•  (Tatjana Schnalzger)

Dem Gonzen eine neue Bedeutung gegeben

Früher leisteten Bergleute im Eisenbergwerk Gonzen beim Abbau und auf der ständigen Suche nach Erz harte Arbeit. Heute gilt der Berg aussen sowie innen als eine Touristenattraktion im Sarganserland.
Am 1. Mai 1966 verstummten die Maschinen im Eisenbergwerk Gonzen in Sargans und die Werkzeuge wurden von den Mineuren endgültig niedergelegt. Die Erzgewinnung im Berg wurde komplett eingestellt, da die wirtschaftlichen Umstände eine rentable Erzgewinnung nicht mehr zuliessen. Das bedeutete aber nicht, dass nie mehr Leben die Stollen im Bergwerk erfüllen würde, denn seit 1983 gilt das Bergwerk als eine Touristenattraktion für das Sarganserland. Doch bis es so weit war, standen noch andere Optionen offen, wie etwa Schinken oder Käse für die Lebensmittelbranche zu lagern. «Die Räumlichkeiten sind dafür zu eng und zu schmal. Es ist sehr schwierig, das Bergwerk anders zu nutzen, als wir es heute tun», berichtet Willi Eugster, Geschäftsführer der Eisenbergwerk Gonzen AG und ehemaliger Präsident des Vereins Pro Gonzenbergwerk. Folglich riefen vier Initianten, darunter Willi Eugster, den Verein Pro Gonzenbergwerk ins Leben und noch am selben Tag fand die erste Führung durch das Bergwerk statt. «Bereits im ersten Jahr durften wir über 6000 Besucher begrüssen. Das waren weitaus mehr, als wir erwartet hatten», erinnert sich Willi Eugster. 2005 eröffnete der Verein die Kaverne, den Bahnhof sowie das Restaurant im Bergwerk. Aktuell darf das Bergwerk um die 10 000 Besucher jährlich begrüssen.
 
Eine Tour mit Übernachtung
Bevor jedoch der erste Besucher das Bergewerk betreten konnte, galt es, den Parcours zu finden, zu markieren und von überflüssigen Geräten zu befreien. Die morschen Holztreppen wurden instand gesetzt, die Elektronik installiert sowie die Sicherheit überprüft. Die Führungen durch das Eisenbergwerk variieren in ihrer Dauer von zwei Stunden bis zu zwei Tagen. Mit einer Bahn geht es knapp zwei Kilometer ins Innere des Berges. «Die Girolokomotive ist unseres Wissens nach noch die Einzige, die auf der Welt existiert», so Eugster. «Sie stand sogar als Leihgabe im Technorama. 1992 haben wir sie wieder zum Laufen gebracht.» 
Die Zwei-Tages-Tour führt im Berginnern hoch bis auf 1000 Meter. Auf dieser Höhe befindet sich Naus, der frühere Eingang für die Arbeiter. Teilweise lebten die Bergleute dort oder marschierten vom Wartau 1000 Meter hinauf zum Stolleneingang. Es waren lange Arbeitswege. Die Arbeitszeit begann erst, wenn die Leute in den Berg hineinfuhren. 50 Meter in den Berg hinein errichtete einst das Militär einen Kommandoposten. Diesen übernahm der Verein und nutzt ihn nun als Unterkunft für die Übernachtung. Kajüttenbetten für 12 Personen stehen bereit, eine Küche, Klimaanlage und Entfeuchter. Am zweiten Tag geht es weiter hinauf auf 1400 Meter über Meer. «Die Luftfeuchtigkeit im Berg beträgt um die 90 Prozent und die Temperatur bleibt mit 13 bis 14 Grad das gesamte Jahr über konstant», informiert Willi Eugster. 
 
Passieren kann immer etwas
 
Da das Schaubergwerk vom Verein aufrechterhalten wird, sind sie jeweils auf freiwillige Bergführer angewiesen. Laut Willi Eugster sei es nicht immer ganz einfach, diese zu rekrutieren. «Dieses Jahr haben wir drei neue aufnehmen dürfen», freut er sich. Dafür müssen sie eine Prüfung absolvieren und eine Musterführung mit zwei Experten vom Bergwerk selbst durchführen. «Danach sind sie sogenannte Jungführer, ungefähr ein halbes Jahr lang, bis sie offiziell vom Verein bei der Hauptversammlung aufgenommen werden», erläutert er. Denn die Touren durch den Berg seien nicht ungefährlich. «Es ist stets mit einem gewissen Risiko verbunden. Passieren kann immer etwas. Wichtig ist, dass der Führer in dem Moment richtig reagiert. Wir führen deshalb auch regelmässig Sanitär- und Feuerwehrübungen hier am Gonzen durch, damit auch diese Leute für ihre Einsätze im Berg gerüstet sind.» Zudem würden die Führer regelmässig Erste-Hilfe-Kurse besuchen. Die Leute rekrutiert der Verein meist aus dem Bekanntenkreis. «Das Wichtigste ist, dass man sie menschlich und auch im Charakter fassen kann. Auch die Neuen sind mit Eifer dabei», berichtet Willi Eugster. Denn in einem Verein basiert alles auf Freiwilligkeit. Lediglich eine kleine Entschädigung erhalten die Bergführer, da ihre Arbeit einen grossen Zeitaufwand darstelle. «Es steckt Idealismus dahinter und ab einem gewissen Alter muss man auch aufhören können.»
25. Aug 2018 / 22:04
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