• Barbara Baumann in Balzers
    Barbara Baumann hebt regelmässig ab.  (Daniel Schwendener)

Perspektivenwechsel total

Sie fliegt zum Matterhorn. Oder in 20 Minuten zum Hüfigletscher in den Glarner Alpen. Nur eine Handvoll Helikopter-Berufspilotinnen gibt es schweizweit. Barbara Baumann ist eine davon.

Best Job ever!» Barbara Baumanns Resümee nach knapp zwei Jahren als Berufs-Helikopterpilotin CPL ist kurz und klar. Dass sie den besten Job der Welt hat, daran besteht für die 40-jährige Teufnerin kein Zweifel. Den Boden unter den Füssen verlieren, der Blick zum Himmel, Weite, Freiheit. «Helikopterpilotin ist mehr als nur ein Beruf – es ist Leidenschaft. Jeder Flug ist anders. Die Kombination von Technik, Natur und Mensch ist faszinierend und stellt einen immer wieder vor Herausforderungen.» Ihre Erfahrungen sind bisher durchwegs positiv, doch da ist auch der realistische Aspekt des Abenteuers: die enorme Verantwortung, die mit dem Traumberuf einhergeht.

Der Schnupperflug war’s ...
Vom Heliport Balzers aus, wo lizenzierte Mechaniker um die Wartung der Maschinen vom Typ Robinson R44 und Robinson R66 der Valair AG besorgt sind, werden im Bereich Tourismus verschiedene Flugtouren (Liechtenstein, Alpstein, Glarner Alpen und Bündnerland), Rundflüge zum Jungfraujoch oder Matterhorn und auch Business-Taxiflüge z. B. nach St. Moritz, ins Tessin oder Wallis angeboten. Auch Gletscherlandungen sind beliebt. «Innert 20 Minuten erreichen wir den Hüfigletscher in den südwestlichen Glarner Alpen, eine imposante Kulisse inmitten von Schnee und Eis. Ein beeindruckendes Erlebnis – auch für uns Piloten.» Von der Helikopterfliegerei fasziniert war Barbara Baumann schon als Kind. Aufgewachsen im Kanton Fribourg – ihr Vater doktorierte dort an der Universität –, kehrte sie mit ihren Eltern und dem drei Jahre jüngeren Bruder zurück in die Ostschweizer Heimat, nach St. Gallen. Gleich bei ihrem ersten Schnupperflug im Alter von 27 Jahren hat sie der Heli-Virus erwischt. Apropos Virus: Auch in dieser Berufssparte ist das neuartige Coronavirus Covid-19 wohl Thema. «Wir halten uns diesbezüglich, wie alle anderen Unternehmen und Veranstalter, an die Bundesvorgaben.»

Anspruchsvolle Ausbildung 
Den Entschluss, ins frauenuntypische Metier einzusteigen, fasste sie jedoch erst nach Abschluss des Masters in Innovations Management, UX/Interaction Design und Lehrkraft war die Basis für die modulare zweistufige Variante, für die sich Barbara Baumann entschied. Sie umfasst im ersten Schritt die Privatpilotenausbildung, anschliessend folgt die Berufspilotenausbildung. Zuvor muss ein medizinisches Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1 erlangt und vor Abschluss der Praxisfähigkeit eine Theorieprüfung, welche die Fächer Luftrecht, Menschliches  Leistungsvermögen, Meteorologie, Navigation, Helikopterkenntnisse, Flugleistung und Flugplanung, Betriebsverfahren und Aerodynamik umfasst, beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) absolviert werden. In der Zwischenzeit sammelt der Pilot selbstständig Erfahrung, durchläuft Zusatzausbildungen wie Ratings für weitere Helikoptertypen. Ebenfalls Bestandteil der CPL (Commercial Pilot Licence) ist die Nachtausbildung. «Ich entschied mich für Saint-Yan inFrankreich. Einerseits hatte ich so einen längeren Cross-Country-Flug zu absolvieren, andererseits bietet der dortige Flugplatz ideale Bedingungen, die ganze Nacht über mit Pistenbeleuchtung zu manövrieren.»

Im Anschluss folgte die Gebirgsausbildung MOU bei der Valair AG. «Die schönste und zugleich herausforderndste Ausbildung in der ­Helikopterfliegerei, wo Flugtaktik, wech­selhafte Wetterbedingungen, frühzeitiges Erkennen der Leistungsgrenze des Helikopters, Einflüsse der Höhe auf den Piloten und Notverfahren im Mittelpunkt stehen.» In der Schweiz ist dieses Advanced Training für Landungen über 1100 m ü. M. zwingend vorgeschrieben, umfasst auch die offiziellen Gebirgslandeplätze im Hochgebirge bis 4200 m über Meer und beinhaltet total mindestens 200 Landungen im Gebirge. 

Die beste Lebensschulung
Nicht unwesentlich: Wessen Traum es ist, dereinst als Pilot im Heli-Cockpit zu sitzen, sollte über das nötige Kleingeld verfügen: Für die modulare Ausbildung, die berufsbegleitend absolviert werden kann, muss je nach Helikoptertyp mit 120 000 Schweizer Franken gerechnet werden. Nach Abschluss ist man berechtigt, kommerzielle Flüge im Rahmen eines zugelassenen Flugbetriebes auszuführen. Diese Möglichkeit geniesst die Ostschweizerin nun bei der Valair AG. «Die Ausbildung fordert viel, ist aber zugleich auch die beste Lebensschulung. Man lernt, innert kürzester Zeit Entscheidungen zu treffen, was die mentale Stärke fördert. Nur so kann man sein wirkliches Leistungspotenzial optimal nutzen.» Dieses Prinzip gilt für Barbara Baumann auch im Sport, wo sie beim Klettern, Skifahren, Biken oder Kitesurfen ihre Grenzen austariert. 

Wieder kommt sie ins Schwärmen: «Der Helikopter ermöglicht einen Perspektivenwechsel. Man sieht die Umgebung von oben, eine neue Welt tut sich auf. Die Emotionen der Passagiere und ihre Begeisterung für die Natur mitzuerleben, ist immer wieder einzigartig.» Mit Barbara Baumann, die den «besten Job der Welt» geniesst, stimmte schon der 1519 verstorbene italienische Maler Leondard da Vinci überein: «Wenn du das Fliegen einmal erlebt hast, wirst du für immer auf Erden wandeln, mit deinen Augen himmelwärts gerichtet. Denn dort bist du gewesen und dort wird es dich immer wieder hinziehen.» (ge)

 

07. Mär 2020 / 20:50
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistkommentiert
01. August 2020 / 15:43
Meistgelesen
12. August 2020 / 13:33
12. August 2020 / 11:32
12. August 2020 / 11:26
12. August 2020 / 15:38
Aktuell
12. August 2020 / 16:08
12. August 2020 / 16:23
12. August 2020 / 15:38
12. August 2020 / 15:32
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Lova Center
Zu gewinnen einen Lova Einkaufsgutschein im Wert von 50 Franken.
25.06.2020
Facebook
Top