•  (Daniel Ospelt)

«UN-Mitgliedschaft optimal nutzen»

Seit dem UNO-Beitritt Liechtensteins hat sich die Ständige Vertretung in New York als aktiver Partner bei den Vereinten Nationen etabliert. Als roten Faden der Arbeit bezeichnet Christian Wenaweser, seit 2002 UN-Botschafter und Ständiger Vertreter, das Engagement für den Multilateralismus.

Seit 30 Jahren ist Liechtenstein nun Mitglied bei der UNO. Was bedeutet dieses Jubiläum für Liechtenstein und für Sie persönlich?
Christian Wenaweser: Es ist ein stolzer Moment für das Land, denke ich – wir blicken auf 30 aktive und ­erfolgreiche Jahre zurück. Die Mitgliedschaft hat unseren Aktionsradius erheblich erweitert. Für mich selbst ist es ein schöner Moment – ich habe ja einen Grossteil meiner Arbeit für das Land mit UN-Arbeit verbracht –, aber auch ein Zeitpunkt zum Innehalten, gerade in Zeiten der Pandemie. 2020 ist ein entscheidend wichtiger und auch schwieriger Moment in der Geschichte der Organisation.

In den 60er-Jahren opportunierten grosse Staaten wegen des Ein-Staat-eine-Stimme-Prinzips gegen die Aufnahme von Mikrostaaten in die UNO. Welchen Einfluss hat Liechtenstein heute?
Die Mikrostaaten-Diskussion gehört der Vergangenheit an, wozu wir bestimmt auch unseren Beitrag geleistet haben. Unser Anspruch ist, bei den Vereinten Nationen eine präsente und unabhängige Stimme zu sein, und das gelingt uns in der Regel gut. Der Einfluss eines Staats wird natürlich nicht nur an der Stimme in der Generalversammlung gemessen.

Die liechtensteinischen Delegationen nehmen unter Federführung der Ständigen Missionen am Hauptsitz in New York sowie  in Genf und Wien aktiv an den Arbeiten der UNO teil. Welche Haupttätigkeiten in New York sind die Ihren?
Stärkung des Völkerrechts, Rechtsstaatlichkeit und Einsatz für Menschenrechte sind seit langen Jahren inhaltliche Prioritäten Liechtensteins bei den Vereinten Nationen. Das führt einerseits zu einer klaren und selektiven Prioritätensetzung, gleichzeitig sind wir in zahlreichen Dossiers zentral präsent – von der Rolle von Finanzinstituten bei der Bekämpfung von Menschenhandel bis zu einer führenden Rolle im Bereich der internationalen Strafjustiz. Der rote Faden ist unser Engagement für den Multilateralismus, der heute ja leider viel stärker infrage gestellt wird als zur Zeit unseres Beitritts.

Welches sind Ihrer Meinung nach derzeit die dringlichsten Punkte der UNO-Agenda bzw. wie sieht diejenige der kommenden Vollversammlung aus?
Wir konzentrieren uns auf die Stärkung der Rolle der Generalversammlung – die politische Konstellation zwischen den Schwergewichten im Sicherheitsrat wird für eine längere Zeit zu einer Pattsituation bei wichtigen Fragen führen. Das kann aber keine Lähmung des UN-Systems bedeuten, dafür setzen wir uns ein. Die Pandemie und ihre Folgen wird uns natürlich weiter zentral beschäftigen – wir wollen auch weiterhin unsere Arbeitsweise optimieren. In New York sind Treffen im herkömmlichen Sinn weiterhin eine Ausnahme, obwohl die Stadt die Coronasituation im Moment gut unter Kontrolle hat.

Wie sieht das Programm am kommenden 18. September bei Ihnen in New York aus? Haben Sie Einladungen ausgesprochen? Wird es einen Empfang geben?
Ich mache ein – sehr kleines – Abendessen in der Residenz, unter Einhaltung der diversen geltenden Massnahmen. Das ist gleichzeitig auch das erste Mal seit März, dass ich eine Einladung in die Residenz ausspreche – also ein doppelt schöner Moment! Empfänge sind in New York weiterhin nicht erlaubt.
 
Werden Sie New York als Liechtensteins Botschafter die Treue halten? Ihre Wünsche für Liechtenstein und dessen Auftritt bei der UNO in den kommenden Jahren?
Ich hoffe, dass Liechtenstein seine UN-Mitgliedschaft weiterhin optimal nutzt und die Inhalte auch im Inland gut vermitteln kann. Ich bin dankbar, dass ich meinen eigenen Beitrag leisten kann und arbeite weiterhin jeden Tag mit grosser Freude und der Unterstützung durch mein hervorragendes Team in New York. (ge)

 

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12. Sep 2020 / 22:01
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