• Max Feigenwinter in Sargans
    Max Feigenwinter: "Ich setze mich für die Echtheit der Worte ein"  (Daniel Schwendener)

"Das Staunen und Fragen will ich mir behalten"

Selbst streng katholisch aufgewachsen, ist Max Feigenwinter heute manche Vorschrift der Institution Kirche nicht mehr wichtig. «Befreit glauben» ist auch der Titel seines neuesten Buches.

Sein erstes Büchlein mit meditativen Texten erschien 1989 mit dem Titel «Lass dir Zeit». «Wie oft sagen wir im Alltag ‹schnell›?», fragt Max Feigenwinter. «Da muss man noch schnell das machen und dort noch schnell hinfahren … alles muss schnell-schnell gehen.» Über die Jahre sind einige solcher Ratgeber zusammengekommen. Wie viele er schon geschrieben hat? «Das tönt vielleicht arrogant, aber ich weiss es wirklich nicht», meint der 76-Jährige und lacht. «So um die 30 vielleicht?» In seinen Büchern beschäftigt sich der Sarganser mit dem Menschsein, der Menschlichkeit und dem Glauben. Sein neuestes Werk trägt den Titel «Befreit glauben». In biografischen Skizzen und Gedichten erzählt er darin, wie er sich Kirche und Glaube vorstellt «Mit Floskeln oder formelhaften Texten kann ich nichts anfangen», sagt er. «Die Echtheit der Worte liegen mir am Herzen. Dafür kämpfe ich.» 

Ein Leben für die Gemeinschaft

Über Jesus und den Glauben spricht Max Feigenwinter viel, auch wenn er mit der Institution Kirche einige Mühe habe. «Ich bin in einer sehr katholischen Familie in Reinach im Kanton Baselland aufgewachsen», erzählt er. Tischgebet, Abendgebet, Rosenkranz, jeden Sonntag in die Kirche, jeden Freitag in die Schulmesse – das habe ganz selbstverständlich zum Leben dazugehört. «Ich habe das auch immer schön gefunden, diese Gemeinschaft, die sich daraus ergibt», meint er und verrät, dass er als junger Bursche sogar daran dachte, Pfarrer zu werden. Damals hätten ihm die schönen Gewänder gefallen und wie angesehen man als Pfarrer im Dorf war. 

Geworden ist er schliesslich Primarlehrer. Später studierte er Heilpädagogik und nahm nach seinem Abschluss 1970 eine Stelle in Sargans an. «Ich wollte Lehrer für Didaktik an einem Seminar werden», sagt er. 35 Jahre lang hat er angehende Pädagogen ausgebildet und viele Seminare geleitet.
Doch auch ausserhalb des Klassenzimmers hat sich der vielseitig Interessierte immer gern engagiert. Besonders wenn es darum geht, Menschen zusammenzubringen und für eine Sache zu begeistern, ist er gern mit von der Partie. So hat er zum Beispiel rund 15 Jahre lang die «Sarganser Predigten» organisiert. «Ich kam im Gespräch mit einem befreundeten Pfarrer auf die Idee, dass vielleicht einmal andere Personen, keine Theologen, die Predigt halten könnten.» Er selbst predige auch manchmal. Eine besondere Ehre sei für ihn, wenn er eine Hochzeit mitgestalten dürfe. «Das ist etwas sehr Persönliches. Und ich freue mich immer wieder, wenn die Leute zu mir kommen und sagen, meine Texte hätten sie berührt.»
Das Schöne sehen
Ein Staunender und Fragender ist Max Feigenwinter immer schon gewesen. Bereits in seiner Jugend habe er vieles hinterfragt. So manches Mal habe er dafür Schelte kassiert. «Staunen und Fragen, das ist etwas, das ich mir nie abgewöhnen möchte. Wenn man bewusst lebt und staunen kann, dann ist man auch dankbar. Dankbar – das ist für mich ein wichtiges Wort.» Wofür er dankbar ist? Für vieles. Kleinigkeiten vor allem. «Wenn die Enkel zu Besuch kommen, zum Beispiel. Das geniessen wir sehr.»

Dankbar ist Max Feigenwinter aber nicht nur für die schönen Erlebnisse, sondern auch für die weniger schönen in seinem Leben. So kann er selbst seiner Herzklappen-Operation Positives abgewinnen – obwohl er sich erst sehr vor dem Eingriff gefürchtet habe, wie er gesteht. Er ging schon ein paar Jahre regelmässig zum Kardiologen zur Kontrolle, als es hiess, dass man operieren müsse. «Ich hatte noch nie eine Operation. Und dann habe ich das Dümmste gemacht, das man in so einer Situation machen kann: Ich habe mir auf Youtube einen Film von einer Herzklappen-Operation angesehen», erzählt er und schüttelt den Kopf.

Wenige Monate zuvor war auch noch eine Freundin der Familie bei solch einem Eingriff verstorben. «Da ich zu der Zeit recht viel zu tun hatte, habe ich die Operation noch etwas hinausgeschoben.» Eine gute Idee, wie sich im Nachhinein zeigte. So hatte Max Feigenwinter Zeit, mit seiner Familie zu sprechen und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, sich darauf einzulassen. «Der Chirurg meinte am Tag vor der Operation, er hätte selten einen so entspannten Patienten getroffen», sagt der 76-Jährige und lacht. «Ich dachte mir halt: ‹Wenn es fertig ist, ist es fertig.›» Doch er überstand den Eingriff ohne Komplikationen und begegnete während dieser Zeit vielen noch nicht bekannten Menschen. «Rückwirkend wollte ich das nicht, nicht erlebt haben.»

Es sind die vielen Begegnungen, die das Leben von Max Feigenwinter bereichern. Zusammenzusitzen und stundenlang über Gott und die Welt zusprechen, das geniesse er immer sehr.  (sms)

01. Sep 2019 / 00:00
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