• Bettina Junker, Vaduz
    Bettina Junker, ­Geschäfts­leiterin des Komitees für Unicef Schweiz und Liechtenstein  (Tatjana Schnalzger)

"Wir sind die Fürsprecher der Kinder"

Zwischen Nothilfe, Kinderrecht und ­Klimastreiks: Auf Bettina Junker, die ­Geschäfts­leiterin des Komitees für Unicef Schweiz und Liechtenstein, warten viele Aufgaben.

Frau Junker, Sie haben Anfang Jahr die Leitung vom Komitee für Unicef Schweiz und Liechtenstein übernommen. Haben Sie sich schon eingelebt?
Bettina Junker: Danke der Nachfrage. Ja, ich habe mich gut eingelebt. Ich wurde auch sehr warm­herzig empfangen. Alle Mitarbeiter haben mich gleichermassen an der Hand genommen und mich in die verschiedenen Themen eingeführt – das ist übrigens ein Prozess, der noch anhält. Das erlebe ich als unglaublich kräftigend und stärkend. Es ist schön, wenn man so an einem neuen Arbeitsplatz empfangen wird. Das macht Spass. 

Wie sind Sie zu Unicef gekommen?
Ich wurde angefragt. 

Fiel Ihnen die Entscheidung schwer, zu Unicef zu wechseln?
Nein, ich habe mich sehr über das Angebot gefreut und habe es auch gerne angenommen. Unicef ist eine jener Organisationen, die für mich schon als Kind ein Begriff war. Damals wusste ich, dass sie sich für Kinder einsetzen. Ich hatte dieses Bild im Kopf, dass sie Geld sammeln für arme Kinder in Afrika …

Das ist wohl das Bild, das viele im Kopf haben, wenn man von Unicef spricht.
Ja, das ist sicher so. Aber an dem Bild müssen wir was ändern. Als ich angefragt wurde, für Unicef zu arbeiten, war das ganz klar eine grosse Ehre für mich, meine Erfahrungen in den Dienst der Organisation stellen zu dürfen. Selbstverständlich fängt man dann an, sich einmal richtig mit der Organisation zu beschäftigen. Dabei habe ich sehr schnell mein Bild von Unicef nicht nur revidiert, sondern massiv ausgebaut. Unicef macht viel mehr, als nur Spenden zu sammeln – vor allem lokal.

Zum Beispiel?
Zum Beispiel setzt sich Unicef in der Schweiz und seit vergangenem Jahr auch in Liechtenstein ganz stark für die Rechte der Kinder ein. Das betrifft verschiedenste Bereiche, in denen wir uns mit unterschiedlichen Projekten für die Kinder starkmachen. In Liechtenstein sind wir zum Beispiel mit unserer Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde» (KFG) aktiv. Da ist Ruggell die erste Gemeinde des Landes, die mit dem Unicef-Label ausgezeichnet wurde. 

Wofür steht diese Initiative?
Konkret geht es darum, die Bedürfnisse und Wünsche der Kinder abzuholen und diese in die Gestaltung der Gemeinde einfliessen zu lassen, damit ihr direktes Lebensumfeld so kinderfreundlich wie möglich wird. Dafür sieht der Prozess zur «Kin­derfreundlichen Gemeinde» einen Workshop vor, bei dem Gemeindevertreter und Kinder bzw. Jugendliche zusammen kommen und schauen, welche Themen den jungen Leuten unter den Nägeln brennen. 

Und welche Themen sind das?
Der Verkehr ist zum Beispiel ein Thema, das die Kinder in Ruggell beschäftigt. Sie finden, es hat zu viel Verkehr, der sie in ihrer Mobilität einschränkt. Oder die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist ebenfalls ein wichtiges Thema. Je ein­facher sie in einen Bus oder Zug einsteigen können, desto weniger sind sie darauf angewiesen, gefahren zu werden. Es gibt aber auch Themen, die unabhängig von den Gemeinden immer wieder aufkommen. Häufig fehlen den Kindern Freiräume, in denen sie einfach sein können – wo kein Verbotsschild steht und keiner kommt und schimpft; wo sie gefahrenfrei die Natur erkunden können. Im Fachjargon sind das «unstrukturierte nichtpädagogisierte Räume». (sms)

Es geht also darum, dass die 
Kinder mitbestimmen können.
Richtig. Unicef ist bestrebt, dass die Kinder am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, dass sie eine Stimme bekommen. Diese Partizipation – das Teilnehmen und das Mitreden – ist eines der Prinzipien der Kinderrechte. Die Initiative der «kinderfreundlichen Gemeinde» ist ein Instrument, um dem Mitspracherecht der Kinder Ausdruck zu verleihen. Und dafür, dass man sich früh die Frage stellt, was die Kinder brauchen. Gerade wenn es um die Gestaltung von Lebensräumen geht. Unser Anspruch ist jedoch nicht, dass noch ein Spielplatz gebaut wird. Es geht darum, dass man die Bewegungswege der Kinder kennt und sie berücksichtigt, damit sie sich ohne Begleitung bewegen und die Natur erkunden können. 

Wenn es um das Recht, gehört zu werden, geht, sind die Klimastreiks der Jugendlichen sicher auch ein Thema für Unicef.
Inhouse ist selbstverständlich alles was die Jugend betrifft ein Thema, auch die Klimastreiks. Das beobachten wir selbstverständlich. Kinderrechtlich ist es auf jeden Fall wichtig, dass sie für ihre Sache einstehen dürfen und angehört werden. Um Unterstützung sind wir bislang nicht angefragt worden. Das kommt jetzt auch darauf an, was sich daraus entwickelt. Mittlerweile merkt man, dass bei den Behörden ein Umdenken stattfindet und versucht wird, die Anhörung der Jugendlichen in geordnete und strukturierte Bahnen zu lenken. Ich persönlich bin unglaublich beeindruckt davon, mit wie viel Kraft und Beharrlichkeit, aber auch mit wie viel Klarheit sie ihre Forderungen formulieren. 

Ist der Klimawandel selbst ein Thema von Unicef?
Ja, auf jeden Fall. Viele Hilfsprojekte von Unicef gehen auf Klimakatastrophen zurück: Dürreperioden, Überschwemmungen, Taifune. Von daher hat Unicef selbstverständlich Interesse, dass da Bewegung in die Debatte hineinkommt und drinbleibt. Es bleibt ein Fakt, dass die Jugendlichen in zehn Jahren erwachsen sind und in 20 Jahren eigene Familien haben, die in einem gesunden Umfeld aufwachsen möchten. Von daher bin ich überzeugt, dass das Thema nicht mehr weggeht. 

Unterstützt Unicef die Klimastreiks der Jugendlichen also?
Wie gesagt: Wir wurden nicht um Unterstützung angefragt. Grundsätzlich ist aber eine wesentliche Aufgabe von Unicef, die Bevölkerung zu sensibilisieren, dass Kinder ein ganz wichtiger Bestandteil der Gesellschaft sind – weltweit. Ich sehe uns da ganz stark in der Rolle als Fürsprecher für sie. Es ist auch die Aufgabe von Unicef, sich auf politischer Ebene für die Rechte der Kinder starkzumachen. 

Was sagen eigentlich Ihre Kinder dazu, dass Sie für Unicef arbeiten?
Die finden es beide super. Sie fanden es schon toll, als ich damals in den Non-Profit-Bereich gewechselt bin. Sie interessieren sich sehr für die Projekte, an denen wir arbeiten. Für sie ist das nachvollziehbar und sie sehen sofort den Mehrwert unserer Arbeit. 

Was sind Ihre persönlichen Ziele als neue Leiterin des Komitees für Unicef Schweiz und Liechtenstein?
Ich möchte das, was ich gelernt habe, meine Erfahrung aber auch meine Persönlichkeit in Unicef einfliessen lassen und sie als vertrau-
enswürdige, effiziente und kompetente Organisation stärken. Jeder Franken, der uns anvertraut wird, soll den maximalen Impact haben, um Kinder auf der Welt zu unterstützen. Ich denke, es gibt nichts Wichtigeres als das. Unsere Kinder werden in 20 Jahren unsere Positionen übernehmen. Was sie erfahren haben, gehabt haben oder nicht, wird sich im Erwachsenenalter auswirken. Ausserdem ist es eine schöne Aufgabe, für Kinder zu arbeiten – es ist unglaublich beglückend.

09. Jun 2019 / 00:00
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