• Tobias Rentsch
    Der ehemalige Mister Schweiz, Tobias Rentsch.  (SANDRA GYSIN)

«Materielle Dinge machen mich einfach nicht glücklich»

Ex-Mister Schweiz Tobias Rentsch zieht für seinen neuen Job nach Buchs und wohnt im Camper. Der Solothurner mausert sich vom Lebemann zum Abenteurer.
Buchs. 

Wenn er in einem Café in Buchs sitzt, dann kichert die Kellnerin plötzlich verlegen, es wird getuschelt, verstohlene Blicke werden ausgetauscht. Seiner Wirkung aufs weibliche Geschlecht scheint sich Tobias Rentsch als ehemaliger Mister Schweiz (2001) und Ex-Bachelor von 2015 durchaus bewusst zu sein.

«Schönheit ist für mich ehrlich  gesagt gar nicht so wichtig», erklärt er. In die Mister-Schweiz-Wahl und in die Rolle des «Bachelors» auf Frauensuche sei er eher per Zufall hineingerutscht. «Bei beidem habe ich ganz spontan mitgemacht», meint er. Ein Zufall bringt den Solothurner nun nach Buchs – beziehungsweise Schaan. Seinen Job als Cowboy im Eventlokal «Go Wild West» in seiner Heimat hat er an den Nagel gehängt. Auf seiner Suche nach einer neuen Beschäftigung sei er durch einen Kollegen dann zufällig auf die offene Stelle als Geschäftsführer des Alpenchique Clubs in Schaan gekommen.

Raus aus der Komfortzone
Seine luxuriöse Wohnung in Solothurn lässt er zurück und zieht nach Buchs – in einen Camper. «Das ist schon ein Riesenabenteuer – aber ich freue mich darauf.» Für den 41-Jährigen ist der Campingplatz Neuland: «Momentan muss ich ständig in Bedienungsanleitungen nachlesen», gesteht er. Das sei aber spannender und lehrreicher, als wenn er zehn Jahre in einer Wohnung leben und seine Komfortzone nie verlassen würde. Die  anderen Campingplatz-Bewohner hätten ihn herzlich aufgenommen und beim Installieren seines Wohnwagens unterstützt. «Als ich mich bei der Gemeinde anmelden wollte, haben die nur die Augen verdreht. ‹Was will der bloss hier?›, haben sie sich wohl gedacht», erzählt er. Zum Augenverdrehen ist wohl manchem zumute, wenn Tobias Rentsch von seinem Zukunftsplan redet. «Alles nur medial inszeniert», so der erste Gedanke. Denn vor Kurzem noch war er in Klatschblättern omnipräsent.

Dass alles nur eine PR-Aktion sei, dementiert er: «Offen gestanden war ich selbst überrascht, als so gross über mich und meinen Wohnwagen berichtet wurde», sagt er. Dass er nun auf den Luxus einer noblen Wohnung verzichte, mache er aus Überzeugung. «Materielle Dinge machen mich einfach nicht glücklich. Ich arbeite lieber weniger, gebe weniger aus und habe dadurch auch weniger Stress», erklärt er. Viel Besitz überfordere ihn eher. Zudem sei Pendeln noch nie sein Ding gewesen. «Ich habe immer in der Nähe meines Arbeitsortes gewohnt. Mein Arbeitsweg war mal 50 Meter lang, mal neun Kilometer und jetzt, bis nach Schaan, vier Kilometer. Das ist auch wesentlich ökologischer», meint er.

Das meiste in seinem neun Meter langen Occassion-Wohnwagen funktioniert schon, nur sein Fernseher noch nicht. Einen Lieblingsfilm hat er trotzdem: «Ich mag ‹Titanic›, weil es einen realen Bezug hat.» Und eine echte Liebesgeschichte habe sich auf dem Schiff, nebst der Kollision mit dem Eisberg, sicherlich auch abgespielt. «Auf einem Schiff habe ich immer eine Liebesgeschichte», meint er frech. So ganz scheint er seine Rolle als Bachelor wohl noch nicht abgelegt zu haben.

«Dass der Fernseher nicht funktioniert, ist vielleicht gar nicht so schlecht», meint Rentsch. So gehe er öfters auf Entdeckungsreise in Buchs:  «Ich habe schon ein Glacé gegessen, bin am See gesessen und war beim Public Viewing», erklärt Rentsch. Auch mit den Leuten sei er schon in Kontakt gekommen: «Es sind schon Personen auf mich zugekommen, die mich erkannt haben. Ein Taxifahrer hat mich zum Beispiel auf ein Bier eingeladen», erzählt er. Nur den Ostschweizer Dialekt findet er schrecklich. «Lustigerweise ist er hier in der Gegend nicht so schlimm», meint Rentsch. Liechtenstein will Tobias Rentsch erst noch kennenlernen. «Ich bin sehr offen für Tipps – also bitte bei mir melden», meint er schmunzelnd und fragt im gleichen Atemzug: «Kann man eigentlich zum Fürst ins Schloss?»

Vom Postbeamten zum Bachelor
Aufgewachsen ist der Solothurner in einem ländlichen Quartier und mit vielen Nachbarskindern. «So ohne Handy mussten wir noch mit Langeweile klarkommen», meint er lachend. Nach seiner Lehre als Käser hat er über zehn Jahre lang als Postbeamter gearbeitet. «Ich war in einer Führungsposition mit 80 Leuten unter mir. Und alle hatten ihre Problemchen, um die ich mich kümmern musste. Irgendwann hat es mir auch einfach nicht mehr gepasst, jeden Tag 200 Mails beantworten zu müssen», erklärt er. Das Herz trägt der Ex-Mister-Schweiz ganz klar auf der Zunge.

Sein Herz gehört übrigens Daniela Villinger, seiner Freundin, mit der er eine offene Beziehung führt. Zu ihm ziehen möchte diese aber nicht: «Sie hat mich aber schon in meinem neuen Zuhause, dem Camper, besucht», erzählt er. Alleine vertreibe er sich die Zeit in seinem Wohnwagen oft mit Musik. «Ich singe sehr gerne», erklärt er. Dabei begleite er sich selbst mit der Gitarre: «Ich spiele zwar erst seit vier Jahren, aber es macht mir unglaublich viel Freude, etwas Neues zu lernen.» Im Alpenchique Club soll es vielleicht sogar die ein oder andere Performance zu hören geben.

Selbstbewusst trotz Schwächen
Im Gespräch zeigt sich auch die ernsthafte Seite des Ex-Mister- Schweiz: «Ich finde es einfach tragisch, dass rund die Hälfte der Kleidung in der Altkleidersammlung noch neu ist», erklärt er. Alles gebe es heute im Überfluss und sei viel zu billig. Kleidung habe er sich schon ewig keine mehr gekauft. «Als ich beim Bachelor mitgemacht habe, wurden mir alle Klamotten mitge-geben. Das hat mich fast überfordert», gesteht er. Als Open-Air-Gänger stört er sich an den Leuten, die ihr Billigzelt danach einfach stehen lassen. «Da kaufe ich mir lieber etwas dreimal so Teures, dafür hält es eine Ewigkeit», meint er.

Tobias Rentsch strotzt nur so vor Selbstbewusstsein – und das, obwohl es ihm seine Rechtschreibschwäche manchmal nicht leicht macht. «Offen mit meinen Schwächen umzugehen, hat mir sehr geholfen. So wird man viel eher von anderen Leuten akzeptiert», erklärt er. Dennoch gebe es immer wieder Personen, die ihn auslachen. Was Klatschblätter über ihn berichten, könne ihm nichts anhaben. «Mir ist es egal, was andere über mich denken. Und damit bin ich immer gut gefahren.»

Der erste Eindruck mag täuschen: Hinter dem aalglatten Ex-Mister- Schweiz mit dem Lächeln wie aus einer Zahnpasta-Werbung steckt womöglich doch ein Mann mit Tiefgang. (rar)

21. Jul 2018 / 20:31
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