•  (Tatjana Schnalzger)

"Ich hätte nie gedacht, einmal Bademeister zu werden"

Noch immer trifft man Erwin Wehinger, den «Mitch von der ‹Felsi›», im Schwimmbad Felsenau an. Fast 30 Jahre lang hat er sich liebevoll um das Bad und seine Gäste gekümmert.

Es ist ein vertrauter Anblick: Erwin Wehinger sitzt gleich um die Ecke des Eingangs, am Rand des Schwimmbeckens und plaudert mit einem Badegast. Heute trägt er  ein blaues Hemd. Früher war es ein leuchtend gelbes T-Shirt, als er noch Bademeister im Schwimmbad Felsenau war. «Fast 30 Jahre», rechnet er nach. In die «Felsi» kommt er noch immer regelmässig. Zum Schwimmen und zum einen oder anderen Glas gespritzten Most, bei dem er mit den Stammgästen plaudert. «Und zum Kontrollieren, ob mein Nachfolger alles recht macht», sagt er augenzwinkernd. Für einen Spass war der «Mitch von der ‹Felsi›» immer schon zu haben. Gäste mit einer Kurzbadekarte foppte er gern mit dem Schmäh, dass sie nur bis zur Mitte des Beckens schwimmen dürften. «Da habe ich schon darauf geachtet, dass sie in der Hälfte wieder umdrehen», sagt er und lacht. 

Doch wer meint, der Job des Bademeisters im Schwimmbad Felsenau sei ein gemütlicher, den kann Erwin Wehinger eines besseren belehren. «Etwa 14 Stunden haben die Arbeitstage.» Findet in der Felsi ein Event statt, wie zum Beispiel das Vollmondschwimmen, sind es noch mehr. «Da ist es schon mal vier oder  fünf Uhr morgens geworden», erinnert er sich. An solchen Tagen sei er gar nicht erst nach Hause gegangen, sondern habe sich im Bademeisterzimmer für eine Stunde hingelegt, bevor er das Schwimmbad wieder für die Gäste vorbereitete. «Im Sommer ist die Familie oft zu kurz gekommen», ist ihm bewusst. «Doch das bringt der Beruf als Bademeister mit sich.» Umso mehr geniesse er heute dafür die Zeit mit seinem Enkelkind.  

Ins kalte Wasser geworfen
«Ich hätte nie gedacht, einmal Bademeister zu werden», gesteht der «Felsi-Mitch». Eigentlich sei er ja gelernter Maler und Tapezierer. Zu dem Beruf sei er wie die Jungfrau zum Kind gekommen. «Ich hatte schon eine fixe Zusage für eine Lehrstelle im Büro. Dann war der Maler bei uns im Haus.» Dieser hat den Jungspund gleich für ein paar Arbeiten eingespannt und als Lehrling angeworben. Rund 15 Jahre habe Erwin Wehinger als Maler und Tapezierer gearbeitet, bevor er sich beruflich verändern wollte und die Stelle als Bademeister im Schwimmbad Felsenau bekam. Gemalt hat er trotzdem noch. «Ich habe das Becken jedes Jahr im Frühling neu ausgemalt.»

Als frischgebackener Schwimmbadchef sei er damals sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen worden. Ohne Erfahrung, ohne Vorkenntnisse und ohne Einweisung seines Vorgängers habe er den Dienst in der «Felsi» angetreten. «Ich weiss noch, damals hatte es zwei Monate lang durchgehend schönes Wetter – und ein volles Bad.» Nur der Servicemann habe ihm noch schnell erklärt, worauf er bei der alten Anlage zu schauen hatte. Diese hat die Wasserwerte noch nicht selbstständig gemessen und ausgeglichen. «Mit dem Befüllen des Beckens ist die Arbeit nämlich noch lange nicht getan», weiss der erfahrene Bademeister. Laufend musste er die Wasserwerte kontrollieren und ausgleichen. Eine heikle Angelegenheit, wie er eines Tages feststellen musste. «Ich hatte zum Messen eine falsche Karte benutzt. Dass der pH-Wert bereits viel zu niedrig war, hat es mir nicht angezeigt», erinnert er sich. Über Nacht kippte das Wasser und wurde grün. «Zum Glück kam an dem Tag zufällig ein Chemie-Vertreter vorbei und hat mir gezeigt, worauf es ankommt.» Dank der Unterstützung seines tollen Teams, auf das sich Erwin Wehinger blind verlassen konnte, und der Hilfsbereitschaft der Badegäste dauerte es nicht lange, bis er wusste, wie der Hase in der «Felsi» läuft.  

Bademeister aus Leidenschaft
Seinen Job hat der «Felsi-Mitch» immer sehr ernst genommen. So sorgte er über die Jahre dafür, dass das älteste Schwimmbad Vorarlbergs ein erholsamer und schöner Badeort bleibt. Eigenhändig hielt er die vielen Kabinen instand, organisierte eine Solarheizung für das Wasser, setzte sich für eine neue Wasseraufbereitung mit Grander-Technologie ein und sorgte mit kleinen und einfachen Ideen dafür, dass sich die Badegäste wohlfühlen. Und auch wenn er während seiner Runden durch das Bad gern mit den Gästen plauderte und alberte, hatte er stets ein wachsames Auge auf das Schwimmbecken. So einige musste er im Laufe der Jahre aus dem Wasser fischen. Ertrunken ist in all der Zeit aber keiner. «Wenn man am Morgen ins Bad kommt, ist das Wasser noch ganz ruhig und die Sonne geht gerade auf. Das war für mich immer der Moment, an dem ich mich bei Gott bedankt habe, dass ich in der ‹Felsi› arbeiten durfte und ihn um Schutz und Führung für den Tag gebeten habe», erzählt Erwin Wehinger demütig.

Vor etwa einem Jahr hat der ehemalige Bademeister das Schwimmen für sich entdeckt. Jetzt, wo er Zeit hat, zieht er gern selbst einige Runden im Schwimmbecken. «Wenn ich nicht gerade mit jemandem reden muss», meint er scherzend. Um dem zu entgehen, setze er schnell seine Schwimmbrille auf und tauche ab. «Das funktioniert recht gut. Aber am Rand erwischen sie mich dann doch manchmal.» Eigentlich wäre Erwin Wehinger von zu Hause schneller bei den Baggerlöchern in Brederis oder im Waldbad in Gisingen. Trotzdem kommt er lieber in die «Felsi» nach Frastanz, wie er feststellt. «Ich mag die Leute, die Aussicht, die Atmosphäre hier oben – das ist einfach mein Schwimmbad.» (sms)

16. Jun 2019 / 00:00
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