• Ado Vogt
    Der stellvertretende DU-Abgeordnete Ado Vogt ist überzeugt, dass das Landesspital in Konkurrenz zu Grabs nicht überleben wird. (Bild: pd)  (Roland Korner / Close Up AG)

Spital: «Diesen Kampf kann Vaduz nicht gewinnen»

Das Nein-Komitee zum Neubau des Landesspitals fordert eine regionale Einbindung – und neue Gespräche.

Herr Vogt, Sie betonen immer wieder, dass Sie nicht gegen ein eigenes Landes­spital sind, sich allerdings zum jetzigen Zeitpunkt gegen einen Neubau aussprechen. Sie verweisen dabei auf die St. Galler Spitalstrategie, wonach einige Spitäler geschlossen werden sollen. Warum sollte diese Situation Liechtenstein einen neuen Handlungsspielraum für eine Kooperation mit Grabs eröffnen?
Ado Vogt: Wenn unser Landesspital langfristig gedeihen will, muss es sich regional in die 
Spitallandschaft einbetten und nicht partout das Spital Grabs konkurrenzieren. Diesen Kampf kann Vaduz nicht gewinnen. Das Einzugsgebiet ist schlichtweg zu klein! Nach einigen millionenschweren Investitionen in Um- und Anbauten funktioniert das bestehende Landesspital. Ein Neubau ist also zum jetzigen Zeitpunkt sicher nicht notwendig. Jetzt wäre aber der Zeitpunkt günstig, um in der Umbruchsituation, in der die Gesundheitslandschaft sich befindet, langfristig eine für Liechtenstein vorteilhafte Zusammenarbeit zu verhandeln. Wir fordern ja nichts weiter, als sich noch einmal an einen Tisch zu setzen. Was dabei schlecht sein soll, für Liechtenstein einen guten Deal auszuhandeln, ist unerklärlich. Unsere Verhandlungsstrategie darf keine Konkurrenzstrategie sein, sondern sich am Ziel orientieren, dass unser Landesspital ein regional gut eingebettetes wird und bleibt.

Sie sprechen auch wieder von «persönlichen Animositäten» und davon, dass die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann 2020 bei den kantonalen Wahlen nicht mehr antritt. Sehen Sie die gescheiterten Verhandlungen demnach vor allen in der Person von Hanselmann?
Für persönliche Animositäten braucht es immer mindestens zwei. Verschiedene Äusserungen in der Vergangenheit zeigen, dass die Verantwortlichen hüben und drüben die Auswirkungen der eigenen Strategie falsch eingeschätzt haben. Der Kanton vollzieht ja gegenwärtig eine 180-Grad-Kehre, was seine Strategie betrifft. Offenbar ist man auf dem bisherigen Weg gestolpert. Für die Gesundheitsdirektorin dürfte dies ein Grund sein, nicht mehr anzutreten. Neue Köpfe bedeuten in der Regel neue Chancen. Solche Chancen sollte man dann aber auch nutzen.

Umfrageergebnisse aus dem Jahr 2011 zeigen auf, dass über 90 Prozent der Liechtensteiner eine regionale Einbettung und keine Konkurrenz zu Grabs möchten. Warum sehen Sie einen Neubau als Konkurrenz und nicht als Erweiterung der Wahlfreiheit im Spital­bereich?
Hier ein Beispiel: Als die Geburtenstation in Vaduz aufgrund fehlender Ärzte geschlossen werden musste, war man froh, die Liechtensteinerinnen nach Grabs schicken zu können. Ohne Grabs hätten die Frauen weiter weg gehen müssen. Nun bringt man im Abstimmungskampf das Argument, im Neubau sei eine Geburtenstation durchaus denkbar und auch schon ins Konzept eingeplant. Man will also wieder Geburten zurückholen. Dabei vergisst man, dass sämtliche Experten eine Mindestgrösse von 500 Geburten empfehlen, um langfristig qualitativ erfolgreich zu sein. Realistisch kann man in Vaduz von 200 bis 250 Geburten jährlich ausgehen. Fallzahlen und Mindestgrössen haben eine direkte Auswirkung auf die Qualität. Wenn man für so wenige Geburten einen ganzen Apparat aufbauen muss, der aber nur schlecht ausgelastet ist, sollte man sich auch fragen, ob das für potenzielle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – also Fachärzte, Hebammen, etc. – überhaupt ein attraktiver Arbeitsplatz ist.

Das Spital Grabs ist seit vielen Jahren allerdings Teil einer neuen Trägerschaft, der Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland. Wo sehen Sie hier – ausser einem Sitz im Stiftungsrat – einen Verhandlungsansatz, der zu einem für beide Seiten zufriedenstellenden Ergebnis führen würde? 
Dieses Argument erstaunt mich. Im jetzigen Novemberlandtag schliessen wir eine Trägerschaft mit den Fachhochschulen Ostschweiz. Eine Trägerschaft mit drei Hoch­schu­len. Wir wollen aber vor allem die Fachhochschule Buchs nutzen. Hier haben wir also die gleiche Ausgangslage und sogar eine Trägerschaft verhandelt. Dass dies im Gesundheits­we­sen nicht möglich sein soll, kann nur am fehlenden Willen liegen. Weiters wird die Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland de facto auf Grabs konzentriert. Walenstadt und Altstätten sollen mehr oder weniger zu einer Anlaufstelle für Notfälle reduziert werden, ganze Abteilungen werden nach Grabs verlegt. Deshalb sollen dort noch einmal zu­sätzliche Betten gebaut werden. Grabs wäre dann das zweitgrösste Spital im Kanton St. Gallen, die Trägerschaft mehr oder weniger eine juristische Hülle. Insofern wäre de facto Grabs der Verhandlungspartner.

Vaduz kooperiert seit einigen Jahren nun mit Chur, wodurch sicher­gestellt ist, dass die Liechtensteiner Patienten jederzeit Zugang zu einem Zentrumsspital haben. Wo sehen Sie die Rolle von Chur, sollte sich doch noch eine Lösung in Form einer Kooperation mit Grabs abzeichnen?
Die Kooperation mit Chur ist für uns Patienten sehr positiv. Chur ist ein Zentrumsspital, dieses bietet noch mehr Behandlungen an als etwa Grabs. Insofern spricht überhaupt nichts gegen eine Kooperation mit Chur. Grabs ist von der Grösse her zwischen Vaduz und Chur und würde direkt in der Nachbarschaft ergänzende Behandlungsmethoden bieten. Vergessen wir nicht, dass ein weiteres Spital quasi in Sichtweite ein unglaublicher Glücksfall für unsere Gesundheitsversorgung ist.

Bei einem Nein der Bevöl­kerung zum Neubau des Landesspitals müsste trotzdem Geld in die Hand genommen werden. Dieses müsste nämlich in das bestehende Spital und in ein rund 40-jähriges Gebäude investiert werden. Würden Sie das Geld dort gut investiert sehen?
Wir haben ja in der Vergangenheit investiert, so wurden kritische Bereiche wie der Opera­tionssaal und die Notaufnahme neu gebaut. Mich erstaunt, wie sehr die Ansichten über die Bausubstanz auseinandergehen. Es wird gerne das Beispiel mit dem alten Auto gebracht. Wenn ein altes Auto abbezahlt ist und ich es nicht oft brauche, ist es billiger, dort ab und zu eine Reparatur zu bezahlen, anstatt ein neues teures Auto zu kaufen, welches meinem Zweck nicht entspricht. Tatsache ist, dass wir – unabhängig davon, wie die Abstimmung ausgeht – noch mindestens fünf Jahre mit der bestehenden Infrastruktur leben müssen. Diese schlechtzureden, nur weil man für den Neubau Stimmung machen will, halte ich für nicht sehr klug. 

Eine weitere oft gehörte Aussage von Ihnen: «Der Inhalt ist wichtig, nicht die Verpackung.» Was stimmt denn beim Neubauprojekt konkret mit dem Inhalt nicht?
Alleine die Diskussion über die Geburtenstation zeigt doch, dass hier vieles nicht klar ist. Noch einmal: Wenn wir die historische Chance, noch einmal offen und ehrlich über eine Zusammenarbeit zu reden, auslassen, ändert sich nichts daran, dass wir ein sehr kleines Spital betreiben. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Eigenständigkeit des Landesspitals nur dann langfristig garantieren können, wenn wir eng kooperieren. Der Trend zur Konzentration geht unablässig weiter, selbst in einer Studie der Regierung steht ja drin, dass der Regulator zunehmend Vorgaben bezüglich Qualität und Volumen macht. Dies geschieht über Mindestfallzahlen pro Arzt oder pro Spital.

Und was halten Sie vom Vorschlag von FL-Co-Präsident Pepo Frick, ein Spital für die Altersmedizin zu errichten, statt eine Akut- und Grundversorgung anzubieten?
Diese Diskussion hätte man vorher führen können und müssen. Diese Aussage bestätigt ja genau meine Kritik: Man baut zuerst, und studiert dann, was bei uns der Bedarf ist.

Wenn die Bevölkerung am 24. November Ja zum Neubau sagt – wie wird sich das Ihrer Meinung nach auswirken? Welche Befürchtungen hegen Sie?
Grundsätzlich haben wir dann einen Spitalneubau, ohne aber die inhaltlichen und regulatorischen Hausaufgaben gemacht zu haben. Wir werden dann einen teuren Neubau mit der Hälfte der Fallzahlen eines vergleichbaren Regionalspitals mit gleichem Einzugsgebiet in der Schweiz haben. Die Diskussion um die Stellung des Landesspitals im Verhältnis zu den ambulanten Grundversorgern im Inland haben wir nicht geklärt, anstatt zu kooperieren, werden wir eine Konkurrenzstrategie fahren. In dem Moment, wo der Neubau steht, haben wir die Kosten hingestellt, somit geben wir sämtliche Verhandlungstrümpfe aus der Hand, was ich persönlich schade finde.

Und wie soll es bei einem Nein der Bevölkerung weitergehen?
Ein Nein wäre ein klares Signal an die Politik und die Ärzte, die erwähnten Punkte zu klären. Es braucht einen klaren Fahrplan zu Gesprächen mit St. Gallen, aber auch im Inland müssen die Hausaufgaben gemacht werden. Etwa scheint mir die Abstimmung bei Notfällen ein Problem zu sein. Mit der aktuellen Situation konkurrenziert das Spital die Hausärzte. Das kann es nicht sein. Auch die Ausrichtung auf etwa Altersmedizin muss kritisch diskutiert werden. Unter dem Strich: Es spricht zu viel dagegen – deshalb kommt für mich nur ein Nein in Frage. (dv)

*Das Interview wurde schriftlich geführt.

 

08. Nov 2019 / 16:17
Geteilt: x
2 KOMMENTARE
mannometer-kann deinen Kommentar nicht nachvollziehen!
Grabs ist ein super Spital mit vielen Spezialisten-finde solche erst Mal für ein Spital in Vaduz-das auch im Nirgendwo stehen wird.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 09.11.2019 Antworten Melden
Ado Vogt träumen Sie weiter von Grabs aber...
Lieber gleich nach Chur und oder nach Zürich gehen wenn es sein muss. Ich brauche Grabs nicht dort können sie nicht mal Elektroschocks bei Herzrhythmus Störungen setzen ohne die Brustmuskeln zu verbrennen. Zum Sterben geht man nach Grabs sagte schon meine Mutter. Recht hat sie. Schon die Lage ist irrwitzig zufällig irgendwo im Nirvana zwischen Buchs und Gams. Eher zufällig. Ah ja war früher ja auch mal "nur" ein Bürgerheim mit Spital und ist gewachsen und mit Subventionen am Leben erhalten worden. Walenstadt und Altstätten kann man als Spital Standorte noch nachvollziehen. Grabs wird nie mehr als ein etwas grösseres Vaduzer Spital. Da kann man künstlich Geld reinpumpen wie man will. Vaduz hat die Berechtigung als Landesspital und vorallem als Notfall Anlaufstation eine sogenannte Basic Health Unit
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 08.11.2019 Antworten Melden

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