• Michelle Meier-Widrig, Grabs
    Michelle Meier-Widrig aus Grabs.  (Tatjana Schnalzger)

Kreativität kann man nicht planen

An kreativen Ideen mangelt es Michelle Meier-Widrig nicht. So überraschte es Familie und Freunde wohl wenig, als sie mit der Idee eines Treffpunkts für kreative Köpfe daherkam.

Mit Grenzen könne sie schlecht umgehen, erzählt Michelle Meier-Widrig. «Ich hasse nichts mehr, als wenn man versucht, mich in eine Schublade zu zwängen, aus der ich nicht ausbrechen, nicht spontan und kreativ sein kann», sagt sie. Und an kreativen Ideen mangelt es der 43-Jährigen nicht. Ob umbauen, einrichten oder basteln – dabei ist sie in ihrem Element. Für so manche Freunde und Bekannten ist sie die erste Anlaufstelle, wenn es um kreative Arbeiten geht. «Da kann ich schlecht Nein sagen», gesteht sie und lacht. Das werde ihr hin und wieder zum Verhängnis, wenn sie an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite. «Aber jeder, der kreativ ist, weiss: Kreativität kann man nicht planen. Plötzlich kommt es über dich und muss raus. Und mein Kopf sprudelt förmlich über vor Ideen.»

Schon als Kind sei es Michelle Meier-Widrig schwergefallen, ihre Kreativität im Zaum zu halten – so, wie es ihre Lehrer in der Schule manchmal gern gehabt hätten. «Irgendwie musste bei mir immer noch etwas mehr drangeklebt und aufgemalt werden. Und wenn ich das Gefühl hatte, etwas müsste grün sein, habe ich es grün angemalt, auch wenn der Lehrer meinte, es müsste rot sein», erinnert sie sich und lacht.

«Ich bin kein Chef»
Dass für den kreativen Kopf nur eine Arbeit infrage kommt, bei der sie tun und lassen kann, was sie will, war schnell klar. Ausserdem hat es ihr die Arbeit mit Kindern angetan. So ist sie als Kindergärtnerin ganz in ihrem Element. Basteln und Malen stehen bei ihr auf der Tagesordnung und kaum sind die Kleinen zur Tür hinaus, macht sie sich selbst ans Werk. «Ich erschaffe ganze Welten», sagt sie. «Ich bin eine Kindergärtnerin mit Leib und Seele.» 

Doch mit der Geburt ihrer beiden Kinder geriet Michelle Meier-Widrig in einen Zwiespalt: Auf der einen Seite wollte sie wieder voll als Kindergärtnerin arbeiten. Und auf der anderen Seite wollte sie für ihre eigenen Kinder da sein. «Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent und mit Herzblut. Ich habe jedoch gemerkt, dass ich meinen Beruf und meine Kinder nicht unter einen Hut bringe – zumindest nicht so, wie ich es gerne gewollt hätte», erklärt sie. Heute arbeitet die zweifache Mutter in Teilzeit als Kindergärtnerin bei einer Sprach- und Spielförderung für fremdsprachige Mütter und Kinder. «Ich habe allerdings immer nach etwas gesucht, bei dem ich mich voll und ganz verwirklichen kann.»

Ein grosses Projekt
Der Geistesblitz habe sie mitten in der Nacht getroffen. «Mein Mann hatte eine Autogarage verpachtet. Als diese leer stand, stellte sich die Frage, was man aus dem Raum machen könnte», erzählt Michelle Meier-Widrig. Nach langem Überlegen wusste sie genau, was sie wollte: Einen Treffpunkt für Erwachsene und Kinder, wo sich jeder kreativ austoben kann, wie er möchte. Die Autogarage war dafür zwar zu klein, doch der Gedanke liess sie nicht mehr los. «Ich war mir anfangs gar nicht sicher, ob die Idee überhaupt gut war. Doch das Feedback der Leute war durchwegs positiv – wenn auch skeptisch.» Skeptisch, weil die 43-Jährige in grossen Dimensionen dachte. Immerhin sollte es keine kleine Werkstube werden. Auch habe sie sich Sorgen um ihre Familie gemacht, wie sie sagt. «Ich bin in Zürich in einer Wirtsfamilie aufgewachsen. Meine Eltern haben 18 Jahre lang gewirtet.» Wohnung und Gasthaus befanden sich im selben Haus. Dadurch waren die Eltern von Michelle Meier-Widrig zwar immer zu Hause, hatten jedoch oft wenig Zeit für ihre Kinder. Für ihre  eigenen Kinder wollte die zweifache Mutter daher immer da sein. «Ohne die Zustimmung meiner Familie, hätte ich das nicht gemacht.»

Den kreativen Treffpunkt, den «Setzchaschte» in Grabs, gibt es nun seit einem Jahr. Am 17. März feiern Michelle Meier-Widrig und der Verein ihr erstes Jubiläum. «Es ist schön zu sehen, was hier entstanden ist», freut sich die Vereinspräsidentin und blickt über die einst leere Halle, in der nun viele Ecken sind, in denen die Besucher werken, malen, basteln oder einfach nur sitzen und die Gesellschaft geniessen können. Es war viel Arbeit, die Michelle Meier-Widrig in die Realisierung des Treffpunkts und den Verein investiert hat. «Wir sind ein sozialer Verein. Wir haben nicht viel Geld. Aber die Leute sind bereit, Altes zu spenden. Daraus kann wieder Neues entstehen, so wie der ‹Setzchaschte›», sagt die kreative Frau und erzählt von der leeren Halle, in der sie ihrer Kreativität freien Lauf gelassen hat. So viel wie in der Umbauphase komme sie heute nicht mehr zum Werken. Dabei hätte sie schon wieder viele neue Ideen für den Treffpunkt im Kopf. Ideen, die sie am liebsten alle gleichzeitig umsetzen würde. «Ich muss mich immer selbst etwas bremsen», sagt sie und hofft, dass der Verein in Zukunft weiter wächst. «Über weitere Mitglieder und freiwillige Helfer würde ich mich sehr freuen. Die suchen wir dringend.» Derzeit kümmere sie sich vor allem um die Organisation im Hintergrund. Doch nicht immer könne sie es lassen, wie sie gesteht. Dann schwingt sie doch selbst wieder den Pinsel. «Was raus muss, muss raus.» (sms)

09. Mär 2019 / 21:23
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