• Sabine Frener, Rebstein
    Sabine Frener und ihr Hoop-Reifen.  (Tatjana Schnalzger)

Hoop Dance ist etwas ganz Persönliches

Auf der Suche nach einem Ausgleich zu ihrer Arbeit hat Sabine Frener einige Tanzschuhe probiert. Heute hoopt sie sich mit dem Hulahoop wieder ins Gleichgewicht.
Vaduz. 

Ein aufrechter fester Stand ist wichtig, wie Sabine Frener erklärt. «Man meint immer, weil der Reifen rundherum schwingt, muss man auch mit den Hüften kreisen. Dabei bewegt man die Hüften nur vor und zurück.» Kinder hätten den Dreh mit dem Hulahoop schnell heraus, anders als Erwachsene. «Irgendwie verlernen wir das mit der Zeit», sagt die Hoop-Dance-Trainerin.

Ihre Liebe zum Plastikreifen fand sie vor vier Jahren. Damals war die gebürtige Vorarlbergerin auf der Suche nach einem Ausgleich zu ihrem Beruf als Assistentin/Sachbearbeiterin. «Ich wollte etwas für meine Fitness tun und gleichzeitig vom Alltag abschalten können», erzählt sie. Als Kind hat sie getanzt. Im Grundschulalter tobte sie sich als Primaballerina aus. «Allerdings nur fünf oder sechs Jahre lang. Dann hat es mir nicht mehr gefallen.» Grund dafür seien die Balletschuhe gewesen. «Als wir mit den Spitzenschuhen tanzen sollten, fand ich das nicht mehr so toll.» 

Später konnte sich Sabine Frener für das Eiskunstlaufen begeistern, «weil es so schön ausgesehen hat». Die Begeisterung hielt jedoch nicht lange. «Es war mir doch zu kalt», sagt sie und lacht. 

Ausdruck der Persönlichkeit 
Der Wunsch, wieder zu tanzen, überkam sie im Erwachsenenalter wieder. 2009 lernte sie Standard tanzen. «Vor allem Discofox hat es mir angetan», verrät die leidenschaftliche Tänzerin. «Zu der Zeit habe ich gemerkt, wie sehr ich es liebe, zu tanzen und mich zur Musik zu bewegen.» Doch einen Tanzpartner zu finden, der dieselben tänzerischen Interessen hat, sich weiterentwickeln möchte und vor allem Zeit hat, gestaltete sich als schwierig. «Ich habe sogar darüber nachgedacht, wieder mit dem Ballet anzufangen. Aber das war mir dann doch zu klassisch», erzählt sie. Dazwischen habe sie auch Yoga ausprobiert. «Dabei konnte ich jedoch überhaupt nicht abschalten. Es ist sehr viel anstrengender, als es aussieht. Mir hat dabei vor allem das Tanzen gefehlt.»

Auf das Hoop Dance wurde die 35-Jährige über einen Flyer aufmerksam. «Ich hatte noch nie davon gehört und dachte, ich probiere es einmal aus.» Dem Reifen ist sie seit der ersten Kursstunde an verfallen. «Vor allem, weil mein neuer Tanzpartner immer Zeit hat», scherzt sie. 

Hoop Dance ist ein moderner Tanz, bei dem man sich mit einem Hulahoop-Reifen zur Musik bewegt und Tricks kombiniert. Doch es ist auch mehr, wie die leidenschaftliche Hoop-Tänzerin erklärt: «Es ist Bewegung und ein Ganzkörpertraining, aber vor allem etwas ganz Persönliches.» Denn obwohl jeder Tänzer zu Beginn dieselben Tricks lernt, entwickelt jeder mit der Zeit einen ganz individuellen Stil. «Beim Hoop Dance zeigen sich die unterschiedlichsten Persönlichkeiten im Tanz. Das fasziniert mich immer wieder sehr.» 

Auf eigene Faust
In den USA ist das Hoop Dance schon seit einer Weile Trend und findet mittlerweile weltweit zahlreiche Anhänger. Regelmässig finden sogar Hoop-Conventions statt. Während mehrerer Tage treffen sich begeisterte Hoop-Tänzer, um Workshops zu besuchen und gemeinsam zu tanzen. Sabine Frener besucht seit ihren Anfängen regelmässig Conventions. Innerhalb kürzester Zeit hat sie sich von der Anfängerin zur fortgeschrittenen Hoop-Tänzerin gemausert – sogar etwas zu schnell. «Ich wollte noch weitere Kurse besuchen. Allerdings habe ich zu der Zeit in der Region kein passendes Angebot gefunden», erklärt sie. So lernte sie neue Tricks einfach zu Hause mittels Video-Tutorials auf YouTube. Dabei ist sie auch auf die Hoop-Trainerin Deanne Love aus Australien aufmerksam geworden. «Sie ist sozusagen die ‹Hoop-Mama› der Szene», sagt sie. Bei ihr konnte sie schliesslich eine dreimonatige Trainer-Ausbildung per Onlinestudium absolvieren. Dabei musste die Wahlschweizerin unter anderem schriftliche Prüfungen ablegen und regelmässig ihre Fortschritte mit dem Reifen per Skype vorführen. «Das habe ich eigentlich nur für mich gemacht, um weiterzukommen. Nur wenige wussten überhaupt, dass ich das mache.» Eine gute Freundin prophezeite ihr jedoch, dass sie bestimmt eine tolle Hoop-Trainerin werden würde. «Andere zu unterrichten konnte ich mir zu dem Zeitpunkt gar nicht vorstellen.»

Dass sie nun doch Kurse gibt, sei ein Zufall gewesen. «Eine ehemalige Trainerin von mir hat mitbekommen, dass ich das Zertifikat erfolgreich bestanden habe und hat mich gefragt, ob ich denn nicht ein paar Kurse übernehmen möchte», erzählt Sabine Frener. Und da sie nichts zu verlieren hatte, sagte sie kurzerhand zu. Vor ihrer ersten Stunde als Trainerin sei sie recht nervös gewesen, wie sie gesteht. «Trotzdem hatte ich das Gefühl, als hätte ich nie etwas anderes gemacht.» Ausserdem hatte sie etwas Schützenhilfe. Ein Freund hat bei ihrem ersten Kurs, den sie in der Schweiz gegeben hat, teilgenommen um sie zu unterstützen. «Es sind generell kaum Männer in den Hoop-Kursen. Das habe ich ihm schon hoch angerechnet. Auch dass er dabei ein rosa Tutu trug», sagt die 35-Jährige und lacht. 

Ins Gleichgewicht hoopen
Die Erfahrung, anderen das Hoop Dance beizubringen, hat Sabine Frener so beflügelt, dass sie sich nebenberuflich mit ihrem Hoopwerk selbstständig machte. Wo die Hoop-Trainerin auch unterwegs ist, ihre Hulahoops hat sie immer dabei, ganz nach ihrem Motto: «Never miss a chance to hoop dance.» Und wenn sie hoopt, hat sie ein Lächeln im Gesicht und wirkt zufrieden und völlig vertieft in ihre Choreografie. «Hoop Dance ist für mich ein Ausgleich. Dabei finde ich immer wieder zu mir selbst. Wenn ich aus dem Gleichgewicht bin, kann ich mich mit dem Hulahoop wieder in die Mitte hoopen», sagt sie. (sms)

07. Apr 2018 / 22:24
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