•  (Tatjana Schnalzger)

"Die Leute werden an der Nase herumgeführt"

Wenn es ums Thema Plastik geht, wird David Kranz emotional. Mit dem Problem beschäftigt er sich nicht erst seit dem Social Impact Hack in London.

Herr Kranz, Sie waren vor Kurzem bei einem Social Impact Hack eingeladen. Was darf man sich darunter vorstellen?
David Kranz:
Hacks kennt man mehr aus dem IT-Bereich. Ein Hack ist nichts anderes als eine kreative und originelle Lösung eines Problems. Ich war vergangenen Juni beim Social Impact Hack von One Young World eingeladen. Dabei ging es darum, Lösungen für aktuelle soziale Probleme zu finden.

Um welche Themen ging es dabei?
Wir konnten zwischen drei Themen wählen: Umweltverschmutzung, mentale Gesundheit und Diversität und Gleichheit. 

Welches Thema haben Sie in Angriff genommen?
Unsere Gruppe hat sich mit dem Thema Umweltverschmutzung befasst. 

Womit genau? Was war Ihre Aufgabe?
Wir haben uns der Reduktion von Plastikverpackungen gewidmet. Eine Aufgabe in dem Sinn haben wir allerdings nicht erhalten. Wir waren bei der Wahl sowie bei der Lösung des Problems recht frei. 

Den Teilnehmern wurden keine Bedingungen gestellt?
Nein. Es ging darum, eine Lösung für ein bestehendes Problem zu finden. Irgendwelche Vorgaben hätten uns dabei mehr eingeschränkt als geholfen. 

Es hiess also: «Das ist das Thema. Macht mal.»
Im Prinzip, ja. 

Wie sind Sie auf das Thema Plastik gekommen?
Zu Beginn des Hacks haben einige Mentoren, die in den betreffenden Bereichen tätig sind, berichtet, mit welchen Problemen sie bei ihrer täglichen Arbeit konfrontiert werden. 

Warum haben Sie das Thema Plastik gewählt?
Beim Plastik gibt es dringenden Handlungsbedarf und das Thema liegt mir persönlich sehr am Herzen. 

Welche Lösung haben Sie und Ihr Team erarbeitet?
Wir haben eine recht europäische Lösung gefunden. Wir hatten die Idee von einer App.

Wie sollte die App das Plastikproblem lösen?
Uns ging es darum, die Menschen auf das Problem aufmerksam zu machen. Wir wollten zeigen, welchen Einfluss unsere täglichen Entscheidungen haben.

Wie meine Sie das?
Unser Aufhänger war: «Meine Plastikflasche macht keinen Unterschied, sagen sieben Milliarden Menschen.» 

Es ging also darum, das Bewusstsein der Menschen für einen nachhaltigeren Konsum zu fördern.
Richtig. Jeder denkt, dass er mit seinem Handeln sowieso nichts bewirken und keinen grossen Einfluss auf die Umwelt nehmen kann. Deshalb wollten wir einen Chatbot, ähnlich wie «Cleo» von Facebook, integrieren, der einem die positiven Folgen seiner Einkäufe aufzeigen soll und auch Tipps gibt, wie man sein positives Handeln noch ausbauen kann.

Zum Beispiel?
Wenn man zum Beispiel seinen Reis in einem Zero-Waste-Store kauft, wo er im mitgebrachten Behälter mitgenommen wird, bekommt man besseres Feedback, als wenn man den in Plastik vakuumierten Reis aus dem Supermarkt kauft. Ausserdem sollte man sich mit Freunden vernetzen können – ein spielerischer Charakter ist bei solchen Apps heutzutage schon fast üblich. 

Das sind recht konkrete Vorstellungen, die Sie da haben.
Ja, klar. Immerhin sollten wir nach acht Stunden der Jury unsere Idee verkaufen können. Es ging nicht darum, einfach nur eine abstrakte Lösung zu finden und in den Raum zu stellen. Ziel war es auch, sich zu überlegen, ob und wie man diese im Idealfall am besten umsetzten kann.

Wie hat die Jury Ihre Idee beurteilt?
Sie fanden die Idee toll, empfanden aber die Kategorisierung der Produkte als schwierig. Auch was die Einkaufsdaten der Nutzer betrifft, waren noch einige Fragen offen. Interessant war allerdings, dass die anderen Teams, die sich ebenfalls mit dem Thema Umweltverschmutzung beschäftigten, ähnliche Lösungsansätze verfolgten. Der Gewinner des Social Impact Hacks hatte auch eine App zur Lösung des Plastikproblems ausgearbeitet.

Achten Sie privat ebenfalls auf Ihren Plastikkonsum?
Ich führe zwar kein total grünes Leben, aber ich versuche bewusst darauf zu achten. Zum Beispiel trinke ich in der Regel Leitungswasser oder kaufe Mineralwasser in Glasflaschen. Gerade das Thema Plastik beschäftigt mich sehr.

Inwiefern?
Zu meinem Studium gehört es nicht nur zu lernen, wie Maschinen funktionieren, sondern auch, was sie herstellen und wie. Unter anderem geht es da auch um Plastikverpackungen. Nehmen wir zum Beispiel diese kleinen Folien, in die Schokopralinen gern gewickelt werden. Diese bestehen aus mehreren Schichten von Plastik, Papier, Aluminium, Kleber und vielen anderen Stoffen. Das ist nicht nur eine einfache Schicht Plastik. Das kann man unmöglich recyceln. Das geht einfach nicht. 

Dann macht der Supersack aber auch keinen Sinn …
Nein, tut er nicht. Etwas überspitzt formuliert, ist das eine moderne Form des Ablasshandels. Im Mittelalter konnte man sich ja mit genug Geld von seinen Sünden freikaufen. Der Supersack ist in meinen Augen nichts anderes. Da wird ein Geschäft mit dem schlechten Gewissen gemacht.

Es gibt kompostierbare Plastik-Alternativen …
Das ist alles Schwachsinn. Diese Alternativen enthalten immer noch Plastik. Dann sind wir wieder beim alten Problem: Der Sack löst sich auf und das Mikroplastik darin gelangt in die Erde und ins Meer. Die Leute werden mit diesen Alternativen nur an der Nase herumgeführt. 

Was sollte man Ihrer Meinung nach tun?
Mehr nachdenken. Die Leute denken zu wenig darüber nach, woher die Dinge kommen, die sie täglich konsumieren und wie sie hergestellt wurden. Man muss nicht komplett auf alles verzichten. Aber man kann sich zumindest überlegen, ob man zum Beispiel wirklich schon wieder ein neues Smartphone braucht, nur weil ein neues Modell herausgebracht wurde. Bewusster leben, das würde uns allen gut tun. (sms)

15. Jul 2018 / 00:00
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