• Vinzenz Schafhauser in Planken
    Mit Trompete und Eufonium: Vinzenz Schafhauser.  (Daniel Schwendener)

Ein Plankner Exot unter jungen Musikanten

Mit elf Jahren spielt Vinzenz Schafhauser aus Planken Trompete. Nicht nur das: Auch das Eufonium hat es ihm angetan.
Planken. 


«Als ich noch ganz klein war, wusste ich schon, dass ich Tuba spielen möchte», sagt Vinzenz Schafhauser. Mama Katharina, die ihrem elfjährigen Sohn im idyllischen Garten zu Hause an der Kasernastrasse in Planken gegenübersitzt, nickt. Noch gut kann sie sich erinnern, wie sie das Bild vor ihrem inneren Auge hatte: Ihr kleiner Junge mit einer grossen Tuba in den Händen. Woher sein Faible für gerade dieses Blechblasinstrument kommt, weiss Vinzenz nicht. Ebenso wenig wie seine Mutter. Als Vinzenz dreieinhalb Jahre alt war, haben sie die Eltern-Kind-Musik besucht. Ein Angebot, bei dem Eltern mit ihren Kindern musizieren, sprich gemeinsam beispielsweise auf verschiedensten Instrumenten Takte klopfen, ihren Klängen lauschen und einfach Kinderlieder singen. Danach hat Vinzenz das «Musizieren für Kinder» besucht. «Ich glaube, das hat ihn gewissermassen geprägt», sagt Katharina Schafhauser, während sie sich selbst als «unmusikalisch» bezeichnet.

Das Flötenspielen liess Vinzenz aus und stieg mit sieben Jahren gleich mit der Trompete ein, die Vorstufe zur Tuba. «Ich hole sie», sagt Vinzenz, bevor er auch schon im Haus verschwindet und nur noch das schnelle Stapfen seiner Füsse die Treppe hoch zu seinem Zimmer zu hören ist. Nur ei-nen Augenblick später steht Vinzenz wieder im Garten – in den Händen seine Trompete. «Ich habe sie vor drei Jahren zu meinem Geburtstag bekommen», erzählt er. Seine erste eigene Trompete, nachdem er ein knappes Jahr lang auf einem Leihinstrument des Musikhauses Länzlinger spielte.  Schliesslich setzt Vinzenz die Trompete an und spielt die Tonleiter rauf und runter. «Man muss vor allem beim Einatmen locker bleiben, damit sich der Hals nicht verkrampft», erklärt er. Dies sei ihm schon einmal passiert – «ein sehr unangenehmes Gefühl», sagt er. Zudem komme es auf die Atmung an und auf die Öffnung des Mundes. «Je mehr ich die Lippen zusammenpresse, desto höher wird der Ton.»

Vor zwei Jahren ist ein weiteres Instrument hinzugekommen: Das Eufonium. Es sieht ganz ähnlich aus wie eine Tuba und ist – wie Vinzenz sagt – einfacher zu spielen als die Trompete. «Denn das kleine Mundstück der Trompete erfordert eine saubere Technik», erklärt der Elfjährige. Deshalb sei die Trompete die perfekte Grundlage für die Tuba. Denn nach wie vor hält er fest: «Sobald ich so weit bin, vielleicht in vier, fünf Jahren, möchte ich auf der Tuba spielen.» Vinzenz übt täglich – ausser an den Wochenenden und in den Ferien ein bisschen weniger. Einmal die Woche unterrichtet ihn sein Trompetenlehrer Kurt Rothenberger an der Musikschule. Und zweimal die Woche musiziert der Gymnasialschüler mit der Jugendharmonie Eschen. Dort ist er quasi der Exot unter den jungen Musikanten – Vinzenz ist der einzige, der auf einem Eufonium spielt. Deshalb bekomme er auch hin und wieder Soli bei Konzerten, sagt er bescheiden. Dass es auch an seinem Talent liegen könnte, was auch sein Trompetenlehrer immer wieder bestätigt, wagt er nicht zu sagen. Sein letztes Solo spielte er in «Despacito». In seiner schwarzen Mappe eingeheftet, zeigt er die entsprechenden Noten dazu. Er blättert weiter in seiner Mappe und erzählt, dass er mit der Jugendharmonie oftmals Märsche spielt, Messfeiern, aber auch Lieder von den «Fäschtbänklern», aus «Pirates of the Carribbean» oder aus James-Bond-Filmen. «Ich spiele alles gerne», sagt er, ausgesprochene Lieblingsstücke habe er keine.

Der coronabedingte Probenstopp bei der Jugendharmonie setzte Vinzenz zu. «Die zwei Proben in der Woche haben höchste Priorität», sagt seine Mutter. «Klar kann ich auch zu Hause alleine spielen, in einer Gruppe macht es aber viel mehr Spass», ergänzt der Elfjährige. Auch würde er in der Schule gerne mehr musizieren – «wir haben zum Beispiel vier Stunden Sport die Woche und drei Stunden Textiles und Technisches Gestalten, aber nur eine Stunde Musik», sagt er.

Dass das Trompetespielen zu einer seiner grossen Leidenschaft geworden ist, zeigt alleine sein Funkeln in den Augen, wenn er darüber spricht. Er ist sich aber sicher, dass die Musik ein Hobby bleiben soll – «denn ich möchte Anwalt werden», sagt er. Seine Mutter lacht – «ja, Vinzenz weiss sehr gut, wie mit Worten umzugehen ist, und hat auch gerne mal das letzte Wort», sagt sie, und Vinzenz schmunzelt: «Das stimmt.»
Bis die Musikschule und die Proben Mitte August endlich wieder in gewohntem Rahmen losgehen, geniesst Vinzenz noch die Sommerferien. Erst gehe es gemeinsam mit seinen Eltern, seiner Schwester und seinem Bruder nach Berlin, danach noch ein paar Tage ins Tessin. «Ich bin aber auch sehr gerne in Planken», sagt er. «Hier hat es nicht so viele Autos, viele Wiesen zum Spielen und einen coolen Jugendtreff.» So schnell wird es Vinzenz nicht langweilig. Und das ist auch gut so, denn so vergeht die Zeit gleich viel schneller, bis er wieder mit seinen «Gschpänle» aus der Jugendharmonie musizieren kann. (bfs)

15. Jul 2020 / 20:49
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