•  (Tatjana Schnalzger)

"Mich kann man in keine Schublade stecken"

Als Freigeist stellt sich Alesandra Beiro gern neuen Herausforderungen. Ihre Neugierde und ihr Wissensdurst treiben sie dabei voran und führen sie auf bisher unbekannte Wege.

Unkonventionell – dieses Wort beschreibt Alesandra Beiro wohl am besten. Die gebürtige Liechtensteinerin ist schon immer ihren eigenen Weg gegangen. «Genauso wie meine Geschwister», überlegt sie und lacht. «Vermutlich haben wir das von unseren Eltern.» Diese hätten schon gern Neues ausprobiert. Einer neuen Beschäftigung oder einer neuen Herausforderung steht sie offen gegenüber. Oft seien das spontane Ideen, wie ihr Shop in Buchs. «Das war kein Kindheitstraum von mir», sagt sie. Vielmehr  werde sie von der Neugier angetrieben, wie etwas funktioniert und wie man etwas auf die Beine stellen kann, als dem Erfolg dahinter. 
Überhaupt sei sie jemand, der gern mit den Händen arbeitet, bastelt und werkt. Das habe sie erst vor Kurzem wieder festgestellt, als sie angefangen hat, Perlenschmuck herzustellen. «Ich habe erst das ein oder andere Schmuckstück repariert», ­erzählt sie. Dann habe sie ein Paar Ohrringe gesehen und mithilfe von Youtube-Videos angefangen, eige­ne Schmuckstücke zu kreieren. Mittlerweile bereitet ihr die Arbeit als Schmuckdesignerin so viel Freude, dass sie beschlossen hat, sich künftig mehr darauf zu konzentrieren. «Ausserdem ist das eine Beschäftigung, die ich überall ausüben kann – auch im Garten oder im Schwimmbad», verrät sie. 

Ohne Lehre viel gelernt
Eine Lehre sei für sie nie in Frage gekommen, wie Alesandra Beiro erzählt. «Ich wusste, ich will im TAK Theater Liechtenstein arbeiten.» Allerdings nicht auf der Bühne, sondern dahinter. «Ich glaube, ich habe mal bei Georg Biedermann in einer Kinderwerkstatt mitgemacht und da ist das Theater bei mir hängen geblieben.» Nach der Schule habe sie auch tatsächlich ein Praktikum im TAK absolviert. Danach ist sie sieben Jahre geblieben, hat Bühnenbilder gebaut, Vorstellungen betreut und die Lichttechnik gesteuert. «Ich glaube, ich war eine der ersten Frauen in dieser Männerdomäne», sagt sie und lacht. 

Nachdem sie jung Mutter wurde, zog die 36-Jährige nach Zürich und war dort freischaffend bei einer Jugendtheaterproduktion tätig, bevor sie über Kontakte wieder zurück ins Rheintal fand. «Ich wurde gefragt, ob ich nicht in der Produktion im Schloss Werdenberg arbeiten möchte», erzählt sie. Das sei schon eine Herausforderung für sie gewesen, erinnert sie sich. Plötzlich musste sie herausfinden, wie man ein Festival auf die Beine stellt und ein Team organisiert. «Ich habe nie eine Lehre gemacht. Aber ich habe das Gefühl, die ganze Zeit zu lernen», meint die Grabserin nachdenklich.

Dass sie keine Lehrausbildung absolviert hat, habe sie nie bereut. «Es gab schon Momente im Leben, bei denen ich gemerkt habe, dass ich auf nichts zurückgreifen kann», gesteht sie. Da sei ihr schon mal der Gedanke gekommen, doch noch eine Ausbildung zu machen. «Allerdings musste ich feststellen, dass ich immer gearbeitet habe. Es gab nie Unterbrüche. Und ich habe immer getan, was ich wollte und was mir Spass macht.»

Bewusst und achtsam leben
Spass macht ihr auch das Yoga, das Alesandra Beiro 2013 für sich entdeckte. «Ich habe mich lange geweigert, eine Yogastunde zu besuchen. Ich dachte, da turnt man ein bisschen in der Gruppe herum – das ist nichts für mich.» Eine Freundin konnte sie schliesslich doch noch dazu überreden. Schnell habe sie gemerkt, dass ihr die Übungen gut tun. «Ich habe früher viel getanzt. Durch das Yoga habe ich wieder zurück zu meinem Körper gefunden.» Mittlerweile gibt sie selbst Yogastunden. Dabei habe sie nie selbst unterrichten wollen, wie sie gesteht. «Ich wollte nur für mich tiefer ins Yoga eintauchen.» Heute freut sie sich, wenn ihre Schüler selig aus ihrer Stunde kommen. «Das hat etwas sehr Befriedigendes», stellt sie fest. 

Sehr spirituell sei sie aber nicht, wie sie erklärt. «Ich bin eher eine spirituell Bodenständige.» Ausserdem könne sie mit extremen Ansichten nur wenig anfangen. «Ich bin sehr naturverbunden und verkaufe auch Naturprodukte in meinem Shop. Aber ich verurteile nicht je­den, der Duschgel in Plastikflaschen kauft», sagt sie und gibt zu, selbst gern länger unter der Dusche zu stehen. «Mir geht es darum, bewusst und achtsam zu leben.»

Wohin ihr Weg sie noch führen wird, kann Alesandra Beiro noch nicht sagen. Vielleicht ins Ausland, wie sie meint. «Ich bin zwar schon öfter in den Urlaub geflogen, länger oder weiter verreist bin ich bisher aber noch nie.» In letzter Zeit merke sie, wie sie das Fernweh packt, jetzt, da ihr Sohn langsam erwachsen wird. «Europa würde ich gern besser kennenlernen», sagt sie. Auch ein längerer Aufenthalt in Frankreich käme für sie in Frage. «Mein Freund lebt dort», erklärt sie. Dass sie einmal eine Fernbeziehung führen würde, hätte sie auch nie erwartet. «Das ist etwas, das während der Yogaausbildung entstanden ist», meint sie nachdenklich. Ihre Yogalehrerin habe nämlich sehr viel Wert darauf gelegt, dass ihre Schüler Wünsche haben und diese ­visualisieren. «Bei mir ist da der Wunsch nach mehr Freiheit entstanden.» Das Wünschen habe sie allerdings erst lernen müssen. «So richtig daran geglaubt habe ich nämlich anfangs nicht.» (sms)

14. Jul 2019 / 00:00
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