•  (Tatjana Schnalzger)

"Ich warte und repariere Fahrzeuge vom Oldtimer bis zum E-Auto"

In jungen Jahren frisierte Alois Ritter fleissig Mopeds in seinem Hobbyraum. Dort befindet sich heute seine eigene Autowerkstatt, in der er sich verwirklichen kann.

Wo sich einst der Hobbyraum von Alois Ritter und seinem Vater befand, ist heute eine Autowerkstatt, genauer gesagt die Ritter Ziel Garage AG, vorzufinden. Vor rund 2,5 Jahren machte sich der Maurer selbstständig und baute das Gebäude um. Dort einen Parkplatz zu finden, gestaltet sich als schwierig, da gerade reger Betrieb wegen des Reifenwechsels herrscht und sich die Autos vor der Garage aneinanderreihen. Dementsprechend ziehen sich auch die Arbeitszeiten vom Garagisten in die Länge. Unterstützt wird er von einem jungen Mitarbeiter. Ansonsten erscheint die Auto-Garage von aussen eher unscheinbar. Ein bescheidener Schriftzug am Gebäude weist darauf hin. Gleich gegenüber wohnt Alois Ritter.

Der Mechaniker vertritt keine spezifische Marke. Denn sich nur mit demselben Typ Auto auseinanderzusetzen, sei ihm auf Dauer zu wenig. «Obwohl es in dieser Branche ständig Neuerungen gibt, war es mir doch zu wenig herausfordernd», erzählt er in seinem Werkstatt-Büro. Der ausschlaggebende Punkt, seine Selbstständigkeit in die Hand zu nehmen, war seine Unzufriedenheit am Arbeitsplatz. Zudem spielte er schon länger mit dem Gedanken, eine eigene Garage zu führen. Das Gebäude war ja bereits da – er musste nur die Gelegenheit packen. Mit seinen zahlreichen Weiterbildungen wie Automobildiagnostiker, Technischer Kaufmann oder auch im Bereich Marketing besitzt er einige solide Fähigkeiten, um einen Betrieb seriös zu führen. 

Erst Modellbau dann Motoren
Das mechanische, handwerkliche und kreative Geschick liegt dem 39-Jährigen im Blut. Als er vier Jahre alt war, nahm ihn sein Vater mit in ein Modellbaugeschäft. Da entdeckte er die ferngesteuerten Rennautos. «Unbedingt wollte ich so eines haben. Mein Vater meinte dazu nur, dass ich es erst schaffen müsse, dieses Auto zwei Minuten lang durch den kleinen Laden voller Regale zu steuern, ohne etwas zu berühren. Erst dann kaufe er mir das Auto.» Und tatsächlich schaffte er es. Einige Jahre später stieg er dann mit seinem Vater auf Modellboote um. Noch heute – wenn es sich zeitlich ausgeht – beschäftigt er sich gerne mit dem Modellbau. 
Als Teenager fieberte Alois Ritter seinem 14. Geburtstag entgegen, denn er konnte es kaum erwarten, die Gegend mit dem Moped unsicher zu machen. «Danach ging es richtig los, ich frisierte eines nach dem anderen. Zu Spitzenzeiten standen um die 20 Mopeds in der Garage», grinst er spitzbübisch. Die Rahmen fischte er jeweils aus einer Mulde und lackierte sie neu. Ein Motor war meist irgendwo vorhanden und danach führte er seine Mopeds der MFK vor. «Wir waren eine richtige Gang und es war das Grösste, mit dem Moped nach Buchs auf die Halfpipe zu fahren», lacht er. Zudem frisierte er auch Haare. «Alle möglichen Frisuren habe ich gemacht – auch Zöpfe und Färbungen», berichtet er stolz. Für ihn war klar, er wollte Automechaniker werden. Seine Mopeds verkaufte er und mit dem verdienten Geld finanzierte er sich sein erstes Auto. 

Kreativität ist gefragt
In seinem Beruf stosse man, wenn es um Reparaturen von Fahrzeugen gehe, mit reinem Fachwissen rasch an die Grenze des Machbaren. «Sobald es sich um einen Oldtimer handelt, sind die Ersatzteile nicht mehr alle erhältlich, da ist Kreativität gefragt», erläutert er. «Ein altes Fahrzeug kann heute nicht mehr jeder Mechaniker reparieren oder umbauen. Glücklicherweise brachte mir mein ehemaliger Lehrmeister das noch bei.» 

Vor vier Jahren entschied sich der Maurer für einen Sprachaufenthalt in Kanada. Vier Monate verbrachte Alois Ritter in Toronto und lernte Englisch, das erweiterte ganz nebenbei auch seinen Horizont. «Das hat mir richtig gut getan.» Er bereut es ein wenig, dass er diesen Schritt nicht schon früher gewagt hat. «Ich lernte mich selbst besser kennen und habe mich gefunden, da ich dort total auf mich selbst gestellt und alleine war.» Dies half ihm später beispielsweise in Verhandlungen bestimmter aufzutreten und auch zu fordern, um vorwärtszukommen.

Doch gab es auch Momente, in denen der selbstbewusste Mann an seinem Vorhaben, in die Selbständigkeit zu gehen, zweifelte. Doch es kam alles anders: Mit so viel Kundschaft hat er gar nicht gerechnet. 

Ganz oder gar nicht
Da ihn seine Selbstständigkeit ziemlich in Beschlag nimmt, bleibt Alois Ritter momentan kaum mehr Zeit für Hobbys. Judo würde ihn wieder reizen. Doch hat er ziemlichen Respekt davor, da er sich bei diesem Sport in jungen Jahren beide Schultern brach. «Mich packt jeweils der Ehrgeiz und dann wird es für mich gefährlich, denn ich gebe entweder alles oder lasse es bleiben», führt er seine Bedenken aus. Schliesslich sei sein Körper nicht mehr so belastbar wie vor knapp 20 Jahren, die Verletzungsgefahr sei einfach zu gross. «Nicht auszudenken, was es für meinen Betrieb bedeuten würde, wenn ich acht Wochen lang ausfalle», meint er mit einem Hauch von Entsetzen. Darum lasse er es mit dem Kampfsport lieber bleiben und geht, wenn er mal frische Luft braucht, mit dem Hund spazieren oder dreht eine Runde auf seinem E-Bike.

Veränderungen im Leben findet Alois Ritter in jeglicher Hinsicht eine gute Sache. Auch dem Umbruch mit der Elektromobilität schaut er gespannt entgegen. «Endlich geht mal wieder etwas vorwärts», freut er sich. Er betont zwar, dass da noch nicht alles wirklich ausgereift sei, auch was die Gewinnung der Rohstoffe für die Batterie betreffe. «Das war beim Verbrennungsmotor zu Beginn ziemlich ähnlich, der musste sich auch erst über Jahrzehnte lang entwickeln», führt er aus. Auf die Zukunft von Elektro- oder Wasserstoffautos ist er auf jeden Fall vor­bereitet. (ms)

17. Nov 2019 / 00:00
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