Fitnessstudio oder Sportverein

Von Daniel Bargetze

Die grössten Breitensportverbände verlieren Mitglieder. In Liechtenstein haben Fussballverband, Skiverband, Tennisverband sowie Turn- und Leicht­athletikverband seit 2010 mehr als 1000 Mitglieder verloren, das entspricht einem Minus von 13 Prozent. Und das, obschon die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 4% zunahm. Auch der Kanton St. Gallen stellte in einer Studie fest, dass Mitgliedschaften in Sportvereinen seit Jahren rückläufig sind. In der Stadt St. Gallen ist der 

Fitness

Anteil an Fitnesscentermitgliedern (24%) seit 2014 höher als der Anteil an Vereins­mitgliedern (22%). 

Fragt man Vereinssportler, bestätigen sie den Trend: Viele Jugendliche zieht es eher ins Fitnesstudio. Selbstoptimierung für den Post auf Instagram und den gelungenen Auftritt im Freibad ist zunehmend wichtiger als das Vereinsleben. Im Studio zahlt man seinen monatlichen Beitrag, hat sein individuelles Programm und muss beim slowUp nicht hinter dem Grill stehen und Cervelats braten. 

Der Fitnessbranche sei der Erfolg gegönnt. Sie schafft das Angebot für die Nachfrage, die aus dem individualisierten Zeitgeist entsteht. Jeder will seine eigene Ich-AG sein, das ist im Sport nicht anders. 

Die Sportvereine haben sich nicht viel vorzuwerfen. Sie machen seit Jahren intensive Nachwuchsarbeit und bieten ideale Rahmenbedingungen. Aber das Angebot an Sportvereinen hat enorm zugenommen. Zudem gibt es eine Reihe an nicht organisierten, informellen sportlichen Aktivitäten wie beispielsweise Lauftreffs. Doch kein Grund zur Panik: Die erste Fitnesswelle in den 1980er-Jahren haben die Sportvereine schliesslich auch gut überstanden. 

Also alles kein Problem? Kommt drauf an. Denn mit einer Vereinsmitgliedschaft geht ein ehrenamtliches Engagement einher. Fehlt das, fehlt was. Vereine sind auch gesellschaftlicher Kitt: Hier trifft der Lehrling auf den Abteilungsleiter, der Handwerker auf den Banker, der Gemeinderat auf den Bürger aus dem Weiler. Im Fitnessstudio muss man nicht mal mit jemandem reden: Kopfhörer auf, Musik an, Umwelt aus. 

Hier liegt vielleicht die Stärke des Vereins: Geht man nicht ins Studio, passiert – nichts. Ausser, dass man wieder mal seinen Vorsätzen nicht gerecht wird. Lässt man hingegen das Vereinstraining aus, hört man von den Vereinskollegen: «He, wo warst du am Montag?» Beim Sport ein willkommener Druck, um in die Gänge zu kommen. 

12. Mai 2018 / 22:31
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