•  (Tatjana Schnalzger)

Nur wer mit Freude schnitzt, schnitzt auch gut

Patrik Walser beherrscht die Kunst, aus einem Stück Holz etwas Aussergewöhnliches zu schaffen. Was er dazu braucht, ist Feingefühl, Kreativität, Leidenschaft und seine Motorsäge.

Bloss keinen Fehler machen. Ein falscher Schnitt und der Baumstamm wird zu Brennholz statt zu einer Skulptur. Patrik Walser setzt die Motorsäge an und legt los. «Was ab ist, ist ab», schmunzelt er. Unter lautem Getöse wirbeln Holzspäne durch die Luft. Es sei noch nicht oft vorgekommen, dass er sich verschnittten habe: «Einmal war es eine Eule, die einfach nicht gelingen wollte», erzählt er und fügt an: «Das ärgert mich noch heute.» Ansonsten merke er innerhalb der ersten halben Stunde, ob ihm eine Arbeit gelinge oder nicht. Schneide er trotzdem einmal mehr ab als geplant, sei das noch nicht das Ende: «Die Skulptur wird dann einfach anders als gedacht. Dennoch bleibt sie ein Unikat.» Retten konnte er bisher das meiste, nur einen Adler nicht: «Dem habe ich auf der ‹Zielgeraden› den Schnabel abgeschnitten», verrät der Schaaner lachend. 

«Lust auf mehr»
Der Schaaner fühlt sich dem Naturprodukt Holz zutiefst verbunden. Forstwart war deshalb sein absoluter Traumjob. Man komme an Orte, die ein normaler Spaziergänger oder Wanderer nicht erreiche, und erlebe Stimmungen und Veränderungen der Natur hautnah. «Die Ruhe im Wald, das Arbeiten in der Natur und dass man sieht,  was man geleistet hat, faszinierte mich.» Ausserdem habe er viel über die Menschen und ihre Eigenschaften lernen können. Man müsse nicht nur als Team funktionieren, auch das Vertrauen zueinander spiele eine enorm grosse Rolle. Mit der Lehre zum Forstwart sei er in die Fussstapfen seines Grossvaters – dem ehemaligen Förster von Schaan – getreten. Das sei ihm damals allerdings nicht bewusst gewesen. «Das zu wissen, macht mich aber bis heute noch stolz.» Das Schnitzen sei «aus einer Laune heraus» entstanden. «Mein Kollege und ich waren im Wald mit einer Arbeit beschäftigt und aus Spass haben wir begonnen, einen Pilz zu schnitzen.» Zwar sei der alles andere als perfekt gewesen, «hat aber Lust auf mehr gemacht».

Beim Wettkampf-Holzen habe er dann das Zweckentfremden einer Motorsäge entdeckt. Er probierte aus, liess sich von anderen Schnitzern inspirieren und entwickelte so nach und nach seine ganz eigene Technik. Er tauschte seine Motorsäge für die Waldarbeit schon bald gegen eine andere, spezifische, auf die Schnitzkunst ausgerichtete aus. Damit konnte er noch feiner und präziser arbeiten. Jedes Objekt sei danach ein bisschen besser gewesen als das vorherige. «Das hat mich angespornt». Während er tagsüber die Arbeit im Wald und in der Natur genoss, zog er sich abends in seine eigenen vier Wände zurück, um zu schnitzen. «So oft es ging, ganze Wochenenden oder Nächte lang», erzählt er. 

«Die Natur ist meine Welt»
Gesundheitliche Probleme, insbesondere durch seine Körpergrösse, zwangen ihn, nach 12 Jahren seinen «Traumjob» schweren Herzens aufzugeben. Damals ganz auf die Schnitzerei zu setzen, konnte er sich nicht vorstellen. Auch wenn der Schaaner bis dahin bereits eine eigene kleine Werkstatt in Schaan eingerichtet und mit «Carve – the art of wood» eine Firma gegründet hatte und sich die Kundenaufträge vor allem durch Mund-zu-Mund-Propaganda mehrten, wollte er nie den Zwang verspüren, schnitzen zu müssen. «Denn nur wer mit Freude schnitzt, schnitzt auch gut», ist er überzeugt. 

Heute arbeitet er als Disponent in der Spedition einer Bank. Den Ausgleich findet Patrik Walser nach wie vor bei seinem liebsten Hobby, dem Schnitzen. «Aber auch die Natur ist und bleibt meine Welt.» Seit vier Jahren sei er bei der Bergrettung, aber auch sonst bei Wind und Wetter zu jeder Jahreszeit draussen unterwegs. Er liebe den Bergsport, das Klettern genauso wie das Schneetouren oder Wandern. Sein Lieblingsplatz sei überall dort, wo er hoch oben neben einem Gipfelkreuz stehen könne: «Ein unbeschreiblich schönes Gefühl, das sich kaum in Worte fassen lässt. Aber jeder, der es erlebt, weiss, wovon ich spreche.» 

«Nichts von Hand gemacht»
Vom Schaaner Forstwart-Team wird er bis heute noch unterstützt: «Ich erhalte durch sie einheimische Hölzer, immer Ausschussware, welche weder als Bau- noch als Brennholz verwendet werden kann», erklärt er. Grundsätzlich entstehen seine Werke aus einem Holzblock und ausschliesslich mit der Motorsäge. «Nichts wird von Hand gemacht – auch die kleinsten Details nicht.» Auch wenn der 30-Jährige in den vergangenen Jahren über 100 Holzskulpturen geschnitzt hat – vom Autokran über Herzen, allerlei Tiere, ein Weinregal bis zur Zimmerlampe –, bezeichnet er sich selbst nicht als sonderlich kreativ: «Schliesslich brauche ich immer eine Vorlage oder ein Bild», erklärt er bescheiden. Seine Skulpturen und Dekorationsgegenstände sind mittlerweile in vielen Gärten und Haushalten anzutreffen, befinden sich aber auch vor bekannten Geschäften wie dem «Hoi-Laden» in Vaduz. 

Unterwegs für den guten Zweck
Wer sich mit Patrik Walser unterhält, stellt schnell fest, dass er kein Künstler ist, der sich gerne selbst auf einen Sockel stellt. Er steht mit beiden Beinen fest am Boden. Das darf er auch. Selbstlob braucht er nicht. Seine Schnitzwerke sprechen für sich. Seine Leidenschaft wird indes erneut spürbar, als er über sein neustes Projekt spricht. Ab dem 10. März wird er während acht Monaten durchs Land fahren, halt an Veranstaltungen machen, aus einem Holzstamm ein Pferd schnitzen und dabei Geld für die 12-jährige Sarina Hogge aus Eschen sammeln. Sie sei vor fünf Jahren am Lyell Syndrom erkrankt und mittlerweile fast erblindet. Mit dem Pferd will er ihr eine besondere Freude machen – und eine noch grössere mit dem gesammelten Geld, das für die Reittherapie gedacht ist, welche das Mädchen wöchentlich mit grosser Freude besucht und so sehr liebt. (bc)

04. Mär 2018 / 00:00
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