•  (Tatjana Schnalzger)

Ein Pfundskerl, der das Herz auf der Zunge trägt

Wer ihn kennt, weiss: Dieser Mann hat immer einen flotten Spruch auf den Lippen. Da wird es nie langweilig. Nicht nur, dass er schon einiges erlebt hat. Er hat auch zu allem eine klare Haltung.

Lächelnd steigt er aus dem Auto aus, kommt auf uns zu und schliesst uns erst einmal so richtig in die Arme. Lange haben wir uns nicht mehr gesehen. Er hat sich kaum verändert. Es ist immer noch derselbe Ossi, mit dem wir bis vor acht Jahren noch täglich im Vaduzer Medienhaus zusammengearbeitet haben. Der unseren Arbeitsalltag bereichert hat. Mit dem wir so viel gelacht und über den wir uns manchmal auch geärgert haben. Schimpfen konnte er wie ein Rohrspatz, wenn ihm etwas nicht gepasst hat. Und gleichzeitig wussten alle: Dieser Mann hat ein Herz aus Gold. 

Seit acht Jahren ist er nun im Ruhestand. Wobei das vielleicht das falsche Wort ist. Ossi Ott ist kein Mensch, der sich zurücklehnt und das Nichtstun geniessen würde. Da ist ein grosser Garten, den es zu hegen und pflegen gilt. Rund ums Haus gibt es immer wieder etwas zu tun. Ausserdem stehen jährlich Reisen an.

Arbeiten bei Kerzenlicht
Er könne sich noch gut an seine Anfänge bei der Zeitung erinnern, erzählt er. Als Texte noch auf Seiten aufgeklebt und persönlich in die Druckerei gebracht wurden. Und dann, als endlich neue Möglichkeiten für den Zeitungsdruck und die Übermittlung der Seiten in die Druckerei gefunden wurden. «Die Glasfasertechnik war noch weit entfernt und die Übermittlung einer Seite hat noch rund 25 Minuten gedauert», erzählt er. So hatte Ossi Ott so manche Nachtschicht einzulegen, bis alle Seiten übermittelt waren. Vor allem, wenn dann um 3 Uhr morgens auch noch der Strom ausgefallen ist und er im Licht der Kerzen noch Seiten zusammengeklebt hat. Ja, es gab so einige Herausforderungen, «doch in meiner ganzen Karriere ist nicht ein einziges Mal eine Zeitung ausgefallen», sagt Ott nicht ganz ohne Stolz. Seine Kontakte und Besuche verschiedener Druckmessen in Deutschland und Holland führten unter seiner Leitung im «Vaterland» schliesslich dazu, dass eine neue Technik und damit die digitale Umwandlung eingeleitet werden konnte. «Mich freut es sehr, zu sehen, dass der damals eingeführte Ablauf von der Redaktion über die Seitengestaltung bis zur Übermittlung in die Druckerei bis heute beibehalten wurde. Das bedeutet wohl, dass wir damals alles richtig gemacht haben. Der Fortschritt ist enorm.» Die Digitalisierung habe zahlreiche Erleichterungen mit sich gebracht, bedeute für alle aber auch mehr Stress. «Heute muss und kann alles sofort geliefert werden. Es ist eine völlig andere Art des Zeitungsmachens.» Dann schwelgt Ossi Ott noch einmal in Erinnerungen, erzählt die eine oder andere Episode, lacht lauthals heraus und fragt dann: «Gell, Klartext habe ich schon immer gesprochen?» Ja, das hat er in der Tat. Und das war auch gut so.

Einen Dschungel im Garten
Ossi Ott ist eigentlich ein gebürtiger Nendler, mit seinen zehn Geschwistern allerdings in Schaan aufgewachsen. Leider leben von seinen Geschwistern nur noch drei. Zu ihnen hat er guten Kontakt, auch wenn er vor acht Jahren wieder ins Unterland, nach Eschen, gezügelt ist. Dort fühlt sich der «Heimkehrer» inzwischen sehr wohl – obwohl seine Geschwister und ein Grossteil seiner Freunde nach wie vor im Oberland leben. So weit sei der Weg von Eschen nach Schaan oder Vaduz ja nicht, lacht er. Und diesen Weg nimmt er natürlich gerne auf sich und ist wöchentlich nach wie vor im «Stamm» im «New Castle» in Vaduz anzutreffen. 
Und sonst? «Mir geht’s sehr gut! Meine Frau pflegt mich sehr gut», lacht Ossi Ott auf die Frage, wie es ihm denn nun seit seiner Pensionierung geht. Zwar kann sich der einst so leidenschaftliche Skifahrer und Fussballer aufgrund seiner künstlichen Knie – 16 Operationen musste er über sich ergehen lassen – nicht mehr so sportlich betätigen, wie er gerne würde, doch das kompensiert er heute mit Garten- und Schreinerarbeiten. Und das nicht weniger leidenschaftlich.

Hier zeigt sich: Ossi Ott und seine Frau Katja sind ein eingespieltes Team. «Ich schreinere die Gestelle, Katja bepflanzt sie.» Und weil er halt gerne schreinert, hat sie entsprechend viel zu bepflanzen. «Bei uns zuhause sieht es aus wie im Dschungel», lacht er und zeigt Fotos, von denen man meinen könnte, sie seien in einem riesigen professionellen Gartenbaucenter aufgenommen worden.

«Das kannst du ruhig schreiben»
Ossi Ott ist ein sehr ausgeglichener Mensch, kann aber auch mal etwas temperamentvoll werden. «Störrisch», wie er selber sagt. Dies vor allem dann, wenn man mit ihm über die Politik in unserem Land spricht, die er nach wie vor mit grossem Interesse verfolgt. Wenn er über die Entwicklungen spricht, die ihm nicht gefallen, dann kommt eben dieses Temperament zum Vorschein. «Es geht nur um Gewinne, nur um Geld. Und das immer auf Kosten der Bürger», ärgert er sich. Und dann sprudelt es förmlich aus ihm heraus. «Es gibt keine Armut in Liechtenstein? Das ist lächerlich!» Es werde Geld für die Flüchtlingshilfe ausgegeben, aber die «Hiesigen» unterstütze man nicht. Alles werde auf den Steuerzahler abgewälzt. Und das Gesundheitssystem sei an die Wand gefahren worden und für ältere und kranke Leute ein Hohn. Auch verkehrstechnisch werde nur ständig «rumgeflickt». Eine Hochbahn durch das ganze Land – die Technologie sei im Land vorhanden – wäre fast ohne Bodenverluste und Umweltbelastung realisierbar. «Es gibt vieles, was mich richtig krank macht. Der Unmut ist gross. Die Regierung ist unfähig und weit vom Volk entfernt. Aber Hauptsache, man kann Reserven anlegen und sich damit brüsten.» Ossi Ott fehlen Menschen mit Vorstellungen und Visionen. «Mit kleinen Schrittchen kommt man nicht weiter. Man muss halt auch mal einen grossen Schritt wagen. Das kannst du ruhig schreiben.» Und so schnell wie er kurz aufgebraust ist, zeigt sich dann wieder der fröhliche, ausgeglichene Ossi Ott, der voller Stolz von seinen Töchtern und Enkeln spricht. Von der Freude am Reisen. Seiner Familie. Seinen Freunden und Kollegen. Vom Schrebergarten und vom Stammtisch im «New Castle». Und noch vielem mehr … (dv)

04. Nov 2018 / 00:00
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