•  (Rudi Schachenhofer)

"Ich tauche gern in die Fantasiewelt ein"

Als Clown GeGa macht Angelika Merz das ein oder andere Pflegeheim in der Region unsicher. Anderen eine Freude zu bereiten ist ihr Ziel, dabei muss sie aber nicht immer lustig sein.

Anfangs sei es für ihre Familie schon merkwürdig gewesen, als Angelika Merz im Clownskostüm durch die Wohnung spazierte. «Mittlerweile sind sie daran gewöhnt, dass jeden Donnerstag GeGa in der Küche steht und kocht», sagt sie und lacht. Vor etwa vier Jahren entdeckte sie den Clown in sich. Da gewesen sei dieser eigentlich schon ihr ganzes Leben lang. «Jeder hat einen Clown in sich», verrät sie und schmunzelt. Wenn dieser hervorkommt, nennt sie sich GeGa. Allerdings sei sie weder ein Clown, der Luftballontiere bastelt, noch ein Zirkusclown. Als letzteren würde sie sich jedoch gern einmal probieren, wie sie gesteht. Bisher ist GeGa als Therapie-Clown tätig. Als solcher ist sie im Pflegeheim Werdenberg in Grabs, im Altersheim Wieden in Buchs oder im Wohnheim St. Josef in Weesen im Einsatz. 

In Weesen sei auch ihre jüngere Schwester, wie Angelika Merz erzählt. Für die geistig behinderte Frau habe sie schon als Kind gern den Clown gespielt. «Es war das Grösste für mich, sie zum Lachen zu bringen.» Dafür spielte sie Szenen aus den Programmen von Rolf Knie und Gaston Häni oder von Clown Enrico aus der ORF-Sendung «Am dam des» nach. Noch immer gehören diese zu ihren Idolen. Und so war die Freude bei der Clownfrau gross, als sie Rolf Knie vor einiger Zeit sogar persönlich kennenlernen durfte. «Wir waren in einer seiner Ausstellungen», erzählt sie. Eines seiner Werke hat sie sogar zu Hause. Darauf ist sie besonders stolz. 

«Eine tolle Lebensschule»
Bevor Angelika Merz den Clown in sich entdeckte, war sie als Spielgruppenleiterin tätig. «Ich bin in einer grossen Familie aufgewachsen», sagt sie. Sieben Geschwister hat sie. Und so seien immer Kinder da gewesen, mit denen sie sich beschäftigte. «Ich tauche gern in die Fantasiewelt ein und mit Kindern ist das wunderbar möglich.» Ihre Lehre habe sie eigentlich im Verkauf gemacht, wie sie verrät. «Ich hatte in meiner Jugend keine grossen Ambitionen, Karriere zu machen. Ich war mir sicher, dass ich früh Mutter werde – und so war es dann auch», erzählt sie. 

Als sie vor vier Jahren auf der Suche nach einer neuen Herausforderung war, stiess sie auf den Beruf des Clowns. «Ich wusste, ich wollte anderen Freude bereiten, aber in eine Schule wollte ich nicht noch einmal sitzen», erklärt sie. Die Schulbank drückte sie trotzdem noch einmal. In der Clownschule in St. Gallen besuchte sie erst einen Wochenendkurs, bevor sie sich für die Ausbildung entschied. «Dabei hat es mir sofort den Ärmel hineingezogen», sagt sie. «Ich kann diese Ausbildung jedem empfehlen. Es ist auch eine tolle Lebensschule.» 

Eine grosses Privileg
Wenn die Clownfrau sich auf ihre Arbeit vorbereitet, überlegt sie sich lange, was sie anziehen soll. Da  habe sie nämlich dasselbe Problem, wie alle Frauen: Einen Schrank voller Kleider und trotzdem nichts anzuziehen. «Geschminkt bin ich dafür sehr schnell», sagt sie und lacht. Im GeGa-Mobil, ihrem Smart, trifft sie im Pflegeheim ein und erkundigt sich erst einmal beim Pflegepersonal, was die Bewohner gerade beschäftigt. «Vor Kurzem hiess es zum Beispiel, dass eine Bewohnerin im Sterben liege», erzählt sie. Von ihr wollte sich Angelika Merz noch verabschieden. «Sie hat über das ganze Gesicht gestrahlt, als sie mich gesehen hat», erinnert sie sich und bekommt eine Gänsehaut. «Es braucht nicht viel. Ich muss auch nicht immer witzig sein. Ein Clown muss nicht immer den Hampelmann spielen.» Leider können viele mit Clowns nichts anfangen, wie die aufgestellte Frau schon feststellen musste. «Die Leute fürchten, dass sie blossgestellt werden könnten. Auch als Killerclown wurde ich schon bezeichnet», bedauert sie. Mit solchen Vorurteilen möchte sie gern aufräumen. 

Ihre Arbeit im Pflegeheim Werdenberg betrachtet Angelika Merz als grosses Privileg. «Ich habe keine Berührungsängste. Aber ich hatte lange keinen Bezug zu älteren Menschen», sagt sie. Zu dem Job im Pflegeheim kam sie per Zufall. Noch während ihrer Ausbildung wurde eine Berufskollegin auf sie aufmerksam. Diese war auf der Suche nach einer Partnerin. «Leider ging es ihr bald gesundheitlich nicht gut und sie verstarb kurze Zeit später», bedauert die Buchserin. Die Clownfrau ist ihrer Vorgängerin dankbar, dass sie ihr diese Aufgabe vermacht hat. «Toll wäre es, wenn ich einen Partner hätte und wir gemeinsam Bühnenluft schnuppern könnten, so wie Rolf Knie und Gaston Häni früher.» (sms)

23. Jun 2019 / 00:00
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