• Robert Vogt in Vaduz
    Robert Vogt: "Ich arbeite fokussiert und mit Leidenschaft"  (Daniel Schwendener)

"Es braucht einen Plan im Kopf – und Mitgefühl"

Die Chirurgie ist sein Metier. Robert Vogt, Co-Chefarzt Orthopädie und Traumatologie am Landesspital in Vaduz, investierte viel. Und sezierte am Gymnasium ab und an auch mal ein Hühnerbein.

Arbeiten und nochmals arbeiten, sich einsetzen, lernen und nochmals lernen, fokussiert sein, durch fachliches Können überzeugen. Menschlichkeit zeigen. Ruhig, eher introvertiert, dennoch kommunikativ, offen, freundlich. Das ist Robert Vogt. Von Ellenbogentaktik und Schluderei hält der 39-jährige Balzner nichts. Kein Gott in Weiss. Stattdessen ein Chirurg, bei dem man sich als Patient in guten Händen weiss. Im März 2018 als Leitender Arzt des Teams Chirurgie  beim Liechtensteinischen Landesspital in Vaduz eingestiegen, ist er seit Januar dieses Jahres in  seinem Spezialgebiet Orthopädie und Traumatolgie als Co-Chefarzt tätig. Die steigenden Fallzahlen schreibt er der Qualitätssteigerung und allgemein positiven Entwicklung des Landesspitals zu. «Natürlich bringt jeder Operationserfolg einen zufriedenen Patienten mehr, was sich wiederum auf den guten Ruf des Hauses auswirkt.» 

Steter Einsatz, klares Ziel 

Die Position, die der Chirurg  bekleidet, sein steiler Aufstieg, verwundern nicht. Das Medizinstudium in Basel absolvierte Robert Vogt in der Mindestzeit von sechs Jahren. Es folgten Assistenz- und Oberarztstellen an den Kantonsspitälern Glarus und Münsterlingen, ab 2016 war er als Oberarzt-Stellvertreter Orthopädie an der Schulthess-Klinik in Zürich tätig.  «Ich hatte auch Glück, aber ja, der Einsatz war gross und ich investierte  stets viel Zeit in die Ausbildung.» Mit dem Erlangen des Titels «Facharzt für Chirurgie»  ging es eine Stufe weiter nach oben, der Balzner fand mehr und mehr  Gefallen am Arbeitsfeld. «Ich gab gab Gas und machte den Facharzt für Chirurgie und Orthopädie, um danach ein breites Spektrum und viele Optionen zu haben.» Dass es die Chirurgie oder Orthopädie sein würde, stand für den Balzner schon mit 15 Jahren fest. In der Gymnasium-Mensa  sezierte Robert Vogt laut Aussagen eines Schulkollegen gern mal Hühnerbeine, standen sie denn auf dem Menüplan. Er lacht: «Ja, das stimmt. Wie beim Menschen sieht man dort Gelenk, Bänder, Muskeln ...» Früh las er Anatomie, Biologie, absolvierte Praktika, dachte voraus. Ärzte-Blut fliesst nur entfernt in seinen Adern – zwei Cousins der Mutter sind Hausärzte. Der Chirurg ist mit drei älteren Schwestern und einem jüngeren Bruder aufgewachsen. «Wir sind alle sehr unterschiedlich. Auch von der Art her.»

Fachlich überzeugen 
 

«... auf die Linderung menschlicher Not bedacht/ausgerichtet» ist laut Wörterbuch die Definition für «humanitär». Sie trifft auf Robert Vogt in zweifacher Hinsicht zu. 2003 gründete er den Verein Madagaskarhilfe, dessen Präsident er nach wie vor ist. Von 2002 bis 2009 stand er an der Klinik Saint Damien in Ambanja, im Norden Madagaskars, jeweils während der Sommer-Semesterferien im Einsatz, tätigte im Lauf von insgesamt zirka zwölf Monaten 800 Operationen. «Es war eine Win-win-Situation:   Ich besorgte hier in Liechtenstein die Spenden fürs Material, durfte dort im Gegenzug operieren und viel lernen.» Der Kontakt kam durch seinen Onkel Peter Vogt zustande, während der 90er-Jahre in der Pfarrei Vaduz tätig und Unterstützer des Projekts. 

Mehrere Male klingelt während des Gesprächs sein Mobiltelefon. Er kommuniziert freundlich, kurz, klar, spricht eher leise, aber schnell. «Manche sagen, undeutlich», meint er lächelnd. «In der Unfallchirurgie ist das typisch. Da hast du schnelle Entscheidungen zu treffen. Das muss man mögen.» Wie bringt er in seinem Beruf die sachliche und emotionale Komponente unter einen Hut? «Es ist wichtig, mit dem Patienten mitzuempfinden, offen zu sein, sich einzufühlen. Die Chemie zwischen Arzt und Patient muss stimmen. Die Operation ist ein technischer Prozess. Man legt sich einen klaren Fahrplan zurecht. Schritt für Schritt. Wenn Plan A nicht funktioniert, kommt Plan B oder C zum Tragen. Da braucht es einen klaren Kopf.»  Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Faktor: die Verantwortung. «Ich bin sehr pflichtbewusst, arbeite genau, hatte immer den Anspruch, fachlich zu überzeugen – zugunsten des Patienten und mir selber. Rumschlampen gibt es bei mir nicht. Was ich von mir erwarte, verlange ich auch vom Umfeld.»  Im Schnitt tätigt der Chirurg zirka 8 bis 10 Operationen pro Woche – geplante und auch Notfälle. 

Geradliniger Vorausdenker

Wurde er selbst schon mal operiert? «Ja, als Kind, im Primarschulalter. Sogar hier im Haus. Es war ein Überbein am Handrücken. Der Operateur war damals Robert Wohlwend.» Er zeigt seine Hand. Eine kleine Narbe ist zu erkennen. «Und eine Zyste in der Kniekehle. Die hat Bruno Walser entfernt.» Schon damals sagten ihm die Spitalatmosphäre, der OP zu. Blut war nie ein Problem.

Kommt er denn dazu, ist sein Schlaf gut, Sport, die Natur sind sein Ausgleich. «Als Kind, bis zur Matura, habe ich viel Karate gemacht. Danach setzte ich den Fokus aufs Studium.» Plant Robert Vogt weit in die Zukunft? «Hinsichtlich Ausbildung, Vorwärtskommen etc. meist schon, ja. So auf zwei, drei Jahre hinaus, was sich sinnvoll umsetzen lässt.» Geradlinig, auf das Wohl des Patienten bedacht, geht der Chirurg seinen Weg. «Die Arbeit gefällt mir nach wie vor extrem gut und ich glaube, für mich das absolut Richtige gefunden zu haben.» (ge)

 

12. Mai 2019 / 00:00
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