• Adrian Schweizer, Gams
    Adrian Schweizer mit seiner Mitarbeiterin Ursina Münger vor seiner Praxis in Gams.  (Tatjana Schnalzger)

"Das Luchsprojekt war eines meiner Höhepunkte"

Adrian und Luzia Schweizer behandeln in ihrer Praxis Gross- und Kleintiere. Nebenbei engagieren sie sich auch für den Tierschutz.

Herr Schweizer, im September 2015 sind Sie und Ihre Frau in die Region gezogen, um die Praxis von Daniel Cantieni Risch zu übernehmen. Seither hat sich einiges getan.
Adrian Schweizer: Ja, wir haben zum Glück genügend Platz und können uns wirklich austoben, denn wir planen bereits die nächsten Projekte, die aber noch nicht offiziell sind. Die Boxen für die Grosstiere sind schon eine Weile in Betrieb und es hat mich überrascht, wie gut die ankommen. Die Landwirte bringen ihre Tiere oft selbst zu uns, schliesslich sind ihre Kühe und Kälber wertvoll für sie. Mit den Grosstieren zu arbeiten ist eine tolle Abwechslung zu der Arbeit in der Praxis. Das muss man gerne machen, denn es ist sehr streng – auch körperlich. 

Eine Tierarztpraxis für Gross- und Kleintiere sieht man nicht oft. Meist sind die Praxen spezialisiert.
Immer weniger wollen Grosstiere behandeln. Ich finde es spannend, beides zu machen. Man ist immer in verschiedenen Bereichen unterwegs und kommt auch mal raus aus der Praxis. Ich schätze das. Grosstiere sind körperlich anstrengend. Nachdem man zwei Stunden einer Kuh Geburtshilfe geleistet hat, weiss man, was man getan hat. Ich finde es eine schöne Arbeit und die Menschen sind auch verschieden. Der Umgang mit Bauern ist ganz anders als mit Hundebesitzern. Schliesslich geht es beim einen um die Existenz und den Beruf, beim anderen um die Freizeit. 

Sie machen beim Kastrationsprogramm von der «Zellweger Animal Fountation ZAF» für Katzen und Hunde mit. Im Februar endete das Projekt von Sennwald bis Sevelen. Nun sind seit April die Regionen von Lienz bis Au dran. 
Ja, das ist schon wieder im Gange. Es geht darum, Katzen und Hunde zu kastrieren und sterilisieren, deren Besitzer sich das finanziell nicht leisten können. Im Grunde ist das ein guter Gedanke und sinnvoller Tierschutz. Denn vor allem Katzen vermehren sich sehr schnell und wenn zu viele an einem Ort sind, breiten sich Krankheiten aus. Mit diesem Projekt leisten wir sozusagen unseren Beitrag zum Tierschutz, denn wir arbeiten auf eigene Kosten. 

Waren sie schon öfters an speziellen Projekten beteiligt?
Wir erhielten die Möglichkeit, das Umsiedlungsprojekt der Luchse vom Amt für Jagd, Natur und Fischerei zu betreuen. Unsere Aufgabe bestand darin, die Luchse einzufangen, zu narkotisieren und untersuchen, bevor sie in Quarantäne gingen und nach Deutschland transportiert wurden. Das war wirklich sehr spannend und einer meiner Höhepunkte. Schliesslich behandelt man nicht jeden Tag eine so grosse Raubkatze. Da bin ich auch stolz drauf, dass ich da mitwirken durfte. Das war wirklich cool und aufregend.

Behandeln sie oft exotische Haustiere?
Das kommt immer wieder vor. Beispielsweise Vögel, denn Papageienarten gibt es viele. Manchmal muss ich selbst erst nachschauen, denn auch ich kenne nicht alle Arten auswendig, irgendwann stösst das Wis-
sen an seine Grenzen. Das aussergewöhnlichste Tier, das ich bis jetzt behandelt habe, war ein Axolotl, das ist ein Lurch aus dem Amazonas. Im schlimmsten Fall muss man die Leute auch weiter vermitteln.

Was sind so die gewöhnlichen Fälle in Ihrer Praxis?
Was die Kleintiere angeht, ist es sehr variabel in Form von alltäglichen Problemen wie Durchfall, Erbrechen, Husten, Ekzeme und so weiter. Ältere Tiere leiden an Laufproblemen, Krebserkrankungen oder Organbeschwerden wegen des hohen Alters. Bei den Nutztieren gibt es viele Routineuntersuchungen wie tragende Kühe, Kälber mit Durchfall oder Lungenentzündung, Geburtshilfe und die Behandlung der Klauen. 

Ist das Übergewicht von Hunden und Katzen auch hier ein Problem?
Ja. Wir führen mit jedem Tier, das zu uns kommt, eine Gewichtskontrolle durch. Dann ist die Veränderung offensichtlich und man kann die Besitzer darauf hinweisen. Denn das Übergewicht führt zu Krankheiten wie Diabetes und Gelenkbeschwerden. Häufig wird leider erst reagiert, wenn die Probleme schon da sind. In erster Linie bringt es wenig, einem übergewichtigen Tier etwas gegen die Beschwerden zu geben. Da muss erst das Gewicht reduziert werden. Das muss ich jeweils mit den Besitzern aushandeln, denn die Tiere können ja nichts dafür. Sie sind schliesslich sehr clever und wissen genau, wie sie an ein Leckerli oder eine Extraportion gelangen. Es gibt durchaus extreme Fälle wie Katzen, die 12 Kilogramm wiegen. Das sind arme Tiere und Bilder des Grauens, aber zum Glück sehr selten.

Mittlerweile ist die Behandlung von Kleintieren weit fortgeschritten, sogar Krebs soll behandelt werden können?
Krebsbehandlungen für Haustiere gibt es. Doch muss man den Einzelfall betrachten und sich ausgiebig mit den Besitzern darüber unterhalten. Wenn ein 14-jähriger Hund an einem Lebertumor leidet, macht man ihm mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung wirklich noch einen gefallen? Da stellt sich die Frage, will man seinem Tier eine solche Behandlung noch zumuten? Einem jungen Tier mit einer guten Prognose eher, aber es kommt auf den Einzelfall an. Jeder muss es für sich entscheiden. Ich möchte nicht werten, sondern sage lediglich, dass man es sich gut überlegen muss. Erfahrungsgemäss wollen viele Halter eine solche Behandlung ihrem Vierbeiner erst gar nicht zumuten. Zudem erkennen wir in den meisten Fällen den Krebs erst spät. Denn die Tiere zeigen es nicht und können uns nicht sagen, wo der Schmerz liegt. Wenn wir ihn dann erkennen – und das meist in einer Routineuntersuchung – hat er meist schon gestreut. Es ist ein heikles Thema und man muss sich fragen, wann hört man auf. Ist die Lebensqualität des Tieres noch garantiert? Die Entscheidung ist nicht leicht zu fällen, aber die Einsicht, dass man zu lange gewartet hat, ist viel schwerer zu ertragen. 

Gibt es eine Tätigkeit, die Ihnen überhaupt nicht liegt?
Es gibt bestimmte Dinge, die man weniger gerne als andere macht. Klar, will niemand gerne ein Tier einschläfern, das gehört aber dazu. Ich mag eher Fälle, bei denen ein schnelles Resultat zu sehen ist, wie beispielsweise bei der Geburtshilfe einer Kuh. Wenn das Kalb da ist, sieht man, was man geschafft hat. Aber langfristige Sachen, bei denen man erst abwarten muss, dafür bin ich fast schon zu ungeduldig. 

Sie und Ihre Frau kamen sozusagen als Neulinge in die Region und sind in die Fussstapfen von Daniel Cantieni Risch getreten, der fast 37 Jahre lang hier als Tierarzt tätig war.
Wenn plötzlich zwei neue dastehen, wird man schon beobachtet. Wir wurden aber rasch akzeptiert und sind gut aufgenommen worden. Seit 3,5 Jahren sind wir nun hier und wir haben ziemlich schnell neue Leute kennengelernt. Am Anfang muss man schon offen sein, das war uns auch klar. Denn man macht vielleicht ein paar Dinge anders, die einen sind sehr daran interessiert und die anderen eher skeptisch. 

Sie haben den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und können nun nach Ihrer eigenen Philosophie arbeiten.
Mir scheint es, dass dies bei Tierarztpraxen nicht mehr oft der Fall ist. Viele scheuen, denke ich, eine eigene Praxis, denn da steckt sehr viel Arbeit dahinter, man trägt eine grosse Verantwortung und es ist nun mal ein Mehraufwand. Mir scheint es, als gäbe es immer weniger Tierärzte, die eine eigene Praxis eröffnen. Oft entstehen Gemeinschaftspraxen, in denen sich vier bis fünf Tierärzte zusammenschliessen. Den Schritt in die Selbstständigkeit würde ich aber jederzeit wieder tun. Man muss dann aber auch für sein Handeln geradestehen und den Kopf hinhalten, wenn etwas schief geht. Und das passiert unweigerlich. Das ist in jeder Branche so, ein gewisses Risiko ist immer dabei. (ms)

12. Mai 2019 / 00:00
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