•  (Daniel Schwendener)

"Ich möchte mit meinen Bildern Freude bereiten"

Anita Collenbergs abstrakte Werke polarisieren. Entweder man liebt sie oder man liebt sie nicht. Für die Künstlerin bedeutet das Malen vor allem Entspannung und willkommene Ablenkung vom Alltag.

W arum sie keine braunen Kühe und weisse Geissen male, habe man sie auch schon gefragt. «Ich bin einfach anders», meint Anita Collenberg mit einem Schulterzucken. Ihre Bilder mag sie bunt. Da sei sie mutiger als bei ihrer Mode, wie sie mit einem Zwinkern erklärt. Dabei habe sie sich früher nie als Künstlerin gesehen. «Im Gegenteil. Ich hätte nie gedacht, dass ich malen kann, schon gar nicht gegenständlich.» Mittlerweile bekommt sie ab und zu Auftragsanfragen und stellt ihre Bilder sogar in verschiedenen Galerien und Hotels aus. Darauf ist sie stolz. Ihren Job im Büro bei den Sozialen Diensten Sarganserland würde sie aber trotz ihres Erfolgs als Künstlerin nie aufgeben, wie sie sagt. «Ich brauche die Abwechslung, den Kontakt mit den Menschen», erklärt sie.

Angefangen habe alles, als sie und ihr Mann die Wohnung in Mels gekauft hatten. «Ich wollte meine eigenen Bilder aufhängen.» Je mehr Kurse sie machte und selbst probierte, desto angefressener wurde sie von ihrem neuen Hobby. Einiges hat sie sich sogar selbst beigebracht. «Das Malen ist für mich eine Auszeit vom Alltag», meint Anita Collenberg. Dann ziehe sie sich in ihr Zimmer zurück, vergesse die Welt um sich herum und lasse der Kreativität freien Lauf. «Manchmal kann ich auch das Telefon aus- und die Türglocke abstellen, wenn ich ungestört bleiben will.» Und dann gebe es auch jene Tage, an denen sie sich mit ein paar gleichgesinnten Freundinnen zum Malen und zum Plausch treffe. «Da kann es sein, dass ich wirklich den ganzen Tag nicht nach Hause komme», sagt sie und lacht. 

Ein «Sandwich-Kind»
Aufgewachsen ist Anita Collenberg in Sargans als mittleres von drei Mädchen. Der Vater kam aus einer Wirtefamilie aus dem Aargau. Ein Job in der Gastronomie wäre für sie aber nie infrage gekommen, auch wenn sie sehr gern koche, wie sie gesteht. Der Stress und die unregelmässigen Arbeitszeiten, das sei nichts für sie. Daher hat sie eine klassische KV-Lehre absolviert und ist bald nach ihrem Abschluss nach Zürich zu einer Versicherung gegangen. Allerdings habe sie bald das Heimweh geplagt, weshalb sie nach zweieinhalb Jahren wieder nach Hause zog. 

Die Liebe zu ihrer Heimat erkennt man auch in ihren Bildern. Besonders die Kühe und Geissen gehören zu ihren liebsten Motiven. Inspiration hole sie sich gern in den Bergen, wie sieerzählt. «Ich gehe gern spazieren und bin auch mit dem E-Bike unterwegs. Dabei habe ich die Augen immer offen für neue Ideen.» Und diese scheinen aus der aufgeweckten Frau nur so herauszusprudeln. 

Ein Teil ihrer Persönlichkeit
An ihre erste Vernissage kann sich Anita Collenberg noch gut erinnern. Es war ein grosser Schritt, wie sie erzählt. «Ich hatte das Gefühl, viel von mir preiszugeben und es kommt sehr viel Feedback von den Leuten, positives, manchmal auch negatives.» Damit könne sie aber gut umgehen, wie sie sagt. «Meine Bilder gefallen nicht jedem, das ist mir bewusst. Aber es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass die Leute wegen mir und meinen Werken zu den Ausstellungen kommen.»

Dass sie mit ihrem Hobby einen solchen Erfolg feiern würde, hätte auch ihr Mann nicht gedacht. Heute erzähle er gern stolz von seiner Frau, der Künstlerin. «Auch wenn er manchmal schon gute Nerven mit mir braucht», meint Anita Collenberg und gesteht mit einem Lachen, dass sie beim Aufhängen der Bilder sehr pingelig sein kann. 

Eines ihrer ersten Bilder hat sie in der Küche. An dem hänge sie sehr. Es falle ihr nicht immer leicht, ihre Werke herzugeben. So gebe es schon das ein oder andere Bild, das sie etwas länger bei sich behalte. «Ich möchte, dass meine Bilder gut aufgehoben sind und den Menschen, die sie mitnehmen, Freude bereiten», sagt sie und erzählt von einem jungen Studenten, der sich in ein buntes Porträt von Tina Turner verliebte. «Als ich das Strahlen in seinen Augen sah, wusste ich, dass mein Bild bei ihm in den richtigen Händen ist. Wenn ich anderen eine Freude bereiten kann, fällt es mir leichter, meine Werke wegzugeben.» 

Ob sie schon einmal daran gedacht hat, selbst Kurse zu geben? «Manchmal», gesteht sie. «Aber ich glaube, dafür ist die Zeit noch nicht reif.» Allerdings habe sie der Malnachmittag des Projekts «20 Jahre Kinderspitex ART4Kids» schon inspiriert, wie sie gesteht. «Es war toll zu sehen, wie viel Freude die Kinder beim Malen hatten und welche Kunstwerke dabei entstanden sind.» (sms)

18. Jul 2020 / 20:19
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