• 20180810 Liewo-Interview mit Felix Bizozzero und Christian Marti in Mels
    Felix Bizozzero und Christian Marti freuen sich, bald die Räume im GKZ zu beziehen.  (Nils Vollmar)

"Was uns unterscheidet, ist das Repertoire"

Die Musikgesellschaft Konkordia Mels wurde vor 143 Jahren gegründet und gehört seit dem zum festen Bestandteil des Melser Dorflebens.

Die Konkordia Mels spielt seit 1957 in der ersten Stärkeklasse, was bedeutet das für einen 
Musikverein?

Christian Marti, Dirigent: In der Schweiz gibt es fünf Kategorien, wobei die Höchstklasse die Spitze bildet. Wir befinden uns auf der 1. Stärkeklasse und somit auf dem zweithöchsten Niveau. Das ist anspruchsvoll und man benötigt für diese Literatur auch die entsprechende Besetzung.

Das Niveau zu halten ist wahrscheinlicher fast schwieriger, als es zu erreichen?
Marti: Ja genau, denn das Niveau und die Ansprüche steigen stetig. Einzelne Stücke, die heute in der 
1. Stärkeklasse gespielt werden, waren vor wenigen Jahren noch in der Höchstklasse eingestuft. Dieser Trend scheint weiterzugehen, obwohl man hier langsam aber sicher an die Leistungsgrenze der Musikvereine stösst.

Felix Bizozzero, Präsident: Diese Entwicklung ist in erster Linie schwierig für Dorfvereine. So hat es in der Höchstklasse kaum mehr reine «Laien-Orchester». Vielfach befinden sich auf diesem Niveau neben den Amateuren diverse Musikstudenten und professionelle Musiker. Diese Orchester lassen sich nicht mehr mit einem traditionellen Dorfverein vergleichen.

Wie gestaltet sich bei Ihnen die Jugendförderung? 
Bizozzero: Seit vielen Jahren bildet unsere Jugendmusik mit aktuell 60 Kindern einen wichtigen Bestandteil für unseren Gesamtverein. Nach dem ersten Jahr im Musikunterricht erhalten die Kinder die Gelegenheit, in die Vorstufe, das Jugendspiel , einzutreten. Danach wechseln sie in die Jugendmusik. Dort bleiben sie bis zum Abschluss der ersten Ausbildung, bis sie dann in die Konkordia übertreten. 

Marti: Das Ziel ist es, die Kinder möglichst früh in Gruppen/Ensembles gemeinsam musizieren zu lassen. Es ist wichtig, dass wir einen systematischen Aufbau vom Jugendspiel über die Jugendmusik bis zur Konkordia haben, sodass die Jugendlichen gut auf die nächste Stufe vorbereitet sind. 

Oftmals findet im Teenageralter ein Wechsel der Interessen statt.
Bizozzero: Das ist bei uns nicht anders. Diese Veränderung geschieht entweder berufs- oder studienbedingt, oder einfach weil sich die Lebenssituation generell verändert.

Was zeichnen sich bei denn Instrumenten für Trends ab?
Marti: Es gibt allgemeine Tendenzen und auch spezifische, die beispielsweise in Zusammenhang mit der Lehrperson stehen oder wer das Instrument vorstellt. In den vergangenen Jahren wählten die Mädchen vor allem die Querflöte und das Saxofon. Dagegen hat die Klarinette leider an Interesse verloren. Bei den Blechblasinstrumenten war die Trompete schon immer beliebt. Bei uns ist zudem seit Längerem die Posaune ein Trendinstrument. Andere Instrumente wie zum Beispiel auf dem tiefen Blech oder Waldhorn, Oboe und Fagott werden eher seltener ausgewählt. Natürlich spielt auch die Gruppendynamik unter Freunden eine Rolle. 

Wie steht es um die Vielfalt der Musikrichtungen?
Marti: Was uns teilweise von anderen Vereinen in der ersten und höchsten Stärkeklasse unterscheidet, ist unser breites Repertoire. Früher war die Blasmusik nebst dem Radio das Medium, welches die klassische Musik in einem Dorf vermittelte. Der Marsch und die Polka gehörten dazu, da die Blasmusik ihre Ursprünge im Militär hat. Später kam die Unterhaltungsmusik auf. In den vergangenen Jahren haben sich einige Vereine – im Unterschied zu uns – auf eine Stilrichtung spezialisiert. Die Kultur der Konkordia beruhte schon immer auf der Vielseitigkeit. Bei passender Gelegenheit verstärken wir uns auch mit einem E-Bass und spielen Unterhaltungsmusik. Es ist uns wichtig, dass wir versuchen, jedem Stil so gut wie möglich gerecht zu werden. 

So sind Sie auch flexibel und können sich dem Publikum anpassen.
Bizozzero: Das bestimmt und wir haben in den vergangenen Jahren auch Neues ausprobiert. Wir spielten bereits mit Jodlern zusammen, vor einer Grossleinwand im Versuchsstollen Hagerbach anlässlich der Konzerte «Movie Classics» oder in der Tamina Therme auf einer Bühne im Wasser. Auch ein Jazz-Festival, wie bei unserem Auftritt in Sargans, gehört nicht gerade in die typische Kategorie der Blasmusik. Wir haben es einfach gewagt und es hat Spass gemacht. Mit solchen Konzerten können wir die Zuhörerschaft erweitern.

Marti: Als Verein muss man Neues wagen und nicht in Mustern festgefahren sein. Uns ist klar, dass die Leute nicht wegen uns an ein Jazz-Festival gehen, doch sie werden uns dort hören und zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht mal ein Konzert von uns besuchen. Nebenbei räumen wir auf diese Weise auch Klischees beiseite.

Wie wird die Liederauswahl festgelegt?
Marti: Die wählt die Musikkommission mit dem Dirigenten aus. Bei Sitzungen werden die Themen für die Konzerte festgelegt und Ideen gesammelt. Alle Mitglieder können ihre Meinung dazu abgeben. Daraus entwickelt sich ein Programm. Vor kantonalen und eidgenössischen Musikfesten legen wir dem Verein zwei bis drei Stücke zur Wahl vor, woraus eines ausgewählt wird.  

Was hat dieses Jahr an Höhepunkten zu bieten? 
Bizozzero: Einer hat bereits stattgefunden: Das Galakonzert zur Eröffnung des Verbandsmusikfest im SAL in Schaan. Rein von der Akustik und Grösse des Saals war es für uns eine spannende Erfahrung. Im Herbst steht unsere Musikreise an und ein weiterer Höhepunkt findet Mitte Oktober statt: Der Festumzug an der Olma, an dem wir teilnehmen dürfen. Nebst der Musik ist uns auch die gemeinsame Zeit im Verein wichtig. Ich denke, das gehört dazu und zeichnet uns auch aus.   

Ihr seid viel unterwegs, was ist euch dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Marti: Vieles, denn eine Einladung ist auch eine Wertschätzung unserer Arbeit. So beispielsweise als wir zum Zürcher Sechseläuten als offizielle Vertretung des Kantons St. Gallen eingeladen wurden. Diese zeigte uns, dass sich das Engagement gelohnt hat. Wir durften im KKL in Luzern spielen, was ein einmaliges Erlebnis ist. Weitere Höhepunkte sind die Konzerte im Hagerbach, in der Tamina Therme aber auch viele kleinere Konzerte, bei denen wir die Zuhörer erfreuen durften, wie auf Musikreisen. Das ist alles ein Ansporn, um immer weiterzumachen und nach vorne zu schauen.

Ihr probt in der Aula im Schulhaus Feldacker.
Marti: Unsere Infrastruktur ist bescheiden. Mit 80 Leuten füllen wir den Raum und es wird bei den Proben sehr laut. Die Jahreskonzerte finden jeweils unten in der Turnhalle statt, das bedeutet viel Arbeit für uns: Bühne auf- und abbauen und alles hin- und hertransportieren.

Bald kann der Verein im GKZ proben und Konzerte geben.
Bizozzero: Es wird vom Aufwand, Ambiente wie Akustik viel besser. Der Saal ist ein fester Bestandteil des GKZ (Gemeinde- und Kulturzentrums Mels). 

Marti: Auch logistisch wird es einfacher, denn unser Material verstauen wir momentan in einem kleinen Raum. Jedes Mal müssen die Perkussionsinstrumente zur Probe hervorgeholt und danach wieder abgeräumt werden, das ist ein grosser Aufwand. Es ist eine Erleichterung, wenn die Stühle, Notenständer und Instrumente bereits stehen, wenn man zur Probe erscheint.

Bizozzero: Durch das Auf- und Abbauen gehen die Instrumente mit der Zeit kaputt, denn die Schrauben beginnen dadurch zu lottern. 


Wie stark ist der Verein im Dorf verankert?
Marti: Wir sind zwar ständig mit der Akquisition beschäftigt und möchten darum auch stets im Dorf präsent sein. Regional und kantonal hat die Musikgesellschaft Konkordia Mels bestimmt seine Wichtigkeit, auch historisch betrachtet ist der Verein stark verankert und ein fester Bestandteil in der Ostschweizer Blasmusikszene. Wir schaffen es mit eigenen Leuten, um die 80 Personen, zu musizieren. 

Als Dirigent ist es bestimmt nicht einfach, ein so grosses Orchester zu leiten. 
Marti: Das hat seine Vor- und Nachteile. Wenn wir technische, rhythmische oder filigrane Stücke spielen, wäre ich manchmal froh über ein kleineres Orchester (lacht). Denn je mehr spielen, desto präziser muss man sein. Aber man hat einen tollen Klangkörper, selbst wenn einmal ein paar Musikanten fehlen. Musizieren ist ein Gemeinschaftserlebnis.  

Bizozzero: Im Vorfeld eines neuen Projekts sind schon Zweifel aufgekommen, aber man muss etwas wagen. Viele Vereine haben zu grossen Respekt, etwas Neues anzugehen. Das ist eine unserer Stärken, dass wir die Anfragen angenommen haben, die für einen Musikverein nicht unbedingt alltäglich sind. Wir haben damit stets gute Erfahrungen gemacht.

09. Sep 2018 / 00:00
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