• Christoph Bitschi Brand 02
    Christoph Bitschi "Wichtig ist es, den Menschen zuzuhören."  (Rudi Schachenhofer)

"Ich mag grosse Herausforderungen"

Unter schwierigen Bedingungen stellt sich Christof Bitschi als Parteiobmann der Freiheitlichen der Landtagswahl in Vorarlberg. Kraft dafür findet er zuhause im idyllischen Brand und bei der Arbeit auf der Baustelle

Ich mag grosse Herausforderungen», erklärt Christof Bitschi. Nach den Turbulenzen der vergangenen Monate und den daraus resultierenden Stimmverlusten bei der österreichischen Nationalratswahl für die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), steht der Landesobmann der Vorarlberger Freiheitlichen vor einer denkbar schwierigen Aufgabe bei der Landtagswahl am kommenden Sonntag. Bitschi zeigt sich trotzdem zuversichtlich: «Vorarlberg ist nicht Wien. Die Wähler wissen, dass wir Freiheitlichen in Vorarlberg anders arbeiten.» 

Und Ibiza? «Das ist Vergangenheit», sagt er. Doch er erinnert sich noch gut an jenen Freitag, den vergangenen 17. Mai: «Es war 18.04 Uhr. Ich war im Büro, als ich das Video das erste Mal gesehen habe.» Ein Schock. Auch für ihn. «Ich hatte einmal einen Autounfall. In dem Moment zieht alles ganz langsam an dir vorbei. So ähnlich hat es sich angefühlt und ich wusste: Jetzt wird sich ganz viel ändern.» Für die Politik habe sich der 28-Jährige schon früh interessiert – nicht nur in der Musikhauptschule, wo man über verschiedenste Themen gesprochen habe. Auch zuhause vor dem Fernseher konnte er sich so manches Mal aufregen. «Vor allem über Politiker, die die Probleme bei uns im Land immer schöngeredet haben. Da war für mich klar: ich will in die Politik und das anders machen.» Heute kommt der junge Politiker mit seiner direkten Art bei vielen gut an.

Und so trat er schon bald, mit jungen 22 Jahren, das erste Mal bei den Nationalratswahlen als Spitzenkandidat an. «Ich weiss noch: ich habe an 13 Podiumsdiskussionen teilgenommen. Jedes Mal stand ich neben Harald Walser, von den Grünen. Er schüttelte immer schon den Kopf, bevor ich überhaupt etwas gesagt habe», erzählt er. So mancher denkt wohl heute noch, ein 28-Jähriger sei zu jung und zu unerfahren für die Politik. Christof Bitschi selbst findet eine Verjüngung in gewissen Bereichen als Bereicherung. «Unsere Partei ist mit fast drei Generationen im Landtag vertreten. Dieses Miteinander ist ein Gewinn, weil jeder einen anderen Blickwinkel in die Politik miteinbringt.» 
Dieses Miteinander lebt Christof Bitschi auch in seiner Firma, einem kleinen Transportunternehmen, das er gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder vor drei Jahren gründete. Ein lang gehegter Traum von ihm. «Ausserdem war es mir immer wichtig, als Politiker frei und unabhängig zu sein.» 

Auf der Baustelle abschalten

Zuhause ist Christof Bitschi in Brand. In dem Dorf, wo Touristen ihren Skiurlaub verbringen und jeder jeden kennt, ist er auch aufgewachsen. Seine Eltern und Grosseltern führen nebenher einen kleinen Bauernhof. Dass er und sein Bruder dort bereits früh mit anpackten, war da selbstverständlich. Vor körperlicher Arbeit hat er sich nie gescheut, im Gegenteil, wie er sagt. «Arbeiten ist für mich etwas Schönes. Dabei kann ich abschalten.» Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, das mag er weniger. So macht er sich auch in der eigenen Firma gern nützlich. Auch wenn er vielleicht nicht das grösste Talent in der Werkstatt sei, wie er zugibt: «Mein Bruder ist Lkw-Mechaniker und meint, wenn ich einen Tag fahre, muss er anschliessend drei Tage montieren.» Dafür sei er der penibelste, wenn es darum geht, die Laster zu waschen. «Ich bin der sauberste in der Firma», sagt er und lacht. Was allerdings nicht heisst, dass sich der Politiker nicht trotzdem die Hände schmutzig macht. So hat man ihn schon auf so mancher Baustelle angetroffen, wenn er für einen Fahrer einspringt oder selbst einen türkisen Bagger bedient. Ein «rabiater Bulldozer-Typ», wie man ihm schon unterstellen wollte, sei er aber nicht. «Das Baggerfahren ist eine sehr sensible Angelegenheit», weiss er aus Erfahrung. Denn wer einmal am Samstagnachmittag eine Fernsehleitung erwischt, bekommt sehr schnell den Unmut seiner Nachbarn zu spüren. «Das ist mir zum Glück nur einmal passiert.» 

Ehrliche Politik im Zeltfest 

Für den Politiker und Firmenchef sind die Arbeitstage lang. Zwölf Stunden sind die Regel, 14 bis 16 sind auch nicht unüblich. Freie Wochenenden gibt es wenige. Zeit zur Regeneration braucht Christof Bitschi aber nicht viel. «Da kommt mir wahrscheinlich meine Jugend zugute.» So genügen ihm schon ein oder zwei freie Tage, die er gern mit seiner Freundin im Tiroler Zillertal verbringt, um seinen Akku wieder aufzuladen. Dort, wo ihn dann auch einmal niemand kenne. Bekannt zu sein, sei ihm aber nicht unangenehm. Vielmehr schätze er die vielen Begegnungen und Gespräche. «Ich sage immer: bei einem Zeltfest am Abend habe ich die besseren Gespräche, als mit den Politikern im Landhaus. Dann sagen einem die Leute nämlich sehr direkt, wo es Probleme gibt. Wichtig ist es, den Menschen zuzuhören, um sie zu verstehen. So gesehen ist Politiker im Grunde ein ganz einfacher Job: nämlich umzusetzen, was die Wähler von einem erwarten. » (sms)

06. Okt 2019 / 00:00
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