• Young male cover his head to protect himself from domestic abuse of a violent woman attack
    In der Schweiz ist jedes fünfte Opfer von häuslicher Gewalt ein Mann.  (iStock)

Normen neu überdenken

Die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» fokussiert sich auf das Thema «Männlichkeitsvorstellungen und Gewalt». Dadurch soll der Zusammenhang zwischen den Normen, was männlich gilt, und die daraus resultierende Gewalt beleuchtet werden. Die Aktion wird auch von den Männervereinen unterstützt.

Bedingungslose Stärke, Kontrolle, Dominanz und Macht sind Beispiele für Männlichkeitsvorstellungen, die bereits Kindern vermittelt werden. Sie determinieren Lebensentwürfe und beeinflussen das Verhalten, was zu geschlechterspezifischer Gewalt führen kann. Jedoch machen viel mehr Eigenschaften die Männer aus. Darum ruft der diesjährige Hashtag #mehrmännlichkeiten dazu auf, diese in ihrer ganzen Bandbreite sichtbar zu machen. Es ist an der Zeit, die alten, gewaltbezogenen Vorstellungen von Männlichkeiten mit neuen Vorstellungen zu ergänzen.

Die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» will dazu anregen, Geschlechterstereotypen und männliche Privilegien zu hinterfragen, will einen Dialog zu Männlichkeit von und mit Männern schaffen. Deshalb arbeitet die Kampagne in diesem Jahr auch besonders eng mit Männerorganisationen zusammen.

Fokus auf Männlichkeitskonzept
Um die geschlechterspezifische Gewalt zu überwinden, müsse sich laut männer.ch die Gesellschaft damit auseinandersetzen, was «männlich» sein soll. Aus diesem Grund sind sie auch Partner der Kampagne. Männer.ch ist der Dachverband der Schweizer Männer- und Väterorganisationen, in dem auch der Verein für Männerfragen in Liechtenstein Mitglied ist. Sie vertreten die Meinung, dass Gewalt gegen Frauen verurteilt werden muss. Dennoch sei es für sie wichtig, zu sehen, dass fast alle Männer ebenfalls von Gewalt betroffen seien: vom Jungen zum Mann zu werden, bedeute in der Regel, von Gewalt betroffen zu sein. Deshalb ist der Fokus auf Männlichkeitskonzepte wichtig, um jegliche geschlechtsspezifische Gewalt zu verhindern.

Laut dem Berner Amt für Erwachsenen- und Kinderschutz (EKS) war 2017 jedes fünfte Opfer von häuslicher Gewalt ein Mann. In der Polizeistatistik waren vergangenes Jahr bei der häuslichen Gewalt 7059 Männer (75,7 Prozent) als Täter aufgeführt – und 2263 Frauen (24,3 Prozent). Die Landespolizei Liechtenstein verzeichnete im Jahr 2017 mehr Interventionen im Bereich häuslicher Gewalt – insgesamt gab es 21 Fälle, bei denen Anzeige erstattet wurde. Betroffen waren 17 Frauen und 12 Männer.

Männer setzen sich ein
In einer Nachtaktion auf den Donnerstag, den 22. November, haben Männer mehrere Skulpturen in Schweizer Städten umgestaltet und Fahnen mit der Aufschrift «Gemeinsam für eine Welt ohne Gewalt an Frauen» platziert. Die Aktivisten gaben an, genug von starren Rollenbildern zu haben, da diese auch oft zu Gewalt an Frauen führen. «Wir sind mehr als die Klischees zur Männlichkeit. Nicht alle Männer mögen Fussball und Bier, manche mögen auch schöne Kleidung, bringen sich aktiv als Väter im Haushalt ein oder würden sich freuen, wenn sie mehr über ihre Gefühle sprechen könnten», wird Nicolas Zogg (männer.ch), der die Aktion koordiniert hat, in einer Medienmitteilung der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» zitiert. «Gewalt an Frauen ist leider auch in der Schweiz alltäglich, wird aber immer noch unter den Teppich gekehrt», betont die Kampagnenleiterin Christina Klausener. Neu ist, dass sich nun auch Männer verstärkt für diese Kampagne und damit gegen Gewalt an Frauen einsetzen. «Gewalt an Frauen kennt viele Formen, hat aber einen gemeinsamen Nenner: Meist ist sie männlich», so Klausener in der Mitteilung. «Wichtig ist, dabei zu beachten, dass Männer nicht nur Gewalt gegenüber Frauen, sondern auch gegenüber sich selbst und anderen Männer ausüben.»

Im Rahmen der Kampagne können 5 Versprechen unterschrieben werden, die dazu verpflichten, sich aktiv gegen Sexismus, Diskriminierungen und häusliche Gewalt einzusetzen. Während der Kampagne werden 8 Kurzvideos veröffentlicht, in denen verschiedene Personen darlegen, was für sie Männlichkeit bedeutet und wie diese erweitert werden kann. Darunter eine Dragqueen, ein Bodybuilder, ein politischer Flüchtling, ein Rapmusiker und eine Gewaltberaterin. An den 16 Tagen finden schweizweit über 50 Aktionen und Veranstaltungen statt, die für das Thema sensibilisieren. Darunter auch zahlreiche Angebote von und für Männer. (ms/pd)

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24. Nov 2018 / 21:49
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