• Friday 13th
    In der westlichen Kultur gilt die Zahl 13 als Unglücksbringer.  (Marko Horvat)

Wenn das Unheil überall lauert

Die Zahl 13 löst oft Unbehagen aus, wie eine schwarze Katze oder Scherben. Aberglaube besteht oft in der Assoziation zum Mystischen.

Von Talismanen, Maskottchen und Unglückstagen bleibt niemand verschont. Grundsätzlich tendiert jeder Mensch in einer gewissen Art und Weise zu magischem Denken. Nur schon Vorgänge, von denen man glaubt, dass die Einfluss auf das Schicksal nehmen, gehören zum Aberglauben. Rituale, die vor dem Bösen schützen, ebenso. Doch nicht alle lassen sich in ihrem Verhalten und Handeln gleichermassen davon beeinflussen. 

Bereits die alten Griechen liessen sich oft von einer Priesterin die Zukunft voraussagen. Auch wurde von Königen gerne ein Orakel zur Beratung hinzugezogen. Die Römer verwendeten für das Abkommen vom «echten» Glauben das Wort «Super­stitio» (Überglaube). Später wurden so die nicht-christlichen Religionen bezeichnet und ihnen wurde damit ein dämonischer Charakter verliehen. Seit dem Ende des Mittelalters löst die schwarze Katze als Verkörperung des Bösen und in Verbindung mit Hexen negative Assoziationen aus. 
Beklemmendes Gefühl bleibt Studien und Umfragen zeigen, dass mehr als ein Drittel der Menschen daran glaubt, dass es Glück bringt, eine Münze zu finden. In der westlichen Kultur ist die Zahl 13 das Unglückssymbol schlechthin. Oft gibt es in Gebäuden keinen 13. Stock, einige Hotels und Krankenhäuser überspringen die Zahl 13 bei der Nummerierung der Zimmer genau so wie Flugzeuge die Sitzreihe 13 weglassen. In Japan dagegen ist es die Zahl 4 und in Italien die Zahl 17, die mit Unglück und Pech assoziiert werden. Auch wenn man nicht wirklich an solche Dinge glaubt, so bleibt ein beklemmendes Gefühl, sobald man mit der Zahl 13 oder einem anderen Unglückssymbol konfrontiert wird. Schuld daran ist laut der Beratungsplattform Karrierebibel der Bestätigungsfehler: Unbewusst sucht man nach Informationen, welche die Annahme bestätigen und so bleibt sie auch besser in Erinnerung. Die unzähligen Gelegenheiten, bei denen in diesem Zusammenhang nichts passiert ist, werden kaum wahrgenommen. Ähnliches geschieht, wie die Karrierebibel ausführt, bei der selbsterfüllenden Prophezeiung: Wer stark daran glaubt, wird in eine Situation geraten, die seine Vorahnung bestätigt. Wenn man also nur auf ein negatives Ereignis wartet, findet man es auch und verstärkt den Aberglauben. 

Angst vor Kontrollverlust

Das abergläubische Denken wird von unterschwelligen Ängsten wie beispielsweise Kontrollverlust angetrieben wie dem Versuch, etwas zu erklären oder Unsicherheiten zu beseitigen. Der Abergläubige tendiert zur Neigung, dass das Zusammentreffen zweier Ereignisse nicht zufällig geschieht und stellt einen Bezug zwischen zwei Ereignissen her. Die Lebensberatung Viversum beschreibt den Aberglauben als «eine Weltanschauung, die vom Gottesglauben abweicht und das Verhältnis zwischen gültigem und verpöntem Denken beschreibt».
Im Mittelhochdeutschen bedeutet das Wort «Aberglaube» so viel wie «gegensätzlicher Glaube». Heute wir der Begriff vorwiegend für den Volksglauben verwendet und bezeichnet nach einer Definition des Sozialpsychologen Judd Marmor Glaubenssätze und Praktiken, die wissenschaftlich unbegründet sind und nicht dem erreichten Kenntnisstand einer Gesellschaft entsprechen. Laut Psychologen ist der Aberglaube ein universelles Phänomen und entsteht als Abfallprodukt beim Bemühen, die Welt berechenbar zu machen. In seinem Buch «Die Psychologie des Aberglaubens» schreibt der amerikanische Psychologe Stuart Vyse: «Die Unberechenbarkeit ist ein unausweichlicher Bestandteil jeder menschlichen Erfahrung, und jeder löst das Problem auf seine Weise.» 

Die Welt erklären

Im Laufe der Evolution haben sich im menschlichen Gehirn Mechanismen entwickelt, welche die Welt so verständlich und vorhersehbar wie nur möglich machen. Das Gehirn durchleuchtet die Umwelt ständig nach Mustern und kausalen Zusammenhängen, und das umso stärker, je unsicherer und bedeutsamer eine Situation wird. Das ermöglicht es dem Gehirn, noch so kleine potenzielle Zusammenhänge herauszufiltern, egal ob es dabei auf falsche Schlussfolgerungen stösst. Der erste Schritt zum Aberglauben ist die Suche nach dem Sinn von Ursache und Wirkung für zwei zufällig zusammen auftretende Ereignisse. Dabei handelt es sich schlicht um eine Wahrnehmungstäuschung. Gleichzeitig auftretende Ereignisse werden als kausale Zusammenhänge im Gehirn gespeichert, also ein fundamentaler Mechanismus der Informationsverarbeitung. Zudem tendiert der Mensch dazu, einmal gefasste Ansichten zu verteidigen. Vor allem, wenn man abergläubischen Gewohnheiten in der eigenen Kultur von klein auf ausgesetzt war, kann es schwer sein, sich ihnen dauerhaft entgegenzustellen. «Einige der Eigenschaften, durch die wir zu der die Erde beherrschenden Spezies wurden, sind zugleich auch die Wurzel unseres Aberglaubens», schreibt Stuart Vyse. 

Erfolgreicher mit Maskottchen

Immer wieder lässt es sich beobachten, wie der Aberglaube das Verhalten der Menschen beeinflusst. Meistens steht er im Zusammenhang mit negativen Ankündigungen. Er hat durchaus seine Schattenseiten. Wenn der Aberglaube übertrieben wird und man anfängt, sich selbst durch sein Verhalten zu schaden. Beispielsweise zeigt sich bei Menschen mit Problemen, vor allem wenn es um eine Sucht geht, häufig eine Verbindung zum Aberglauben, indem sie damit ihr Laster und damit einhergehende Handlungen rechtfertigen. Auch Entscheidungen, die auf bestimmten Signalen gründen und bei denen Fakten aussen vor gelassen wurden, können gefährlich sein. Doch kann der Aberglaube auch glückliche Momente bescheren. Oft zu beobachten ist dies in Zusammenhang mit Maskottchen . Hat beispielsweise im Sport die eigene Mannschaft gewonnen, als man einen bestimmten Schal trug, wird dieser zum Glücksfaktor erklärt. Viele Menschen greifen vor allem in Situationen grosser Unsicherheit zu ihren Glücksbringern. Das verleiht ihnen das Gefühl einer gewissen Kontrolle über das Geschehen und zeigt die Wichtigkeit der Angelegenheit. Der Aberglaube kann durchaus das Selbstbewusstsein steigern und indirekt erfolgreicher machen, indem man an sich glaubt, der Rücken gestärkt und der Optimismus in den Vordergrund gerückt wird. (ms)

 

07. Jul 2019 / 00:00
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