• Saif Khan, Trübbach
    «Ich glaube, am meisten gewöhnen musste ich mich an den Geruch von Käse», sagt Saif Khan, Geschäftsführer Restaurant Selva in Trübbach.  (Tatjana Schnalzger)

«Ich bin ein Kämpfer»

In Pakistan war Saif Khan ein angesehener Landwirt. Nach seiner Flucht in die Schweiz musste er noch einmal von vorn anfangen. Heute führt der Koch das Restaurant Selva in Trübbach.

Dass er einmal ein Restaurant in der Schweiz führen würde, hätte Saif Khan nie gedacht, wie er gesteht. Überhaupt hätte er nie gedacht, sein Heimatland, Pakistan, einmal verlassen zu müssen. Doch im Jahr 2000 war er gezwungen, zu fliehen. «Aus politischen Gründen», wie er kurz erklärt. Mehr wolle er dazu nicht sagen. «Das ist schon lange her …» Als er in der Schweiz ankam, hatte er nichts dabei, ausser seinen Kleidern am Leib. Das Geld für den Flug hat damals seine Familie aufgebracht. «Ich kam zuerst ins Asylheim Neckertal», erinnert er sich. Dort sollte er ein Jahr bleiben, bis sein Asylantrag genehmigt wurde. Während dieser Zeit durfte Saif Khan nicht arbeiten. Seinen ersten Job  fand er schliesslich 2002 in einer Küche in Vilters. Dort war er für den Abwasch zuständig. 

In Pakistan war Saif Khan einst ein angesehener Landwirt. Ein Getreidebauer, wie er erzählt. «Ich hatte etwa 40 Angestellte.» Sechs Monate im Jahr baute er Reis und Weizen an. Die andere Hälfte des Jahres hatten er und seine Angestellten frei. «Im Sommer ist es zu heiss und das Wasser zu knapp, als dass man da etwas anbauen hätte können. Und im Winter war es natürlich zu kalt.» Er war 16 Jahre alt, als er den Betrieb übernahm. Aufgebaut hatte den Betrieb sein Grossvater. Wenn auf dem Acker nichts angebaut wurde, engagierte er sich politisch in seiner Heimat. Auch dafür war er ein angesehener Mann. «Nach meiner Flucht bin ich über Nacht von der obersten Schicht in der untersten gelandet. Das war schon happig für mich. Mein Leben hatte sich um 180 Grad gewendet.»

Vom Tellerwäscher zum Restaurantführer
Doch Saif Khan ist ein Kämpfer, wie er mit einem bestimmten Lächeln sagt. Vom Tellerwäscher zum Restaurantführer – über die Jahre hat er sich nach oben gearbeitet. Während seiner Zeit als Tellerwäscher nutzte er die Zimmerstunden, um die neue Sprache zu lernen. Schon damals lebte er in Bad Ragaz. Die Strecke von 23 Kilometern zwischen seiner Wohnung und dem Restaurant in Vilters legte er mit dem Fahrrad zurück, vier Mal täglich. 2005 trat er eine Lehrstelle als Koch an. «Und zwei Jahre später habe ich meinen Lehrabschluss gemacht», sagt er stolz. Seither hat er in vielen Schweizer Küchen in der Region gekocht und sich laufend weitergebildet, zum Diätkoch zum Beispiel. Die letzten Jahre war er hauptsächlich als Küchenchef tätig. Im vergangenen Jahr hat Saif Khan das Restaurant Selva in Trübbach übernommen. «Ich habe im August 2017 als Koch angefangen, mit der Absicht, das Restaurant zu pachten.» Doch der Inhaber wollte nicht verpachten, sondern verkaufen. «Das kam für mich eigentlich nicht in Frage. Meine Frau und ich, wir hatten eigentlich kein Geld», erzählt er. Doch dank ihrer Unterstützung und jener von Freunden und Investoren konnte er das Geld schliesslich doch aufbringen und das Speiserestaurant an der Guferastrasse in Trübbach kaufen. 

Er kocht nur in der Schweiz
Die Arbeit als Koch gefällt dem eingebürgerten Schweizer. «In Pakistan habe ich nie gekocht», gesteht er mit einem Schmunzeln. «Nicht einmal Tee.» Er koche auch nicht pakistanisch, wie er sagt. «Ich kann schon ein paar Gerichte kochen, ein Lammcurry zum Beispiel. Meine Mutter hat mir am Telefon einmal das Rezept dafür gegeben.» In der Schweizer Küche kennt er sich dafür bestens aus. Nur beim Würzen kommen die pakistanischen Wurzeln durch. «Meine Frau meint immer, ich würze zu viel», sagt er und schmunzelt. 
Für die Gastronomie habe er sich eigentlich nicht bewusst entschieden. Der Job des Tellerwäschers war der einzige, der ihm angeboten wurde. «Ich habe eine Weile versucht, einen technischen Beruf zu finden. Aber das war sehr schwierig.» Schwierig sei auch die deutsche Sprache gewesen. «Die ersten zwei Jahre war ich nicht motiviert, überhaupt etwas zu lernen, auch keine Sprache», sagt er. Auch habe es kein entsprechendes Umfeld gegeben, in dem er hätte Deutsch sprechen müssen. «Erst nach zwei Jahren, als klar war, dass ich nicht mehr nach Pakistan zurückkehren werde, musste ich mir überlegen, wie es weitergehen soll.»

Familie bedeutet ihm viel
Seine Entscheidung, in die Schweiz zu flüchten, hat Saif Khan nie bereut. «Ich finde es toll, dass man als Flüchtling sich hier ein gutes Leben aufbauen kann, wenn man will und dafür arbeitet.» Die Schweizer Kultur sei anfangs etwas gewöhnungsbedürftig gewesen. «Ich glaube, am meisten gewöhnen musste ich mich an den Geruch von Käse», sagt er und lacht. Fondue und Raclette esse er aber sehr gern. 
Am meisten vermisse er in der Schweiz seine Familie. Diese habe in Pakistan noch eine grössere Bedeutung als in der Schweiz. «Ich kenne alle meine Cou-cou-cou-Cousins», erklärt er. Mittlerweile kann Saif Khan wieder nach Pakistan reisen und seine Familie besuchen. «Das geniesse ich immer sehr.» (sms)

26. Jan 2019 / 21:15
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