf Persönlichkeiten, die Mitte des 20. Jahrhunderts die Welt bewegten, bin ich spezialisiert.» (sms)

19. Jan 2019 / 23:09
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