"Mit den kleinsten Dingen kann man den Kindern die grösste Freude bereiten"

Die Schaanerin Sabrina Haas spielte schon seit Längerem mit dem Gedanken, für ein Praktikum nach Afrika zu reisen. Nun wagte sie den Schritt.

Ende August sind Sie in Zürich ins Flugzeug mit dem Zielort Tansania eingestiegen. Mithilfe des Liechtensteinischen Entwicklungsdienstes (LED) sind Sie zu dieser aussergewöhnlichen Praktikumsstelle gekommen. Gab es diesbezüglich ein Bewerbungsverfahren? 
Sabrina Haas: Nach meiner ersten Ausbildung zur Friseurin habe ich mich erstmals beim LED für eine Praktikumsstelle mit einem Lebenslauf und Motivationsschreiben beworben. Ich habe mich jedoch danach für ein Au-pair-Jahr in den USA entschieden. Nach meiner zweiten Ausbildung zur Fachperson Betreuung (FaBe) habe ich mich  dazu entschieden, diesen Sommer ein Praktikum für den LED anzutreten. Dieses Mal fühlte ich mich bereit dazu. Da ich mich schon einmal beworben hatte, verlief das Verfahren etwas schneller. Mein Motivationsschreiben ging dann auch noch an die Viktoria School in Mwanza (Tansania). Danach habe ich die gute Nachricht erhalten, dass ich die Praktikumsstelle antreten darf. Vor meiner Abreise habe ich mich zweimal mit der Direktorin in Liechtenstein getroffen, als sie im Frühling zu Besuch war. Der LED unterstützte mich in der Vorbereitung und ist auch jetzt jederzeit erreichbar.

Wann kam der Augenblick, in dem Sie wussten, dass Sie gerne ins Ausland gehen und eine solche Praktikumsstelle antreten möchten?
Schon lange habe ich mit dem Gedanken gespielt, für ein Praktikum nach Afrika zu reisen. Doch jetzt nach meiner FaBe-Ausbildung fühlte ich mich bereit dazu. Ich wusste schon lange, dass ich diese Erfahrung gerne machen möchte und wagte diesen Schritt nun nach meiner zweiten Ausbildung. Da ich in einer Kita in Liechtenstein angestellt bin, kann ich mich auch für meine berufliche Zukunft weiterentwickeln und hier mein bisheriges Wissen weitergeben. 

Wie gestaltete sich Ihre Reise nach Mwanza? Lief alles reibungslos ab?
Die Reise dauerte sehr lange. Ich war knapp 24 Stunden unterwegs. Der Flug ging über Dubai und Dar Es Salaam. Aber es lief sehr gut. Es gab keine Zwischenfälle.

Was sind genau Ihre Aufgaben während des Praktikums? 
Ich bin in der Viktoria English Medium School in Mwanza, die von Johanna Sele-Rutinwa und Switbert Rutinwa geführt wird. Es gibt zwei Kindergärten, Primarschulklassen und ein Hostel für die Kinder, welche nicht nach Hause können. Eine meiner Aufgaben ist es, die Lehrerinnen im Kindergarten zu unterstützen und ihnen zu assistieren. Montags bis donnerstags gestalten wir zusammen den Unterricht. Ein weiterre Auftrag ist es, die Lehrpersonen zu unterstützen und ihnen im Unterricht zu assistieren. Das heisst, Ideen einbringen und neue Materialien in den Unterricht einzuführen. Auch Administratives gehört dazu, wie das Organisieren der Unterrichtsmaterialien. Zusätzlich helfe ich den Kindern nach dem Unterricht mit den Hausaufgaben. Auch am Wochenende freuen sich die Hostel-Kinder, wenn wir mit ihnen Zeit verbringen. Ein Mal war ich zum Beispiel am Wochenende in der Schule und verbrachte ein paar Stunden mit den Kindern vom Hostel. Wir lasen Geschichten, zeichneten, spielten Brettspiele oder schauten uns einen Film an. Aber ich unterstütze nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen. Die ersten zwei September-Wochen hatten die Lehrer einen Intensiv-Computerkurs. Da die Lehrpersonen wenig Erfahrung hatten, untertützte ich sie beim Umgang mit dem PC. Ich helfe da, wo es meine Unterstützung braucht.

Das hört sich nach einem vielseitigen Alltag an. Wie verlief Ihr allererster Praktikumstag? 
An diesem Tag feierte die 7. Klasse ihre «Graduation», also die Abschlussfeier. Es war ein langer Tag mit vielen Eindrücken. Dabei handelt es sich um eine Abschlussfeier, die man so in Liechtenstein nicht kennt. Sie dauerte den ganzen Tag und es gab verschiedensten Vorstellungen, Reden, Musik und gutes Essen. Es war ein toller Einstieg in mein Praktikum und ich konnte an diesem Tag viele neue Leute kennenlernen. Ich fühlte mich vom ersten Tag an sehr wohl und wurde herzlich aufgenommen. Ich würde nicht sagen, dass ich einen Kulturschock hatte, aber das Leben hier in Mwanza ist nicht mit unserem vergleichbar. Ich nehme die Dinge so an, wie sie sind und mache das Beste daraus. So langsam habe ich Routine in meinem neuen Alltag, die mir Sicherheit gibt.

Was sind Ihrer Ansicht nach, die grössten Herausforderungen bei Ihren Aufgaben?
Dass ich mich nicht zu sehr auf das strukturierte Leben, wie ich es von zu Hause kenne, fokussiere. Ich nehme meine Aufgaben an und versuche, diese nicht mit denen in Liechtenstein zu vergleichen, denn das kann man nicht. Es ist ein komplett anderes Leben. Eine Herausforderung ist es, offen für die neuen Aufgaben zu sein und diese mit meinem bereits erlernte Wissen zu bewältigen. Jedoch bin ich auch gespannt, was ich alles Neues dazulernen werde.

Gab es bisher schöne Schlüssel-momente, die Sie bereits jetzt positiv geprägt haben?
Jeder Tag prägt mich in einer Hinsicht positiv. Alle Kinder, die kleinen bis zu den grossen, sind mir jetzt schon ans Herz gewachsen. Ihre offene, herzliche Art und Dankbarkeit schätze ich sehr. Jeden Tag schenken sie mir ein Lächeln und geben mir somit ganz viel zurück. Die kleinen Dinge, wie beispielsweise mit ihnen ein Mandala ausmalen oder Musik hören und dazu tanzen, sind für die Kinder etwas ganz Grosses. Mit den kleinsten Dingen kann man den Kindern in Mwanza die grösste Freude bereiten. Sie besitzen nicht viel, doch solange man ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann, haben sie alles, was sie brauchen. Die Kinder glücklich zu sehen und sie dabei begleiten zu dürfen, ist für mich das Grösste. 

Sie sagten, Sie hätten nun eine gewisse Alltagsroutine erlangt. Haben Sie sich auch eingelebt?
Die ersten Tage waren für mich eine grosse Umstellung. Das Essen, Klima, die Umgebung und die Sprache (Kiswahili) waren mir fremd. Doch ich habe mich sehr schnell eingelebt  und fühle mich nun sehr wohl und sicher. 

Wohnen Sie bei einer Gastfamilie?
Genau, ich wohne bei einer Frau, die aus Deutschland stammt. Ich habe mein eigenes Zimmer mit Bad. Das Haus ist mit dem Schulbus zirka 20 Minuten von der Schule entfernt. Ich wohne in der Nähe vom Viktoria Lake, zu dem man abends auch einen kleinen Spaziergang machen kann.

Ihr Praktium dauer bis Februar 2019. Freuen Sie sich auf die bevorstehende Zeit oder packt Sie ab und an das Heimweh?
Ich freue mich riesig auf die restliche Zeit und auf die vielen Erfahrungen, die ich noch sammeln darf.  Mit meiner Familie und den Freunden bin ich täglich per SMS oder Skype in Kontakt. Ich habe eine tansanische Telefonnummer und bin daher jederzeit erreichbar. Somit hält sich mein Heimweh in Grenzen. (nb)

21. Okt 2018 / 00:00
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