• Meet the President, Vaduz
    Friedrich Merz zieht es zurück aufs politische Parkett.  (Tatjana Schnalzger)

Friedrich Merz meldet sich zurück

Der deutsche Politiker Friedrich Merz war gestern in Vaduz. Er sprach über drastische Veränderungen und seine politischen Ambitionen.
Vaduz. 

Friedrich Merz wäre im ver­gangenen Jahr fast CDU-Chef geworden. Nur wenige Stimmen fehlten dem deutschen ­Politiker. Eigentlich könnte er sich jetzt auf seine Position als Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock konzentrieren – einem der grössten Vermögensverwalter der Welt. Stattdessen kündigte er gestern als Referent beim Businesslunch «Meet the President» in Vaduz an: «Ich komme in die Politik zurück.» Es mache ihn nervös, dass die Union so viele Wähler verliere. Und er will auch für den Fall parat sein, dass ihn seine Enkel eines Tages fragen sollten, was er damals eigentlich gerade gemacht hat, als er die Chance hatte, etwas zu verändern. Auf diese Frage will er eben nicht antworten müssen: «Ich habe mein Handicap verbessert». Merz ist einer, der als rhetorisch brillant gilt, der seine Anhänger und Gegner gleichermassen polarisiert.

Der nächste Bundeskanzler?
Womöglich war gestern ein Mann in Vaduz, der nicht nur grosse Reden schwingt, sondern bald wieder eine grössere politische Rolle in Deutschland spielen dürfte. Unter denk­baren CDU-Kanzlerkandidaten hätte Friedrich Merz nach einer Umfrage bei den Bürgern in Deutschland grössere Chancen als die derzeitige Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer.

Und so kommt Merz zurück auf das politische Parkett. Er gibt Interviews und hält Reden. Er unterstützt die CDU im Wahlkampf. Seit Juni 2019 ist er Vizepräsident des Wirtschaftsrates der CDU. Dass er sich einen Ministerposten zutraut und auch eine Kanzlerkandidatur nicht ausschliesst, das hat er bereits durchblicken lassen. Denn innerhalb der CDU scheint der Kitt langsam zu bröckeln und die Nervosität angesichts der schlechten Umfragewerte zu steigen. In einer ZDF-Wahl­umfrage fallen SPD und Union weiter zurück. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die AfD der Umfrage zufolge auf 14 Prozent der Stimmen. Die SPD würde auf 13 Prozent abrutschen, wäh­rend die CDU und die Grünen jeweils 27 Prozent erreichen würden. Damit hätte derzeit eine schwarz-grüne Koalition als einziges Bündnis zweier Parteien eine klare Mehrheit in Deutschland. «Die Union und die SPD hätten nicht mehr die politische Mehrheit» musste sich gestern auch Friedrich Merz in Vaduz eingestehen. Das wäre das Ende der Groko. Diese strukturelle Veränderung des Wahlverhaltens hat Kon­sequenzen. Die Auszehrung der politischen Mitte stehe bevor. Das zeige sich laut Merz auch an den Prognosen für die Wahlen im Bundesland Thüringen. Die Linke hat die Chance, stärkste Kraft zu werden – gefolgt von der AfD, die sich seit der letzten Thüringen-Wahl wohl deutlich steigert. «Der Populismus frisst sich in die Parteien», ergänzt Merz. Doch es gebe auch Beispiele dafür, dass sich Populisten besiegen lassen: Kurz habe es in Österreich vorgemacht, genauso wie Macron in Frankreich. Das sei aber nur möglich, wenn man den politischen Meinungsstreit wieder in die Mitte zurückhole. Dass er die Union und die Grünen als gutes Gespann für die Zukunft betrachtet, auch um Ökonomie und Ökologie auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, überrascht angesichts der Umfragewerte nicht.

Fundamentale Veränderungen
«Wir sind an einem Punkt, wo sich die Welt fundamental verändert», wagt Merz auch einen Blick ausserhalb Deutschlands und spricht über Brexit, Trump und China. Zwei Drittel der Wirtschaftsleistung werde heute ausserhalb der G7-Staaten erwirtschaftet. Daher stellt sich für ihn nicht die Frage, welche Nationen die beherrschenden sein werden – sondern nur, ob neben China und USA auch Europa eine Rolle spielen kann.

Es klang zudem nach unsicheren Zeiten, die bevorstehen. Zeiten, in denen autoritäre Regime und strukturelle Probleme zunehmen. «In zehn Jahren ist es nicht sicher, ob es den Euro noch gibt.» Denn die EU habe nur die Krisensymptome im Griff, die Voraussetzungen für eine Währungsunion gebe es nicht. All diese fundamentalen Herausforderungen will Friedrich Merz offensichtlich nicht von der Seitenlinie aus verfolgen. Wenn Kramp-Karrenbauer scheitert, dann steht er bereit. (dal)

Fotostrecke: Meet the President in Vaduz
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01. Okt 2019 / 22:31
Geteilt: x
1 KOMMENTAR
In zehn Jahren ist es nicht sicher, ob es den Euro noch gibt
Es ist zu hoffen, dass es in zehn Jahren auch die CDU nicht mehr gibt....leider wird der durch beide angerichtete Schaden erhalten bleiben
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet 02.10.2019 Antworten Melden

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