"Die Natur braucht Zeit und Geduld"

Drei Jahre lang hegt und pflegt Cordula Good bereits ihre Blumenwiese wie ihre vier Bienenvölker in Balzers. Mit ihren Projekten hat sie allerhand zu tun.

Zwischen den landwirtschaftlich genutzten Flächen nördlich in Balzers befindet sich auf einer Wiese das kleine Paradies von Cordula Good. Insekten schwirren und kreuchen in der bunten Blumenpracht umher. «Vor drei Jahren haben wir alles umgepflügt und frische Wildblumen gesät. Da es die vergangenen Jahre so heiss war und die Wiese von früher noch überdüngt ist, braucht es seine Zeit», erzählt sie voller Begeisterung. Langsam trägt ihre Arbeit Früchte, am Rand der Wiese zeichnet sich ein Sandstreifen ab. «Da der Boden nicht mehr gepflügt wird, leben dort jetzt Sandbienen», freut sich Cordula Good. An der Aussenseite ihrer Materialhütte sind Spuren von Wildbienen sichtbar. «Erstaunlich, wie sich die Artenvielfalt auf einer so kleinen Fläche in kurzer Zeit entwickeln kann», ist die Balznerin erstaunt und ihre Augen beginnen zu leuchten, ständig erblickt sie ein weiteres Insekt.

Die Liebe zur Natur kommt bei ihr nicht von ungefähr: «Mein Grossvater war Imker und ihm gehörte die Parzelle.» Seine Hütte steht noch, obwohl sie allmählich auseinanderfällt. Familienfeiern und Geburtstage wurden dort abgehalten. «Er schleuderte den Honig von Hand, der Boden war immer klebrig», berichtet sie. Auch erinnert sie sich noch genau daran, als eines Tages ein Bienenschwarm über ihnen schwirrte. Sie rief ihren Grossvater, damit er sich darum kümmern kann, aber die Bienen waren so aggressiv, dass alle Anwesenden verstochen wurden. 

Alles nahm seinen Lauf
Auch wenn niemand in der Familie die Imkerei ihres Grossvaters weiter betrieb, gingen Cordula Good die Insekten nie ganz aus dem Kopf. Doch wusste sie nicht genau, wie sie es angehen sollte. Da traf sie eines Abends Günther Vogt (er war auch Imker) in ihrer Stammbeiz und kam mit ihm ins Gespräch. Plötzlich nahm alles seinen Lauf: Er meldete sie auf dem entsprechenden Amt an und sie besuchte einen Kurs. Sofort war sie in ihrem Element. 
Obwohl gerade eine Bise weht, bringen die Bienen fleissig den Blütenstaub in ihr Heim und verteidigen es heftig gegen Eindringlinge. Cordula Good könnte ihnen stundenlang zusehen – wie auch darüber erzählen. Oft sitzt sie gemeinsam mit ihrem Partner abends nach der Arbeit oder am Wochenende vor ihrer kleinen Hütte und beobachtet das bunte Treiben. Durch die Bienen und die Blumenwiese lerne man, Geduld zu haben und abzuwarten. Dabei kann sie abschalten. «Man lernt so viel über die Natur», erläutert sie. Nicht fehlen darf ihr Hund Laura, ein ehemaliger Strassenhund aus Sizilien. Sie ist, wann immer es geht, mit von der Partie.
Die gebürtige Balznerin ist ihrem Wohnort stets treu geblieben. Nur für eine kurze Zeit wohnte sie in Triesen, kehrte aber rasch wieder nach Balzers zurück. Vom Reisen aber ist sie nicht abgeneigt. «Dann fahren wir mit dem Wohnmobil los, irgendwo in die Natur, wo sonst niemand ist.» Alles, was mit Tieren und der Natur zu tun hat, begeistert sie und tut ihrem Wohlbefinden gut.
Derzeit macht der Obfrau vom Imkerverein Balzers eines von den vier Bienenvölkern Sorgen, da es von Varroamilben befallen ist. «Die Behandlung ist ziemlich aufwändig. Der Honigraum wie die Königin müssen raus, eine neue Beute her wie ein neuer brutfreier Rahmen. Die Behandlung erfolgt mit Gift», seufzt sie.

Während der Arbeiten am Bienenstock trägt sie jeweils ihre Schutz­ausrüstung. «Obwohl Stiche dazugehören, angenehm sind sie nicht», fügt Cordula Good hinzu. Wenn es den Bienen schlecht geht, leidet sie mit ihnen. «Mir schlägt es jeweils aufs Gemüt, ich kann dann gar nicht richtig hinschauen.» Wenn die Insekten aber zufrieden sind, dann ist auch ihre Freude umso grösser. Auch hätten die Bienen ihre Launen, manchmal seien sie friedlich und dann wieder aggressiv. Der Honig ist für sie eher nebensächlich, wie eine Belohnung. «Die ersten Jahre haben wir den Bienen den Honig gelassen. Unser Ziel, sie gut über den Winter zu bringen, war vorrangig.» In ihrer Waschküche befindet sich die Schleuder, um den Honig zu verarbeiten. «Es ist eine ziemliche Materialschlacht und auch teuer. Zudem muss der Raum einigen Hygienevorschriften entsprechen.» Für den Vertrieb ist es allerdings noch zu wenig. 

Der Natur Zeit geben
Fast ihre gesamte Freizeit widmet Cordula Good den Bienen und ihren Naturprojekten. Das zeigen auch die Fotos auf ihrem Smartphone, hauptsächlich Bilder von Blumen und Bienen sind darauf gespeichert. Die gelernte Hochbauzeichnerin hat mit ihrer Wiese noch einiges vor. Dazu gehört beispielsweise die Entfernung des Zaunes vom Bach neben ihrem Grundstück, damit weitere Tiere freien Zugang auf die Grünfläche erhalten. Obwohl ihre Projekte mit der Blumenwiese, Bienen und einer alten Obstbaumsorte, die gepflanzt wurde, eigentlich viel Geduld in Anspruch nehmen, muss es bei ihr hin und wieder zügig vorangehen. «Vor allem, wenn ich eine Idee habe, muss ich gleich an die Umsetzung. Zum Glück ist mein Partner stets dafür zu begeistern. Wenn es um die Natur geht, sind wir dabei.» Doch wenn die Natur ihre Zeit braucht, ist es für sie kein Problem, einfach zu warten. Schliesslich könne sie nicht alles sofort haben.  (ms)

 

25. Apr 2020 / 19:37
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