• Mario Robbi in Buchs
    Mario Robbi filmt, schneidet, produziert und moderiert alle seine Dokumentationen selbst.  (Daniel Schwendener)

"Früher setzte ich mich einem grossen Druck aus"

Mario Robbi hat sich vor zehn Jahren dem Fernsehen verschrieben. Er möchte dabei die Eigenheiten der Region wiedergeben und ist dafür auch schon nach Honduras gereist.

Aus einer Protestaktion heraus gründete Mario Robbi einen eigenen Fernsehsender und ging damit am 
1. August 2008 auf Sendung. «Der eigentliche Auslöser war die Umwandlung vom «Radio Gonzen» zum «Radio Ri», der sein Einzugsgebiet erweiterte. Daraus entwickelte sich später das «Radio FM1», das zu den Tagblatt-Medien in St. Gallen gehört, genau wie die Regionalzeitung und der lokale Fernsehsender», berichtet Mario Robbi. Das mache seiner Ansicht nach alles zu einem Einheitsbrei und entferne sich von hier. «Es gab überhaupt keine Plattform mehr für die Region, also sagte ich mir: ‹Ich mache Fernsehen.› Alle hielten mich für verrückt», lacht Mario Robbi. Als er mit «TV Rheintal» als erster in der Region mit einem privaten Lokalsender auf Sendung ging, lief so einiges schief: «Der Rechner kam mit der Datenmenge nicht klar und die Maschinen gaben ihren Geist auf», erinnert er sich. 

Eigenheiten und Dialekte

Was sich seiner Ansicht nach in den vergangenen Jahren am meisten verändert habe, seien die Überbauungen und Wohblöcke in Räfis. «Alle kannten sich früher beim Namen. Es gab fünf kleine Läden, eine Bäckerei, eine Post und ein Bahnhofhäuschen im Dorf. Ich vermisse das und trotzdem bleibt Räfis meine Heimat», erinnert sich Mario Robbi. Was ihn an der Region so fasziniert sind die verschiedenen Eigenheiten und Dialekte. «Auf einem kleinen Raum kann ich Skifahren, Biken, Wandern, Segeln und Baden. Die Gegend ist so vielfältig und lässt unzählige Freizeitaktivitäten zu – oder die Sprachen und alten Dorfbildern. Viele Leute wissen meines Erachtens zu wenig darüber», meint er. Daher dreht er auch an Orten, die abgeschieden sind, wie beispielsweise in einem Tal in Vättis. «Es war eigentlich nichts aussergewöhnliches. Jedoch traf ich auf ein Vättiser-Original, der angeblich die besten Ziegerhörnli zubereitet. Er kocht diese in einer uralten Küche und serviert sie in einem Holzgefäss.»

Im Spital Zeit zum nachdenken

«Ich will etwas für die Region machen. Meist sind es Dokumentationen von der Gegend über Menschen von hier», so Mario Robbi. Was er jgerne hätte, wäre jemand, der das Fernsehen nach ihm weiter betreiben und entwickeln würde. «So wie ich arbeite, kann ich niemandem einen fixen Lohn bezahlen.» Der Sender könnte mehr Einnahmen generieren, doch könne er sich selbst nicht durch fünf Teilen. «Ich lasse Vier-Stunden-Blöcke in der Wiederholung laufen. Während dieser Zeit produziere ich», erläutert Robbi. Aktuell arbeitet er gerade an einre Dokumentation über den Rheintaler Höhenweg, der sich von Rorschach bis Sargans zieht. «Auf dem Weg unternahm ich Ausflüge zu Burgruinen, Schlösser und anderen Sehenswürdigkeiten», beschreibt Mario Robbi den Inhalt. 

Jedoch ging er nicht immer so gelassen wie heute an seine Arbeit heran: «Früher setzte ich mich einem grossen Druck aus. Dabei hatte ich fünf Jahre lang 15 bis 16 Stunden Tage, keine Ferien und Wochenenden. Bis ich 2013 einen Herzinfarkt erlitt.» Der Aufenthalt im Spital hätte ihm Zeit gegeben, darüber nachzudenken, wobei er vieles in Frage stellte. Trotzdem beschloss er, weiterhin Fernsehen zu machen – aber mit weniger Druck. Diese Erfahrung hätte ihn gelassener gemacht. «Eigentlich könnte ich in den Ruhestand gehen – das ist aber nichts für mich», fügt Mario Robbi hinzu. 

Die Gelegenheit gepackt

Seine Ideen für die Beiträge erhalte er beim Filmen selbst: «Ich spitze meine Ohren und pflege einen regen E-Mailverkehr.» Eine für ihn verrückte und zugleich prägende Geschichte war, als er eine ehemalige Schulkollegin nach langer Zeit wieder traf. «Sie betreibt ein Krankenhaus in Honduras, das mit Spenden finanziert wird.» Als sie ihm davon berichtete, packte er die Gelegenheit beim Schopf und begab sich auf die Reise, um einen Film über sie und das Spital  zu drehen. «So hatten die Sponsoren aus der Region die Gelgenheit, endlich das Spital in Honduras zu sehen, das sie mitfinanziert haben.» An seinen Aufenthalt kann sich Mario Robbi sehr gut erinnernrem, wie die Menschen im Spital behandelt werden, die sich ohne die Spenden eine medizinische Versorgung gar nicht Leisten könnten. «Ich besuchte die Leute auch in ihrem zu Hause», erzählt Mario Robbi weiter. Sie würden in vier Wänden mit einem Blechdach hausen. «Die Hütte ist mit Betten und einer Feuerstelle einfach eingerichtet, worin Familien mit drei bis vier Kindern hausten», erinnert sich der Filme-Macher. Trotzdem seien die Leute stolz auf ihr zu Hause gewesen und er fühlte sich Willkommen. «Die Kinder erweckten einen sehr gepflegt Eindruck und überall hing Wäsche draussen zum Trocknen.» Doch sah er nicht nur die schöne Seite des Landes, sondern erinnerte sich auch an die Kindern, die auf der Müllhalde leben würden. «Das ging mir schon sehr nah.» 

Die Freiheiten geniessen

Einen typischen Alltag kennt der Fernsehmacher nicht. Für ihn ist es wichtig, etwas Neues anzufangen und abschliessen zu können sowie am Schluss etwas in den Fingern zu halten, das ihn zufrieden stellt. Wenn ihm doch einmal die Decke auf den Kopf fällt, dreht er eine Runde mit seinem Motorrad oder segelt. «Sobald ich auf dem See die Leinen los binde, lasse ich alles hinter mir und bin einfach draussen. Diese Freiheiten geniesse ich heute, die hatte ich früher nicht», erinnert sich Mario Robbi an seine Zeit, als er noch seine Werbeagentur führte. Auf das Segeln kam er schon als kleiner Junge, als er mit Freunden in halbierten Ölfässern auf der Saar entlang trieb. In der Sekundarschule baute er mit seinen Freunden sogar ein Floss aus einer Tanne und Ölfässern, womit sie vom Walensee der Linth entlang in den Zürichsee ruderten. Auch auf dem Meer hat er schon den einen oder anderen Turn gemacht: «Dort spürt man die Elemente und die Natur. Man ist ihr total ausgeliefert.»  (ms)

09. Sep 2018 / 00:00
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistkommentiert
Meistgelesen
14. November 2018 / 01:45
14. November 2018 / 00:56
13. November 2018 / 23:51
13. November 2018 / 22:24
14. November 2018 / 05:00
Aktuell
14. November 2018 / 05:00
14. November 2018 / 01:45
14. November 2018 / 00:56
13. November 2018 / 23:51
13. November 2018 / 22:24
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...
Wettbewerb
Schloss Vaduz
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
25.10.2018
Facebook
Top