•  (Daniel Schwendener)

"Ich würde heute einen kreativen Beruf wählen"

Mit 80 Jahren blickt Gebhard Kindle auf ein langes und bewegtes Leben zurück. Spielte früher noch der Skisport eine grosse Rolle in seinem Leben, sind es heute die Malerei und seine Familie.

Gebhard Kindle ist wohl, was man einen Ur-Triesner nennt. Seit seiner Geburt ist er in dem Dorf zuhause, seit 80 Jahren, um genau zu sein. «Wehe, wenn er den Kirchturm nicht mehr sieht», scherzt seine Frau Hanni und lacht. Zu Hause fühlt er sich nämlich am wohlsten. Das heisst aber nicht, dass er von der Welt nichts gesehen hätte. 1995 verbrachte das Paar zum Beispiel drei Monate in Amerika und bereiste den Westen des Landes. «4800 Kilometer haben wir in einem Bus zurückegelegt», erzählt er. Für die Reise haben sie noch extra Englisch gelernt. Das Reden überliess er dann aber doch lieber seiner Frau. 

Aufgewachsen ist Gebhard Kindle auf einem kleinen Hof, als Jünster von sechs Kindern. «Wir waren Selbstversorger», sagt er. Damals war das keine Seltenheit. Die Familie hatte zwei Kühe, zwei Geissen, ein paar Hühner und Schweine. Nicht viel, aber es reichte, um zu leben, was besonders während der Kriegsjahren nicht selbstverständlich war. «Damals war man noch genügsamer. Da gab es nicht jeden Tag Fleisch», erinnert sich der 80-Jährige und erzählt von seiner Grossmutter, die für die Familie zum Frühstück und manchmal auch am Mittag Ribel kochte. «Abends gab es oft gebratene Erdäpfel.» Beides esse er heute noch gern.

Andere Zeiten
Könnte Gebhard Kindle heute noch einmal einen Beruf wählen, würde er sich wohl eine kreative Arbeit aussuchen, wie er verrät. Schon als junger Ministrant habe er sich für die schön verzierten Messbücher begeistern können. Aber während seiner Jugend waren kreative Berufe selten. Und auch in der Baubranche Anfang der 50er-Jahre gab es kaum freie Stellen, geschweige denn Arbeit. «Aber die Metallbranche ist damals gewachsen.» Lange suchte er nach einer Lehrstelle, bis seine Grossmutter ihn zu Dr. Risch schickte. «Der kannte viele Leute», sagt Gebhard Kindle. Tatsächlich hatte dieser einen Tipp für ihn: Bei der Präzisionsanstalt in Vaduz wurden noch Lehrlinge gesucht. Nach seiner Ausbildung fand er eine Stelle bei der Hilti AG, wo er bis zu seiner Pensionierung angestellt war. 

Heute widmet sich Gebhard Kindle kreativen Arbeiten. Fast täglich sitzt er mit seiner Frau am Esstisch und malt. Er Bilder in Aquarell und Bleistift, sie aus Acryl und Öl. «Wir haben uns während eines Malkurses in St. Margrethen kennengelernt», verrät seine Frau. Das war vor 24 Jahren. 

Ein leidenschaftlicher Skisportler
So ruhig waren die Freizeitbeschäftigungen des Triesners jedoch nicht immer. «Bis vor zehn Jahren bin ich noch Ski gefahren», sagt er. Das war lange seine grosse Leidenschaft. «Ich war noch ein ganz junger Bub, als ich meine ersten Skier zu Weihnachten bekam.» Damals waren das noch ganz einfache Holzbretter mit einer Bindung aus Leder und ohne Metallkufen. «In diesem Winter bin ich statt in den Kindergarten Skifahren gegangen», gesteht er und lacht.

Später ist Gebhard Kindle bei den Landesmeisterschaften mitgefahren und wurde sogar Juniorenmeister und 1958 Slalommeister. Auf die Titel ist er heute noch stolz. «Damals war der Skisport noch nicht so gross», erzählt er. «Profis, so wie man sie heute kennt, gab es keine. Und die Ausrüstung hat jeder selbst bezahlt.» Auch die Winter waren noch andere. «Die Pisten waren weniger eisig. Es hatte mehr Neuschnee. Dafür gab es bis Anfang der 60er-Jahre noch keinen Lift in Malbun.» Nur ein einziges Mal hätte es zu Weihnachten in Malbun keinen Schnee gehabt, wie er erzählt. «Das war 1957. Dafür hatte es zu Pfingsten einen Meter Schnee.»

Sein ganzer Stolz
Gebhard Kindle hat sich in der Vergangenheit in vielen Vereinen engagiert. «Ich blicke auf rund 100 Jahre Vereinsleben zurück», sagt er stolz. Neben dem Fussballverein war er auch Mitglied beim Musikverein und engagierte sich sowohl beim Hilti-Pensionistenclub als auch bei der Kulturkommission Triesen. Doch am liebsten verbringt er seine Freizeit mit seiner Familie, besonders mit seinen Enkeln. Die sind sein ganzer Stolz, wie das Leuchten in seinen Augen verrät, wenn er von ihnen erzählt. Auf zwei der insgesamt zehn Enkel haben er und seine Frau Hanni regelmässig aufgepasst. «Wir sind ein- oder zweimal in der Woche frühmorgens nach Wil gefahren und abends wieder zurück», erzählt er. Den Weg nahm das Paar gern in Kauf. Die Zeit mit den beiden Mädchen hat der 80-Jährige immer sehr genossen und tut es noch. «Wir haben gemeinsam gekocht, gebacken, gemalt und Ausflüge gemacht.» Die gemeinsame Zeit wissen auch die beiden Mädchen, die mittlerweile 16 und 18 Jahre alt sind, zu schätzen. Denn ihr Grossvater hat einen ganz besonderen Platz in ihren Herzen. (sms)

07. Okt 2018 / 00:00
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