• Aline Theiler mit der toten Gans an der traditionellen Gansabhauet in Sursee: Sie ist die erste Frau, der es gelungen ist, mit einem Schlag der aufgehängten Gans den Kopf vom Rumpf zu trennen.
    Aline Theiler mit der toten Gans an der traditionellen Gansabhauet in Sursee: Sie ist die erste Frau, der es gelungen ist, mit einem Schlag der aufgehängten Gans den Kopf vom Rumpf zu trennen.  (KEYSTONE/ALEXANDRA WEY)

Gansabhauet in Sursee

An der traditionellen Gansabhauet in Sursee ist am Montag erstmals eine Frau erfolgreich gewesen: Aline Theiler aus Pfeffikon LU holte sich die Trophäe.
Sursee LU. 

Theiler war die fünfte Person, die mit dem stumpfen Säbel zum Schlag ausholte, um der toten Gans den Hals durchzutrennen. Das Publikum habe mit grosser Begeisterung und langem Jubel auf den erfolgreichen Schlag der 1991 geborenen Frau reagiert, sagte Stadtarchivar Michael Blatter, Präsident der Kommission Gansabhauet, auf Anfrage.

Bei der zweiten Gans war bereits der zweite Schläger erfolgreich. Es handelt sich um Giovanni Valetti aus Sursee. Theiler und Valetti werden mit einem Festmahl belohnt. Natürlich dürfen sie die Gänse mit nach Hause nehmen.

Insgesamt hatten sich für die Gansabhauet 92 Männer und fünf Frauen als Schläger respektive Schlägerin angemeldet. Der Jüngste hatte Jahrgang 2003, der Älteste Jahrgang 1936.

Bei der Gansabhauet geht es darum, mit einem einzigen Säbelhieb den Hals einer leblosen, am Hinterkopf aufgehängten Gans zu durchtrennen. Dies ist nicht so einfach, denn die in einen roten Umhang gekleideten Wettstreiterinnen und Wettstreiter sehen hinter ihrer Sonnenmaske nichts. Zudem ist ihr Dragonersäbel stumpf.

Die Reihenfolge der Schlägerinnen und Schläger für die zwei Gänse wird durch das Los bestimmt. Bis die zwei Vögel geköpft sind, braucht es in der Regel zwischen fünf und 20 Hiebe.

Mutmassungen und Legenden

Die Ursprünge der Gansabhauet liegen im Dunkeln. Dass der Anlass auf die mittelalterlichen Zehntenabgaben zurück gehen könnte, ist eine mögliche Erklärung. Sicher ist einzig, dass am Martinstag Bräuche um das wertvolle Federvieh früher in ganz Europa verbreitet waren.

Der 11. November ist dem Heiligen Martin von Tours gewidmet, einem Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Gemäss einer Legende wollte der bescheidene und asketische Martin von Tours verhindern, dass er zum Bischof geweiht werde, und versteckte sich in einem Gänsestall, wurde aber von den schnatternden Tieren verraten. Martin von Tours lebte im vierten Jahrhundert.

Das Martinifest beschränkt sich in Sursee nicht auf die Gansabhauet. In den Pausen zwischen den Schlägen können Kinder beim "Stangechlädere" Geschenke ergattern oder beim "Chäszänne" mit einer verrückten Grimasse ein Stück Käse verdienen. Auch ein "Räbeliechtli"-Umzug fehlt nicht. (sda)

11. Nov 2019 / 16:44
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