• Manuel Büchel Pontonierverein Buchs 180815
    Manuel Büchel ist seit Anfang 2018 Präsident des Pontonierfahrvereins Buchs.  (Daniel Ospelt)

«Bei diesem Sport geht es um Ruhm und Ehre»

Manuel Büchel amtiertseit diesem Jahr als Präsident des Pontonierfahrvereins Buchs und stellte das Pontonierfest auf die Beine.
Buchs. 

Dieses Wochenende findet das Pontonierfest mit Chübelregatta und Fischessen statt. Die Boote bauen die Teilnehmer selbst. Was ist dabei das Aussergewöhnlichste, was Sie bis jetzt gesehen haben?
Manuel Büchel: Jedes Jahr gibt es erstaunliche Kreationen. Die Kreativität der Teilnehmer ist grossartig. Das bisher Speziellste, was mir gerade in den Sinn kommt, war ein Boot aus PET-Flaschen. Hunderte von diesen band der Teilnehmer zusammen. Wegen der Sommerferien entstehen die meisten Boote eher kurzfristig – so ist es auch mit den Anmeldungen. Es gibt einige, die mit ihren Kindern ein paar Jahre hintereinander mitmachen, bis sie das Interesse verlieren.

Kann jeder teilnehmen?
Die Fahrt auf dem Kanal ist für Jung und Alt ein tolles Erlebnis. Es gibt lediglich Beschränkungen, was die Grösse und den Antrieb der Boote betrifft. Derzeit hat der tiefe Wasserstand des Kanals ebenfalls Einfluss auf die Konstruktion der Schiffe.

2017 veranstaltete der Verein einen Wettbewerb im Schnüren. 
Das war der Chnüppu-Cup – ein schweizweiter Schnürwettbewerb, der jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindet. 2017 waren wir mit der Durchführung an der Reihe. Das war etwas speziell, da wir den Cup auf dem Gelände der Wiga ausgetragen haben. Das Zelt sowie die Infrastruktur durften wir dafür nutzen. Deshalb fand auch die Chübelregatta im Vorjahr auf dem Werdenbergersee statt. Dieses Jahr wird sie wieder im Kanal durchgeführt. 

Das gehört eigentlich fast schon zur Tradition des Vereins?
Wir führen die Chübelregatta und das Pontonierfest schon seit vielen Jahren in diesem Rahmen durch und freuen uns über den guten Anklang bei den Besuchern.

Was reizt Sie am Pontoniersport?
Einerseits finde ich es von der sportlichen Seite her toll, dass es eine Randsportart ist, wobei es um Ruhm, Ehre und um das Erlebnis geht und nicht um Geld. Andererseits beeindruckt mich der Sinn für die Kameradschaft im Verein. Was man erreichen kann, wenn die gesamte Mannschaft an einem Strick zieht. 
Ihr trainiert hauptsächlich auf dem Rhein?
Genau. Unsere Wettkampfsaison ist eigentlich relativ kurz wegen des Wasserstandes. Wir starten jeweils Ende März und die letzten Wettkämpfe der Aktiven sind bereits Anfang Juli. Die Jungpontoniere haben Anfang September nochmals einen Wettkampf. Während der Saison trainieren wir zwei bis drei Mal pro Woche. Zwei Mal rudern wir gemeinsam auf dem Rhein und mindestens einmal schnüren wir.

Was versteht man unter Schnüren?
Wenn man mit dem Boot unterwegs ist, nimmt man immer Seile mit, um sie irgendwo zu befestigen. Dafür wenden wir verschiedene Knoten an. Ursprünglich stammt die Tätigkeit der Pontoniere vom Militär ab. Früher bauten sie die Brücken mit Rundhölzern, die mit Seilen zusammengebunden wurden. Das ging irgendwann in Wettkämpfe über. Wir machen die verschiedenen Knoten auf Zeit und mit Präzision. Den Parcours absolviert man einzeln und in der Gruppe wird ein sogenanntes Objekt erstellt, indem verschiedene Rundhölzer zusammengeschnürt werden. Das geht wiederum auf Zeit und Genauigkeit. Da sind wir Buchser weit vorne dabei. Dieses Jahr konnten wir am Eidgenössichen in drei Kategorien gewinnen. Den Titel im Gruppenschnüren haben wir ebenfalls erfolgreich verteidigt. Der grosse Erfolg im Schnüren hängt sicher auch ein wenig mit den oft ungünstigen Trainingsbedingungen auf dem heimischen Rhein zusammen.

Der Rhein führt momentan wenig Wasser. Ist das gut oder schlecht für euch?
Das ist schwierig zu sagen. Eher so ein Mittelmass wäre ideal. Momentan ist der Pegel für uns fast zu tief. Diese Woche hatten wir noch ein Training mit den Jungpontonieren und für sie ist es gerade ideal, da das Wasser langsamer fliesst und sie noch nicht so viel Kraft haben. Wir dagegen hätten am liebsten die gesamte Breite des Rheins. Wir trainieren in einem der schwierigsten Gewässer.

Warum?
Hier ist der Rhein recht rau unterwegs und hinzu kommen die Sandbänke. Zudem ändert sich der Wasserpegel sehr schnell. Wir können innerhalb einer Stunde einen Meter mehr Wasser haben und da wird es schon schwierig. Andere Gewässer sind konstanter. 

Wie trainiert ihr im Winter?
Bis im Herbst rudern und schnüren wir weiter. Den Winter über gehen wir gemeinsam einmal in der Woche ins Fitnesstraining und einmal turnen wir oder gehen schwimmen. Das ist wichtig für die Kondition.

Bei Hochwasser leistet ihr Hilfe.
Wir führen eine Alarmliste, die bei der Polizei hinterlegt ist. Wenn es einen Notfall gibt, wie das Bergen von Ertrunkenen oder wie vor zwei Jahren, als ein Auto in den Rhein gefahren ist, dann werden wir mit dem Boot aufgeboten. Von Buchs bis Oberriet sind wir die Einzigen, die schnell am Rhein sind und die Boote griffbereit haben. Historisch entstand der Verein in Buchs daraus, dass aufgrund des Hochwassers in Liechtenstein 1927 dieser gegründet wurde. Damals brach der Damm und das gesamten Unterland wurde überschwemmt. Da kamen Pontoniere aus der gesamten Schweiz zu Hilfe. Folglich fassten ein paar Buchser den Entschluss, künftig für solche Notfälle gerüstet zu sein und gründeten 1930 den Pontonierfahrverein Buchs.

In vielen Vereinen ist die Jugendförderung ein grosses Thema, da sie mit Nachwuchs zu kämpfen haben. Wie sieht es bei den Pontonieren aus?
Auch für uns ist es eine Herausforderung. Erst ab acht Jahren kann man bei den Pontonieren anfangen, da es körperlich anspruchsvoll ist und man eine entsprechende Körpergrösse für die Ruder benötigt. Viele Kinder sind in diesem Alter bereits in einem Verein aktiv. Mit 16 Jahren orientieren sich einige auch in eine andere Richtung. Mit aktuell 15 Junioren sind wir gut aufgestellt. 
Die trainieren auch auf dem Rhein?
Zuerst gehen sie zum Üben auf den Kiessämmler (ein Wasserwerk) beim Feuerwehrdepot Buchs. Sobald sie es im Griff haben, gehen wir mit ihnen auf den Rhein – abhängig vom Wasserstand. So wie dieser derzeit ist oder im Herbst kann man mit allen auf dem Rhein rudern. 

In einem Verein basiert vieles auf Freiwilligkeit. Funktioniert das noch?
Da kann ich fast mit ein bisschen Stolz sagen, dass die Mitglieder dabei sind und fleissig arbeiten. Da gibt es nichts daran zu rütteln. Wir brauchen Leute, die mitmachen. Wir haben mit dem Pontonierfest und dem Stand mit Festwirtschaft am Buchserfest vergleichsweise viele Anlässe und sind auf Helfer angewiesen. An diesen Anlässen ist der gesamte Verein von Beginn bis Ende auf den Beinen. Es sind auch wichtige finanzielle Einnahmequellen für uns. 

Mit dem Stand am Buchserfest gibt es danach mehr Neuzugänge?  
Die Anlässe dienen eher dazu, den Kontakt mit den Leuten zu pflegen. Das jährliche Probetraining ist dafür effektiver. Für diesen Anlass schreiben wir jeweils alle Jahrgänger an.

Was begeistert die Kinder am Pontoniersport?
Die Vielseitigkeit und dass es eine spezielle Sportart ist. Die Junioren können sich von Anfang an in verschiedenen Disziplinen schweizweit mit Gleichaltrigen messen. Dies einzeln und in Teams beim Schnüren und Rudern. Zudem ist es die gute Kameradschaft, die für uns von klein auf sehr wichtig ist. Wir pflegen diese während der Trainings und des alljährlichen Pfingstlagers.

Der Rhein ist für viele ein Naherholungsgebiet. Kommt man sich da in die Quere?
Nein, ganz im Gegenteil. Die meisten Begegnungen sind positiv. 
Dadurch, dass wir im Rhein bis Anfang Juli abends intensiv trainieren, kommen wir kaum jemandem in die Quere. Die anderen Sportler schauen interessiert zu und manchmal ergibt sich auch ein Schwatz. Auf dem Kanal nehmen wir mit den Schlauchbooten jeweils Rücksicht auf die anderen Leute. (ms)

18. Aug 2018 / 00:00
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