•  (Daniel Schwendener)

"Ans Kind glauben – das ist wichtig"

Täglich erlebt Bettina Feger mit ihren Schützlingen im Kinderhort grosse und kleine Abenteuer. Und selbst nach 24 Jahren im Beruf gibt es immer noch Tage, an denen die Kinder ihr etwas beibringen.

Der kleine Joel erzählt seiner Mama zu Hause begeistert, was er bei Bettina alles erlebt hat. «Er singt auch immer wieder Lieder nach, die er im Kinderhort gelernt hat», erzählt Mutter Nadja Greuter und lacht. Das Dino-Lied gehöre zu seinen liebsten. 

Bettina Feger spielt eine grosse Rolle im Leben der Kinder. Und umgekehrt haben die Kleinen einen besonderen Platz im Herzen der Kleinkinderzieherin. Wenn sie von ihren Schützlingen erzählt, hat sie ebenfalls ein Leuchten in den Augen. «Kinder haben mich schon immer fasziniert», erzählt sie. Ihre Mutter erinnere sich noch gern daran, wie sie als dreijähriges Mädchen jedem Kinderwagen nachgelaufen sei und man sie nicht selten suchen musste. Auch als sie einige Jahre älter war, fand man sie in der Siedlung stets von einer Gruppe Kindern umgeben. «Ich glaube, ich war acht Jahre alt, als ich meinen ersten Einsatz als Kindsmagd hatte», erinnert sich die 44-Jährige. Heute ist das ihr täglich Brot. 

Kleinkinderzieherin, das war als junge Frau nicht immer ihr Traumberuf, wie Bettina Feger gesteht. «Damals war ich mir gar nicht bewusst, dass es den Beruf Fachfrau Betreuung überhaupt gibt.» Stattdessen wollte sie immer Säuglingsschwester werden. Doch dieser Beruf war damals in der Region kein Begriff. «Also bin ich im Büro gelandet.» Nach ihrer Bürolehre hat sie eine Stelle in einer Papeterie angenommen. «Das war mein Glück, denn dort habe ich die Liebe meines Lebens kennengelernt und zu meinem Traumberuf gefunden», erzählt sie. In der Papeterie ging nämlich regelmässig die Leiterin des ehemaligen Kinderhorts Tabaluga ein und aus. Sie war es, welche die junge Frau ansprach und meinte: «Wir suchen eine Praktikantin. Komm!» Mehr brauchte es nicht, um Bettina Feger zu überzeugen. Das war vor 21 Jahren. Heute leitet die gebürtige Schaanerin ihren eigenen Kinderhort, den sie übrigens ebenfalls Tabaluga getauft hat. Vor etwas mehr als einem Jahr hat sie sich den Traum erfüllt. «Dass ich den Kinderhort überhaupt verwirklichen konnte, verdanke ich meiner Familie, Freunden, lieben Bekannten und auch der Gemeinde Triesen, die mich von Anfang an tatkräftig unterstützten. Ohne sie wäre das gar nicht möglich», freut sie sich.

Sein dürfen
Wenn es um das Thema Kindererziehung geht, scheiden sich die Geister. Da will sich die 44-Jährige auch gar nicht einmischen. «Das ist Sache der Eltern», sagt sie. Allerdings falle ihr in den vergangenen Jahren auf, dass die Kinder immer mehr gefordert werden. «Der Druck ist gross.» Umso wichtiger ist es ihr daher, dass die Kleinen in ihrem Kinderhort einfach nur sein und sich ausleben dürfen. Das freut auch die Mama von Joel: «Er lernt so viel Gutes von ihr und das ganz ungezwungen und mit einer Extraportion Spass und Freude.» 

«Man hat immer das Gefühl, man müsste den Kindern zwanghaft etwas beibringen. Dabei lernen sie beim Spielen allein schon unglaublich viel», weiss Bettina Feger. «Wenn sie selbst ausprobieren, scheitern und noch einmal probieren dürfen, lernen die Kleinen viel mehr, als wenn sie müssen. Kinder müssen auch mal sein dürfen.» Die Kinder bei diesem Prozess zu beobachten, das ist das Spannende an ihrem Beruf. Daran lässt sie auch die Eltern gern teilhaben und schickt ihnen hin und wieder ein Foto von ihren Schützlingen. 

Trotz der Freiheiten, welche die Kinder im Kinderhort Tabaluga geniessen, richtet sich ihre Zeit dort nach einem geregelten Tagesablauf.  «Kinder brauchen feste Strukturen, an denen sie sich orientieren können», weiss Bettina Feger. Die Kleinen wissen daher: Wenn es «Hände waschen» heisst, gibt es gleich Mittagessen. Am Tisch sagt man «an Guata metanand» und anschliessend wird ein Mittagsschläfchen gemacht. «Wichtig ist, dass man das, was man ihnen beibringen will, auch vorlebt. Das nehmen sie auf.»

Es gibt aber auch Dinge, welche die Kleinkindbetreuerin von ihren Schützlingen lernt. «Sich zurücknehmen und machen lassen, geduldig sein, das ist schon oft eine Herausforderung», gesteht sie. «Man hat gern das Gefühl, dass manches schneller gehen muss. Das Warten und Aushaltenkönnen bringt jedoch viel mehr. Ans Kind glauben – das ist wichtig. Das kann viel bewirken.»

Energie tanken im Südtirol
Obwohl das Herz der 44-Jährigen voll und ganz für die Kinder schlägt, braucht auch sie hin und wieder eine Auszeit. Dann geniesst sie am liebsten die Natur beim Rollerbladen oder Walken mit der Freundin. «Das haben wir sogar fix abgemacht, damit wir auch wirklich gehen», verrät sie. Manchmal schwingt sie sich auch auf ihr Motorrad. «Dabei muss ich mich konzentrieren. Da bleibt keine Zeit, um sich um andere Dinge zu sorgen. So bekomme ich den Kopf frei», erklärt sie und lacht. Gern unternimmt sie auch Wandertouren im Südtirol, ihrer zweiten Heimat. Dort kann sie richtig abschalten und neue Kraft tanken. Nach der Sommerpause freut sie sich schon auf ein Wiedersehen mit ihren Schützlingen – und diese auch auf ihre Bettina. «Joel fragt jeden Tag nach ihr und kann es kaum erwarten, wieder in den Kinderhort zu gehen», verrät Nadja Greuter. (sms)

19. Aug 2018 / 00:00
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