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Das Geschäft mit dem Trinkwasser

Die Privatisierung des Trinkwassers beschäftigt vor allem Unternehmen. Nestlé ist mit 36 Marken Marktführer der Branche. Doch stösst dies nicht überall auf Zustimmung, denn der Konzern zapft die Wasserressourcen in Ländern wie Pakistan, Südafrika und Äthiopien an, in denen fliessendes Trinkwasser nicht zum Alltag gehört.

Obwohl das Hahnenwasser in der Schweiz bedenkenlos getrunken werden kann, gibt es kaum jemanden, der noch nie eine Flasche stilles Mineralwasser gekauft hat. Da für Europäer das Trinkwasser so gut wie selbstverständlich ist, machen sich die wenigsten Gedanken darüber, woher das Wasser überhaupt stammt. Denn selten kommt das in Pet-Flaschen abgefüllte Wasser aus der näheren Umgebung. So holen sich einige Firmen ihr Wasser in Drittweltländern, aber auch aus Kanada und den USA. Ausgerechnet in Gebieten, in denen Wasser Mangelware und/oder der Zugang zu sauberem Trinkwasser für die Menschen nicht unbedingt gewährleistet ist. Um jedoch das Trinkwasser gewinnen zu können, benötigen die Firmen Lizenzen. Unternehmen sprechen sich schon lange für eine Privatisierung der Wasserversorgung aus, die Gegner jedoch befürchten, dass eine Monopolstellung drohe und durch Profit und Vetternwirtschaft die Lage verschärft wird. In Kanada beispielsweise entstand ein neues Gesetz über die Entnahme von Grundwasser, um Dürreperioden vorzubeugen. Zuvor war diese kaum geregelt. In anderen Ländern, vor allem im afrikanischen Kontinent, gibt es gar keine Gesetze bezüglich des Grundwassers, das aus dem Boden abgepumpt wird.

Auszeichnung von Oxfam
Ein Konzern, über dessen Vorgehensweise oft und gerne debattiert wird, ist Nestlé. Der Marktführer  gerät mit der Gewinnung von Trinkwasser ständig in Kritik. An einem Tag schöpft die Firma 282 000 Liter Trinkwasser aus einer Quelle in Südafrika, die in Flaschen abgefüllt und abtransportiert werden. Die Kritiker werfen Nestlé vor, das Wasser dort zu nehmen, wo es ohnehin schon knapp sei. Allein in Südafrika hat Nestlé elf Standorte. 2017 machte der Konzern mit der Sparte «Nestlé Waters» einen Umsatz von 7,445 Millionen Schweizer Franken. 

Im Jahr 2012 erschien ein kritischer Dokumentarfilm namens «Bottled Life» in den Kinos. Dieser gab an, er wolle aufdecken, wie sich der Nahrungsmittelkonzern am Trinkwasser bereichere und warf Nestlé vor, für Dürren in einigen Regionen Pakistans verantwortlich zu sein. In dem Film äusserte sich Nestlé nicht zu den Vorwürfen, denn das Unternehmen fand die Berichterstattung zu starr und einseitig. Jedoch schrieb das Unternehmen einen Bericht zur Klarstellung. Nach An-gaben von Nestlé vermittle die Dokumentation ein verzerrtes Bild und hätte Ausschnitte verwendet, die bereits damals acht Jahre alt waren. Weiter informiert der Konzern darüber, dass rund 50 000 Menschen durch die von ihm in-stallierten Brunnen und Aufbereitungsanlagen in den umliegenden Dörfern, in denen sie Wasser gewinnen, Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten. 

Dürre in Ostafrika
Doch gibt es nicht nur eine Debatte über die Vorgehensweise in Pakistan, auch die Gewinnung von Trinkwasser in Äthiopien regt die Leute zu Diskussionen an. Laut Water Aid haben 42 Millionen Äthiopier keinen Zugang zu sicherem Wasser. Ostafrika erlebe derzeit laut der UN die schlimmste Dürre seit fünf Jahrzehnten. Da der Nahrungsmittelkonzern in Äthiopien ein Joint Venture mit einem lokalen Getränkehersteller gegründet hat, geht nun die Frage um, «ob man in einem Land, in dem seit Monaten Millionen Menschen unter einer Hungerkatastrophe leiden – ausgelöst durch eine Dürre, welche durch ausgebliebenen Regen verursacht wurde–, nachhaltig Wasser abfüllen kann».

Nestlé ist nicht alleine
Der Schweizer Konzern ist nicht der einzige, der wegen seiner Geschäfte in der Kritik steht. Denn wie «The Guardian» berichtete, siedeln sich in Äthiopien viele internationale Konzerne an, um Rohstoffe abzubauen oder für die Industrie zu produzieren. Es würden sich immer mehr ausländische Firmen in dem Land ansiedeln. Diese benötigen für ihre Tätigkeiten Wasser, wofür sie bis zu 800 Meter in die Tiefe graben müssen. Sie bauen angeblich ihre eigenen Brunnen und graben das Wasser ab, das der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung steht. Beispielsweise befindet sich darunter eine chinesische Gerberei, welche der Bevölkerung zwar einen Wasserhahn zur Verfügung stellt, der aber von Soldaten bewacht wird. Laut «The Guardian» verschmutze diese Firma zugleich das Grundwasser. Folglich muss die Bevölkerung einen langen Fussmarsch auf sich nehmen, um überhaupt zu Trinkwasser zu gelangen. Denn Wasser in Trinkflaschen kann sich die Bevölkerung nicht leisten. (ms)

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12. Aug 2018 / 00:00
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