• Liewo Interview in Trübbach
    Von links: Anna Stoffel, Lehrperson Kleinklasse, sie brachte das Lift-Projekt nach Wartau; Verena Vonlanthen, schulische Heilpädagogin der Klein- und Integrationsklasse am OZ Seidenbaum und Schülerin Yaritza.  (Daniel Schwendener)

"Die Schüler gewinnen an Selbstvertrauen"

Seit Beginn dieses Jahres läuft in der Kleinklasse Wartau das Lift-Projekt. Worum es dabei genau geht, erzählt Klassenlehrerin Verena Vonlanthen.

Um was geht es konkret bei dem Lift-Projekt?
Verena Vonlanthen, schulische Heil- pädagogin der Klein- und Integrationsklasse der Schule Wartau: Grundsätzlich geht es uns darum, Schüler ab der 7. Klasse besser in die Berufswelt zu integrieren, vor allem die Lernschwachen. Darum initiierten wir das Projekt mit der Kleinklasse, da genau diese Schüler Schwächen aufweisen. Sie erhalten damit die Möglichkeit, einen Fuss in die Berufswelt zu setzen. Sie gehen während ihrer Freizeit, also an einem unterrichtsfreien Nachmittag oder Samstag, für zwei Stunden arbeiten. Und das über zehn bis zwölf Wochen am selben Ort, damit sie sich in ein Team integrieren können und in der Arbeitswelt selbstständiger werden.

Wie seid ihr auf dieses Projekt gekommen?
Anna Stoffel, die seit dem Sommer 2019 mit mir zusammenarbeitet, war zuvor an einer anderen Schule tätig, die das Projekt umsetzte. Wir fanden die Idee grossartig und informierten uns darüber. Obwohl es ein gesamtschweizerisches Projekt ist, kennt das in der Region niemand. Im nächsten Schuljahr bleibt dann auch die 9. Klasse, die zuvor jeweils nach Buchs ins Werkjahr ging, künftig in Wartau. So haben wir im nächsten Jahr drei Klassen, die wir in das Projekt integrieren können und weiterhin im Prozess der Berufswahl begleiten können. 

Wie lange läuft das Lift-Projekt bereits?
Im vergangenen Sommer haben wir uns schlau darüber gemacht und besuchten einen Kurs in Zürich. Denn der Bund unterstützt das Projekt. Anfang 2020 sind wir gestartet, das heisst, die Schüler sind ihre Stellen angetreten.

Ist es eine Art Hilfe für die spätere Berufswahl?
Bestimmt, und die Schüler gewinnen auch an Selbstvertrauen. Ausserdem lernen sie einen Beruf so besser kennen, als wenn sie lediglich ein paar Tage schnuppern gehen. Wir spüren, dass die Schüler selbstbewusster werden, da sie zu einem Team gehören. Sie sagen selbst, es sei schön zu arbeiten, die Mitarbeiter zu kennen und zu wissen, was sie zu tun haben. 

Wie gestaltete sich die Suche nach den entsprechenden Stellen?
Das gestaltete sich als ziemlich strenge Aufgabe, vor allem am Anfang, da das Projekt neu ist. Wir mussten bei jedem Betrieb anklopfen. Zudem erhalten die Schüler einen Lohn von fünf Franken pro Stunde und damit waren zuerst nicht alle glücklich. Die Idee dahinter ist aber, dass die Arbeit auch gewürdigt werden soll. Sobald einige Betriebe zugesagt haben, war es anschliessend etwas leichter. Schliesslich bekamen es die anderen Geschäfte mit und zeigten sich dem Projekt gegenüber offener. 

Wie viele Stellen stehen den Schülern zur Verfügung?
Acht Stellen. Nun befinden wir uns bereits auf der Suche nach weiteren Arbeitsplätzen – auch ausserhalb der Gemeinde Wartau führen wir erste Gespräche. Jetzt läuft es ein wenig besser, da wir bereits einige Betriebe aus der Gegend dafür begeistern konnten. 

Haben auch andere Schulen bereits ihr Interesse an dem Lift-Projekt gezeigt?
Einige Schulen in der Region zeigen Interesse, das nun geweckt wurde. Da wir als erste gestartet sind, gibt es nun mehrere Anfragen. Es ist so, dass wir, Anna Stoffel und ich, derzeit alles selbst organisieren und von der Schulleitung unterstützt werden. Trotzdem ist es ein Mehraufwand, den man für das Projekt aufbringen muss, während es in Zürich eigene Stellen für die Leitung des Lift-Projektes gibt.

Ist das Projekt speziell auf Kleinklassen zugeschnitten?
Eigentlich schon, aber da es an einigen Schulen gar keine Kleinklassen mehr gibt, wo die lernschwachen Schüler in die Klassen integriert werden, gibt es keine klare Trennung mehr. Darum können sich die leistungsschwachen Schüler freiwillig dafür melden. Sie müssen auch wollen, sonst geht es nicht, da sie ihre Freizeit dafür opfern. In erster Linie werden die schwachen Schüler motiviert, das Angebot zu nutzen.

Ist es für die Schüler kein Problem, ihre Freizeit zu opfern?
Bis auf zwei Schüler machen alle in meiner Kleinklasse mit, das ist so in Ordnung. Für die anderen ist es kein Problem, neben der Schule für zwei Stunden die Woche arbeiten zu gehen. 

Steht ihr in regelmässigem Kontakt mit den Betrieben?
Ja, wir erhalten von ihnen jeweils Kurzbeurteilungen, ein Formular, das sie ausfüllen und die Schüler uns überreichen. Schliesslich möchten wir wissen, was für einen Eindruck die Schüler hinterlassen und ob es Vorfälle gab. Wir möchten die Betriebe aber auch nicht zu fest in Anspruch nehmen, wir fragen nach und wenn etwas ist, melden sie sich bei uns. Glücklicherweise sind wir mit einer guten Klasse gestartet, die motiviert ist und ihren Willen auch zeigt. Sie sehen den Nutzen dahinter und merken, dass es ihnen guttut. Sie sind bereits viel selbstständiger und selbstbewusster bei der Suche nach Schnupperstellen geworden, da sie merken, dass sie gut rüber-
kommen. 

Sie lernen damit auch, wie ein Bewerbungsprozess ablaufen könnte?
Sich zu bewerben ist, so glaube ich, für die Schüler das schwierigste. Sie müssen von sich aus auf die Betriebe zugehen. In Bezug auf dieses Projekt haben wir zwar vorab Abklärungen getroffen, aber anrufen und sich vorstellen mussten sich die Schüler  selbst. Erst waren sie ziemlich nervös, doch die Betriebe waren ja informiert und haben sich dazu bereit erklärt, sie zu beschäftigen. Beim zweiten Mal wird es den Schülern bereits etwas einfacher fallen. 

War auch eine Hemmschwelle bei den Betrieben vorhanden, da es um die Kleinklasse ging?
Das spürten wir, da einige auch schon Schüler aus der Kleinklasse beschäftigt und schlechte Erfahrungen gemacht haben. Jetzt sind wir aber mit einer guten Klasse unterwegs, für die ich die Hand ins Feuer legen würde. Das ist schon etwas, das herausfordernd sein kann, aber auch Sekundarschüler können sich danebenbenehmen. Die Kleinklasse ist halt mit Vorurteilen behaftet. Da konnten wir die Betriebe zum Glück vom Gegenteil überzeugen, da die Schüler vollen Einsatz zeigen. Für die Kleinklasse ist es motivierend, wenn andere sie als anständige und fleissige Schüler wahrnehmen.

Zeigt sich das auch in der Schule?
Das Projekt ist ein grosses Thema in der Schule und nimmt Zeit in Anspruch, das ist vollkommen in Ordnung. Im Moment ist das für die Jugendlichen wichtig und manchmal muss ich halt Deutsch und Mathe rasch beiseite legen und mit ihnen darüber sprechen oder sie schreiben lassen. Als Lehrperson darf man da nicht engstirnig sein, denn es ist ebenfalls wichtig für die Zukunft der Schüler. Es hat in ihnen auch die Freude geweckt, schnuppern zu gehen. 

Mit schwierigen Schülern würden Sie das Projekt gar nicht durchführen?
Nein, das würde ich nicht. Auch jemand, der oft krank ist oder viele Absenzen hat, muss warten. Denn es ist eigentlich eine Belohnung. Ihnen muss bewusst sein, dass es nur funktioniert, wenn sie in der Schule mitmachen und anständig sind. Sie müssen sich dafür einsetzen und auf ihr Verhalten achten. Da ich derzeit eine gute Klasse habe, ist es nicht der Fall, dass jemand aufgrund seines Verhaltens ausgeschlossen wird. Schliesslich müssen wir auch darauf achten, dass wir die Betriebe nicht gleich wieder verjagen.

Mit welchen Klassen wird das Projekt weitergeführt?
Mit der 8. und 9. Klasse. Wir müssen noch schauen, wie es möglich ist, denn wir sind erst diesen Januar gestartet. Wir werden uns bestimmt nach den Frühlingsferien nochmals intensiv damit beschäftigen müssen, wenn die Arbeitsstellen getauscht werden. Die Schüler haben zwar das Gefühl, sie werden auch nach den Sommerferien wieder teilnehmen, aber das müssen uns wir erst genauer ansehen. Denn in der 9. Klasse beginnt die Lehrstellensuche und da müssen wir Prioritäten setzen. Auf jeden Fall wird die 8. Klasse dabei sein und wenn möglich auch schon die 7. Klasse. Es wird hoffentlich so sein, dass wir immer Schüler haben, die am Lift-Projekt teilnehmen. 

Yaritza aus der 8. Klasse berichtet über ihre Arbeit im Lift-Projekt
Seit Jahresbeginn arbeite ich jeden Freitagnachmittag für ein paar Stunden in der Woche in der Kitawa Wartau. Dort helfe ich den Kindern beim Zvieri-Essen, unterstütze sie beim Hände waschen, spiele mit ihnen und packe auch in der Reinigung mit an. Ich könnte mir durchaus vorstellen, künftig in diesem Bereich zu arbeiten. Mir macht es Spass und für mich ist es nicht schlimm, dass meine Freizeit dafür draufgeht. Bis zu den Frühlingsferien werde ich noch dort arbeiten, danach wechsle ich in einen anderen Betrieb. Wohin genau ich gehen möchte, weiss ich noch nicht. Es stehen Stellen in der Landi, im Betagtenheim, im Volg, beim Coiffeur Hausi, bei Atlas Holz, der Marty-Gruppe und dem Werkhof der Ortsgemeinde Wartau zur Verfügung. (ms)

23. Feb 2020 / 00:00
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