• Frauen-Brockenstube, Vaduz
    Die Damen von der Brocken-Stube. FOTO©RIGHT: TATJANA SCHNALZGER  (Tatjana Schnalzger)

"Wir sind alle mit Freude dabei"

Insgesamt 33 Frauen engagieren sich ehrenamtlich bei der Brockenstube Vaduz. Eine Win-win-win-Institution mit Nachhaltigkeitscharakter.
Vaduz. 

Luftig-leicht präsentieren sich die frisch gestrichenen Räumlichkeiten der Brockenstube Vaduz. Während vieler «Extrastunden» wurde «ausgemistet», übersichtlicher geordnet, neu arrangiert. Wie reagiert die Kundschaft?
Meris Ospelt: Wir bekommen von den Leuten, die uns Waren bringen, wie auch von den Kunden viele positive Rückmeldungen und hätten nicht gedacht, dass der  «frische Wind» in den Räumen – obwohl es ja keine riesigen Veränderungen sind –, ein solches Echo auslöst. Natürlich freuen wir uns sehr darüber!

Schnäppchenjäger, Sammler stilvoller alter Dinge und alle, die gut erhaltene Secondhand-Ware zu schätzen wissen, gehören zur Brockenstube-Kundschaft. Hat sich diese im Laufe der Jahre verändert? 
Inge Oehri: Ja, bestimmt. Früher kamen viele Gastarbeiter, um bei uns günstig den Haushalts-Grundstock zu besorgen. Natürlich haben wir auch heute noch ausländische Kundschaft oder auch mal junge Leute, die auf der Suche nach speziellen Kleidungsstücken sind. Ein Wandel ist gerade auch im Geschirr-Bereich zu bemerken. Die ältere Kundschaft von früher hat noch Wert darauf gelegt, schönes, hochwertiges Geschirr zu kaufen. Diese Generation ist heute jedoch mit allem eingedeckt und die Jungen wollen Geschirr, dass sie in den Geschirrspüler geben können. Dazu kommt, dass man heute für ein paar Franken bereits Neuwertiges bekommt – eine Zeiterscheinung. Spürbar ist auch, dass die Händler nicht mehr kommen. Früher hatten wir sehr viele, die aus der näheren und weiteren Umgebung kamen und sich gegenseitig um die Ware rissen, wenn eine neue Ladung bei uns eintraf. Sie verkauften die Sachen dann an Flohmärkten weiter. Diese Zeiten sind jedoch vorbei, der Markt ist anscheinend ausgetrocknet, es läuft nicht mehr so gut wie früher.

Ilse Ospelt: Bei den Möbeln gehen schöne alte Einzelstücke, welche die junge Generation heute mit moderner Einrichtung kombiniert, gut weg. Gefragt sind allgemein eher hellere Möbel, die dunkleren werden zum Beispiel von Kunden aus Portugal oder Händlern aus Polen gekauft – je nach Stil, der in ihrer Kultur vorherrscht. Es kommt auch schon mal vor, dass drei Personen gleichzeitig ein besonders schönes Stück ins Auge gefasst haben. Den Zuschlag bekommt dann der Interessent, der zuerst da war ...

Gisela Kaiser: Was lustig und auch ein gutes Zeichen ist: Wenn wir eine Zeit lang geschlossen hatten, haben die Leute sozusagen «Entzugserscheinungen» (alle lachen und bestätigen ihren Eindruck) und kommen am Anfang dann vermehrt. Ansonsten läuft das Geschäft über das Jahr verteilt in etwa gleich. 

Meris Ospelt: Wir haben auch unsere Stammkunden, die praktisch jede Woche vorbeischauen.

Gut Erhaltenes landet nicht auf dem Müll, sondern in den Zimmern und Regalen der Brockenstube, Käufer finden sich ein und mit dem Verkaufserlös wird Gutes getan. Eine Win-win-win-Situation.
Inge Oehri: Ja, es profitieren tatsächlich drei Seiten und die Institution Brockenstube, die es nunmehr seit 42 Jahren gibt, kann durchaus als nachhaltig bezeichnet werden. Wir freuen uns jedes Jahr, den Verkaufserlös – abzüglich der internen Ausgaben wie z. B. die Hilfsfahrer – an bedürftige Einzelpersonen, Familien oder caritative Organisationen weiterzugeben. 

Inge Oehri/Ilse Ospelt: Wir haben zum Beispiel Personen aus Liechtenstein, die schon viele Jahre jeweils auf Weihnachten hin einen entsprechenden Betrag erhalten. Diese Empfänger bleiben natürlich anonym. Auch sind es Institutionen und konkrete Projekte im In- und Ausland, die unterstützt werden. Wenn Anfragen kommen – diese müssen schriftlich erfolgen –, schauen wir sie gemeinsam an und besprechen uns im Gremium. Auch wird je nachdem auch Unterstützung in Form von Waren geleistet.

Bestimmt erlebt ihr bei eurer Arbeit so einiges und sie ist sozusagen auch eine kostenlose Lebensschule. Wird auch gestohlen?
Gisela Kaiser: Ja, es wird immer wieder gestohlen. Hauptsächlich draussen bei der Einfahrt. Seit wir die Sicherung durch die Kette haben, ist es besser geworden. Manchmal werden wir glücklicherweise auch durch aufmerksame Kunden darauf ingewiesen, dass z. B. im unteren Stock wohl gerade ein Diebstahl vonstatten geht. Aber zum Glück erleben wir viel mehr Positives!

Meris Ospelt: Eine Dreistigkeit, die auch immer wieder vorkommt: Die Preiskleber werden von den Kleidern, Möbeln etc. entfernt. Gewisse «Käufer» – oft sind es immer dieselben – wollen so einfach selber den Preis machen bzw. uns übers Ohr hauen. Aber meist kommen wir ihnen auf die Schliche.

Nicht nur die Stammkundschaft weiss, dass es sich lohnt, immer mal wieder bei euch reinzuschauen. Im Vergleich zu Brockenhäusern in der Schweiz ist Vaduz eher günstig. 
Gisela Kaiser: Ja, die Kundschaft bemerkt oft, dass wir vergleichsweise günstiger sind. Auch unser Halbpreis-Aktion jeweils vor den Ferien – sämtliche Ware wird zum halben Preis abgegeben – ist sehr beliebt. Wir verkaufen dann immer sehr gut und haben anschliessend wieder Platz für Neues. Die Aktionen werden neu auch auf der Anzeigentafel der Gemeinde angekündigt.

Die Frauen der Brockenstube stehen unentgeltlich im Einsatz. Wie viele sind es insgesamt und wie sieht die interne Organisation aus? Kommet ihr euch untereinander auch mal ins Gehege?
Gisela Kaiser: Wir arbeiten immer, donnerstag wie samstags, zu Acht – verteilt auf die einzelnen Räume bzw. Stockwerke. Ingesamt sind wir 33 Frauen. 

Meris Ospelt: Gemeinsam erstellen wir jeweils den Einsatzplan für ein halbes Jahr und natürlich springen wir auch untereinander ein, wenn jemand mal verhindert ist.

Gisela Kaiser: Das «K» im Plan steht für «Kuchen» – diejenige ist dann jeweils für den süssen Zvieri zuständig. (lacht)
Inge Oehri: (Anm. d. Redaktion: Sie ist die «Dienstälteste») Natürlich kann es das – wie überall – auch mal geben, dass wir untereinander nicht gleicher Meinung sind. Aber dann redet man halt miteinander und klärt die Sache.

Wird das Brockenhaus auch schon mal mit einer Entsorgungsstelle verwechselt? Wie reagieren die «Spender», wenn der Stempel «Annahme verweigert» gezückt wird?
Inge Oehri: Was man annehmen soll und was nicht, ist immer wieder ein Thema, welches auch unter uns verschieden gehandhabt bzw. angesehen wird. Ich bin vom «alten Schlag», nehme möglichst alles an, was noch in Ordnung ist. Sonst heisst es halt gern: «Ja die nehmen ja nichts mehr.» Das haben wir öfters erlebt. Man kennt ja mittlerweile die Leute, die uns gute Sachen bringen – oder eben die anderen.

Meris Ospelt: Ich bin da eher direkt. Wenn wir von etwas zu viel haben,
z. B. Fotoalben oder Plastiktupperware, was heutzutage praktisch nicht mehr gekauft wird, oder die Ware kaputt bzw. in schlechtem Zustand ist, sage ich: «Es tut mir leid ...» 

Ilse Ospelt: Bei den Möbeln versichere ich mich, ob die Sachen ganz und in gutem Zustand sind. Wenn nicht, regle ich das anständig und sage ich: «Seid mir nicht böse, das können wir nicht mehr verkaufen.» Seit wir bei der Rampe bzw. Einfahrt zum Möbellager-Bereich eine Kette haben, kann auch keine Ware mehr in Nacht-und-Nebel-Aktionen einfach abgestellt werden.

Ein Insidertipp ist, neben weiteren Aktionen, der alljährliche Weihnachtsverkauf mit Christbaumschmuck, Dekoartikeln und vielem mehr. Um rechtzeitig die prächtigsten Kugeln für den Weihnachtsbaum zu ergattern: Wann ist heuer der Startschuss? 
Gisela Kaiser: Am Donnerstag, 13. November. Wir werden wie jedes Jahr um eine ansprechende, weihnachtliche Präsentation bemüht sein und freuen uns auf viele Käuferinnen und Käufer – natürlich auch das ganze Jahr über! (ge)

22. Sep 2018 / 22:50
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