• overhead view of builder in protective helmet using smartphone with blank screen at construction site
    Durch eine App sollen auch kleine Firmen den Sprung ins digitale Zeitalter schaffen.  (iStock)

Balzner entwickeln digitalen Helfer für den Bau

Fabio Wolfinger und Carolina Heeb aus Balzers wollen Firmen in der Bauindustrie den Weg in die Digitalisierung ebnen. Die Balzner haben die App «Holdeed» für die digitale Zeiterfassung entwickelt. Handwerker können darüber auch ihre Kundenaufträge erfassen.
Start-up. 

Fabio Wolfinger hat über zehn Jahre lang als Heizungsinstallateur gearbeitet. Er kennt die Abläufe auf Baustellen und weiss, wie sich Baufirmen organisieren. Beim Stundenzettel herrscht vielerorts Chaos. «Vieles läuft in der Baubranche noch von Hand, Dinge werden per WhatsApp dokumentiert oder gar nicht». Wolfinger will an dieser Schraube drehen und kleineren Unternehmen helfen, den Sprung in das digitale Zeitalter zu schaffen. Die Idee war geboren, eine App für die Bauindustrie zu entwickeln. «Mein Ziel war es, eine Arbeitsplattform für Auftrags- und Zeitmanagement, Dokumentation und Arbeitsrapporte zu schaffen, mit der alle klarkommen», erzählt Wolfinger.

Um daraus ein Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen, das nicht nur laufen, sondern als Start-up auch fliegen lernt, waren zunächst Geldgeber gefragt. Während eines Pitches in London stellte Wolfinger seine Idee im Jahr 2016 einigen Investoren vor. Als Geldgeber konnte er eine Schweizer Softwarefirma überzeugen, die in die IT und die Entwicklung der App investierte. Auch wenn die IT-Welt für Fabio Wolfinger seit seiner Kindheit eines seiner grössten Hobbys war, suchte er doch ein erfahrenes Projektteam. Fast drei Jahre lang dauerte die Entwicklung. «Mit dem ersten Output war ich nicht ganz zufrieden und ich entschied Mitte 2018, ohne das Schweizer Unternehmen weiterzumachen».

Entwickler aus Indien
Inzwischen habe er ein kleines, fixes Team von 6 Leuten aufgebaut, zu Spitzenzeiten haben bis zu 15 Entwickler am Projekt mitgearbeitet. Weil es schwierig ist erfahrene Profis in der Region zu finden und diese als Start-up überhaupt bezahlen zu können, arbeitet Wolfinger vorerst mit Entwicklern aus Indien zusammen. Zurzeit sind in der indischen IT-Industrie, Weltmarktführer beim Outsourcing von Datenmanagement und Softwarepflege, 2,2 Millionen Menschen beschäftigt.

Mit seinen Entwicklern verspricht Wolfinger neue Strukturen für die Bauwirtschaft. Während andere Branchen sich die Vorteile der Digitalisierung schon längst zu eigen gemacht haben, dürften viele Baufirmen eher voller Bewunderung auf andere Bereiche blicken. In der Autoindustrie zum Beispiel, in der die Hersteller die Fabrikation der Fahrzeuge eng getaktet haben und viele Schritte bis hin zu den Zulieferern digitalisiert sind. Von diesem Grad der Effizienz ist der Bausektor noch weit entfernt, solange die Unternehmen vor allem mit Datenblättern und Plänen auf Papier hantieren. Während die grossen Unternehmen noch schneller mit Themen der Digitalisierung wie zum Beispiel dem sogenannten Building Information Modeling (BIM) in Berührung kommen, stehen kleinere Unternehmen und KMU oft noch ganz am Anfang. In ihren Büros stapeln sich Ordner voller Papier bis unter die Decke.

Während die Mitarbeiter eine App nutzen können, um etwa ihre Arbeitsstunden zu erfassen oder Aufträge einzusehen, kann der Arbeitgeber im Büro alles live auswerten. Er kann das Abwesenheitsmanagement auf diese Weise regeln, Aufträge erfassen und Projekte dokumentieren. Dahinter steckt eine cloud-basierte Software. Sowohl auf der webbasierten Plattform als auch auf der App sind alle Daten gespeichert und abrufbar. Für Wolfinger bilden die Daten die ideale Basis für weitere Verwaltungsschritte im Hintergrund – zum Beispiel, wenn es darum geht, die Aufträge den Kunden in Rechnung zu stellen. Für die Arbeiter an den Baustellen entfällt das Nachtragen der Stunden zu Hause oder sie brauchen kein Fahrtenbuch mehr führen. Wolfinger habe schon rund ein Dutzend Kunden in Liechtenstein und der Schweiz von seiner Plattform überzeugen können.

Es gibt bereits Konkurrenten
Klar, seien es nicht die grossen Konzerne, sondern vor allem die kleinen Baufirmen. «Künftig wollen wir auch andere Branchen erobern», sagt er. Zwar gebe es Konkurrenz von Firmen, die durch ihre Bausoftware Tools zur Analyse und Recherche im Modulsystem bieten. «Das können sich die kleinen Unternehmen in der Baubranche oft gar nicht leisten», sagt Wolfinger. So beschreibt der Gründer den Erfolg, den er sich in dieser Nische erhofft. Lizenzen kosten in manchen Fällen bis zu 8000 Franken jährlich. Seine Software liege bei durchschnittlich 50 Franken monatlich. Fabio Wolfinger hat seinen Job als Heizungsinstallateur im Mai 2019 aufgegeben. Zusammen mit seiner Freundin, die für den Vertrieb und das Marketing zuständig ist, will er seine ganze Zeit in die neu gegründete Firma «Applie» investieren.

Viel Mut habe er dafür nicht gebraucht, weil er bereits eine vertiefte Analyse am Markt gemacht hat und dadurch weiss, dass seine App, seine Plattform und der dazugehörende Support einem Bedürfnis entsprechen. Seine Freundin Carolina Heeb ist aktuell Geschäftsführerin und kümmert sich neben dem Vertrieb auch um die Finanzen und das Personal. Noch zahlen sich die beiden – wie bei einem Start-up üblich – keinen Lohn aus. Erst im kommenden Januar wollen die beiden mit ihrer Firma richtig durchstarten. (dal)

07. Dez 2019 / 22:28
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